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Stadtbergen

17.01.2019

Aus Müll wird bunte Kunst

Die Stadtberger Künstlerin Andrea Groß zeigt in ihrer nächsten Ausstellung Kunstwerke aus Plastikmüll. Hier ist sie mit ihrem Bild „Meeresweite“ zu sehen, bei dem sie mehrere Lagen aus Tüten übereinandergelegt hat. 

Andrea Groß aus Stadtbergen zeigt in ihrer Ausstellung „Angespült“ Collagen, die sie aus Plastikabfall aus dem Meer fertigt. Was sie mit damit vermitteln will.

In dem Atelier von Andrea Groß liegt mitten im Zimmer, ausgebreitet auf einer weißen Unterlage, jede Menge Müll. Alte Löffel, ein Federball, Deckel und Kapseln, Sandspielzeug eine halbe Schuhsohle und ein Haufen Schnüre, Folien und zerbrochene Kleinteile. Alles aus Plastik. Doch für die Stadtberger Künstlerin Andrea Groß ist das nicht nur Müll, den sie einfach in der Gelben Tonne entsorgt. Sie schafft aus den Plastikteilen Collagen und Kunstwerke, die sie in ihrer Ausstellung „Angespült“ in Stadtbergen zeigen wird.

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Seit zwei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema. Sie sagt: „Plastik wird ja immer umstrittener. Natürlich versuche ich selbst, es zu vermeiden. Aber ich frage mich natürlich: Was kann ich als Künstlerin leisten.“ Auf ihren Reisen nach Kreta, Italien und Sardinien hat Andrea Groß ihre Fundstücke aus Plastikmüll am Meer gesammelt. „In Europa schaut es ganz böse aus, vor allem außerhalb der Hauptsaison. Da sind die Strände nicht aufgeräumt. An den miesesten Orten findet man den tollsten Müll.“ Schon viele Jahre sammelt sie gerne Dinge. Erst waren es Pilze und Muscheln, dann Schwemmhölzer, mittlerweile sind es Plastikteile, die von den Wellen angespült werden. „Mir gefällt es, wie das Salzwasser das Material verändert, es mattiert und formt. Doch bevor ich mit den Teilen arbeite, wasche ich alles erst mal gründlich ab.“

Ein zickiges Material, porös und hart

Für Andrea Groß ist es spannend, mit Plastikmüll zu arbeiten, aber sie gibt auch zu: „Es ist ein zickiges Material, porös und hart, man weiß nicht immer, wie es sich verhält.“ So zum Beispiel bei ihrem Werk „Meeresweite“. Andrea Groß hat dafür mehrere Plastiktüten und -folien übereinandergelegt und daraus ein Bild vom Meer kreiert. Aus der Ferne wirkt es wie gemalt, erst beim näheren Betrachten erkennt man die Folienschichten. Auch kuriose Teile wie einen Schnuller und eine Scheckkarte hat sie in eine Collage eingearbeitet. „Die lagen alle an einer Stelle, umgeben von Sandspielzeug. Das war so typisch. Eine Familie macht Strandurlaub und hinterlässt ihren ganzen Müll.“

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Solche Fundstücke, die Andrea Groß am Strand ins Auge fallen, sammelt sie ein. Wenn der Koffer voll ist, muss sie schon mal auf die Post ausweichen und eine Kiste mit Müll nach Hause schicken. Zu Hause sortiert die Künstlerin die Teile und arrangiert sie thematisch, nach Farben oder Formen. „Ich suche mir vor allem die Stücke aus, die mich faszinieren.“ Die Teile befestigt Andrea Groß auf alten Netzen, die sie gefunden hat. „Eine Unterlage für die Werke im Baumarkt zu kaufen, wäre für meine Kunst kontraproduktiv.“ In all ihren Collagen sind menschliche Gesichtszüge oder Körperformen zu erkennen. „Das ist das Thema, das eigentlich alle meine Arbeiten durchzieht. Das Menschsein an sich und alle Gefühle, die dazugehören.“

Ein zeitgemäßes und zeitgenössisches Material

Diese Emotionen erkennen die Betrachter auch, wenn sie sich die Titel der Collagen anschauen. Andrea Groß stellt zum Beispiel zum ersten Mal die Werke „Mädchenträume“ und „Allein unterwegs“ im Stadtberger Rathaus aus. „Die Besucher der Ausstellung können sich das anschauen und denken und fühlen, was sie wollen.“ Denn die Botschaft der Künstlerin lautet: „Die Essenz meiner Arbeit ist, aus Dingen, die nutzlos erscheinen oder gefährlich sind, etwas zu schaffen und sie zu verwandeln.“ Andrea Groß möchte vermeiden, den moralischen Zeigefinger zu heben. Es liege in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, wie sehr er sich für die Umwelt einsetzen wolle, sagt die Künstlerin. Ihr ist stattdessen wichtig: „Plastik ist ein zeitgemäßes und zeitgenössisches Material für Künstler.“

Informationen Andrea Groß zeigt ihre Collagen aus Plastik in der Ausstellung „Angespült“ zusammen mit Linolschnitten, anderen Collagen und Objekten im Rathausfoyer Stadtbergen bis Freitag, 15. Februar. Die Vernissage findet am Freitag, 18. Januar, um 19.30 Uhr statt.

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