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Meitingen

25.06.2018

Aus diesem Werk kommt Technik von morgen

Während der Führung wurden die Besucher des Nachbarschaftstags über die Herstellung von Sigraflex-Folien aufgeklärt. Das spezielle Produkt, aus dem vor allem Dichtungen gemacht werden, wird aus Grafitstein gewonnen. In Meitingen wird der Rohstoff in verschiedenen Schritten zur Folie verarbeitet.
Bild: Andreas Dengler

Nachbarschaftstag bei der SGL Group. So lernen Anwohner das Unternehmen kennen. Es geht um Forschung und Produktion.

Was produziert die SGL Group am Standort Meitingen? Und wie sieht das traditionsreiche Unternehmen hinter den Werksmauern aus? Diese und noch viele weitere Fragen wurden den rund 100 geladenen Anwohnern am vergangenen Samstag beantwortet. Bereits zum zweiten Mal lud Standortleiter Markus Partik zum Nachbarschaftstag ein. Einige der Nachbarn waren früher selbst in dem Werk beschäftigt und erkundeten neugierig ihre ehemalige Arbeitsstätte. Und auch Meitingens Bürgermeister Michael Higl und dessen Stellvertreterin Claudia Riemensperger (beide CSU) kamen zum Nachbarschaftstag. Nach einer kurzen Vorstellung der Firmengeschichte im modernen SGL Forum ging es mit dem Bus ins Werksgelände.

Da auch an den Wochenenden die Produktion nicht gestoppt wird, erlebten die Werksbesucher den Arbeitsalltag der SGL Group und den jeweiligen Unterfirmen am Standort noch besser. Bevor das Gelände betreten werden durfte, waren jedoch strikte Einlasskontrollen nötig. In Zeiten von Wirtschaftsspionage dürfe nicht jeder unkontrolliert in das Werk hereinspazieren, erklärte das Empfangspersonal. Ausgestattet mit Kontrollbändern startet die knapp zweistündige Tour durch das 300000 Quadratmeter große Gelände. Als Technologieunternehmen verschreibt sich die SGL Group der Verarbeitung und Entwicklung von Produkten aus Kohlestoff. Zum Einsatz kommen die speziellen und innovativen Produkte in der Auto- und Chemieindustrie. Aber auch für die digitale Technik und die erneuerbare Energiegewinnung ist das Können der Meitinger gefragt.

Mit 1800 Mitarbeitern zählt das SGL-Werk in Meitingen zu den größten Arbeitgebern im nördlichen Landkreis. Knapp die Hälfte der Belegschaft sei in der Forschung und Entwicklung von neuen Technologien beschäftigt, erklärte Partik. Und auch Konzernforschungsleiter Tilo Hauke lobte das Gleichgewicht zwischen Forschung und Produktion am Standort. Der Physiker ist bereits seit knapp 20 Jahren für das Unternehmen tätig. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er die Herstellung von kohlestoffbasierten Produkten. Dazu nutzt Hauke beispielsweise eine Pilotanlage für die Produktion von C-Fasern. Anhand der Testanlage werde untersucht, wie das Herstellungsverfahren und das Endprodukt noch verbessert werden können, erklärte Hauke. Die Produktion der C-Fasern, die in Autos der Premiumklasse verbaut werden, ist hingegen in Schottland und in den USA angesiedelt. Aber auch im Flugzeugbau werde auf das besonders leichte und widerstandsfähige Material zurückgegriffen.

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Neben der SGL Carbon und dem Gemeinschaftsunternehmen Brembo SGL Carbon Ceramic Brakes (kurz: BSCCB) ist neuerdings auch ein japanisches Unternehmen in Meitingen angesiedelt. Die Showa Denko Carbon Products übernahm die Grafitelektroden-Produktion der SGL Group. Die Produktion der Grafit-Nippel, die weltweit in Stahlöfen zum Einsatz kommen, zählte einst zum wichtigsten Artikel der SGL-Group. Um sich jedoch nicht zu verzetteln und die Forschung anderer Kohlestoff-Produkte voranzutreiben, entschied sich die SGL Group vor knapp zwei Jahren für den Verkauf des Geschäftszweigs, schilderte Partik.

Die Herstellung der Carbon-Keramikbremsscheiben gemeinsam mit dem italienischen Bremsenhersteller Brembo zählt zu den wichtigsten Zukunftsprodukten. „Bereits jetzt zählen wir weltweit zu den Marktführern“, betonte Partik. Die Carbon-Keramikbremsscheiben werden in Luxus-Automarken wie Bentley, Lamborghini, Audi und Porsche verbaut. Vor knapp 20 Jahren wurde die besondere Bremstechnik entwickelt und inzwischen werden rund 140000 Scheiben pro Jahr ausgeliefert.

Seit knapp 100 Jahren ist das Werk im Lechtal angesiedelt. Damals war die Nähe zum Lech und das dort angesiedelte Wasserkraftwerk der ausschlaggebende Grund für den Standort. Aber auch heute noch werden der Umweltschutz und die Nachhaltigkeit an dem Standort großgeschrieben. Der Sicherheits- und Umweltbeauftragte Rüdiger Meyer zu Reckendorf stellte den Besuchern die verschiedenen Vorkehrungen auf dem Werksgelände vor.

Zu den vielen Schutzmaßnahmen zählt ein spezieller Öko-Filter, der mithilfe von Bakterien die anfallenden Abgase reinigt. Aber auch regelmäßige Abgaskontrollen von internen und externen Stellen finden statt. Für mehr Sicherheit für das Personal sorgen eine werkseigene Feuerwehr und Duschräume, in denen die Produktionsmitarbeiter direkt nach der Arbeit die Partikel von der Haut waschen können.

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