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09.02.2015

Aus für die Dialektserie

Tracht und Dialekt gehören für viele zusammen.
Bild: Symbolbild: Lienert

 Der letzte Teil unserer Sprachserie befasst mit dem Wort „Gar“

Von Jürgen Dillmann

…aus iss und gar iss… Das Fleisch ist gar. Je nachdem, wo man lebt oder auch herkommt, hat dieser Satz völlig unterschiedliche Bedeutungen: Der eher nördlich Beheimatete drückt damit aus, dass etwa das Steak am Grill gut durchgebraten, also fertig zum Verzehr ist. Wir im Süden der Republik und auch die benachbarten Österreicher können damit aber auch ausdrücken, dass kein Fleisch mehr in der Tiefkühltruhe ist. Denn „gar“ heißt bei uns eher nicht fertig gekocht, dafür sagen wir meist „durch“. Vorrangig bedeutet bei uns „gar“ aus, zu Ende. Wie es zu dieser Bedeutung kommt, bleibt unklar, heißt es in den renommierten schlauen Wörterbüchern.

Diese süddeutsche Bedeutung von „gar“ oder auch „gär“ belegt einmal mehr die doch recht enge Verwandtschaft unserer Mundarten, ob nun österreichisch, oder schwäbisch oder bairisch - man versteht sich. Erst die Aussprache verrät meist die Herkunft. „Gar“ kann in unseren Dialekten auch übertrieben, zuviel des Guten bedeuten, wie Professor König, der an dieser Stelle oft zitierte Kenner der bayrisch-schwäbischen Sprache anführt: „…des wäär dän ou gäär“.

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Als Adverb ist „gar“ verstärkend, bedeutet vollständig, überhaupt: „Gar nicht“ sagt man aber nicht nur in unseren Dialekten, sondern auch im Schriftdeutschen. Daneben gibt es bei uns die Bedeutungen allzu, sehr, ziemlich und schließlich obendrein, sogar.

Die Bedeutung von aus und zu Ende finden wir allerdings auch im Schriftdeutschen in der Verbindung von „Garaus“, was Ende und Tod bedeutet: „jemanden den Garaus machen“, also umbringen. Laut Duden wurde in Süddeutschland im 15. Jahrhundert mit diesem Begriff als Aufforderung „gar aus!“ die Polizeistunde geboten. Dass man in der Mundart vieles genauer und vor allem auch sensibler ausdrücken kann, hat Karl Orff, der Musiker und Mundartliebhaber in seinem musikalischen Theaterstück „Astutuli“ (lateinisch „die Siebengscheiten“) mit dem bairischen Satz „aus iss und gar iss und schad iss, dass wahr iss“ (nachzulesen im Bräustüberl zu Andechs) eindrucksvoll unterstrichen. Da schwingt Wehmut mit, die vielen Enden innewohnt.

Und dies gilt nun auch für diese Mundartserie, die wir nach gut drei Jahren mit ihrer 170. Folge beenden. „Woisch oder woaßt“ haben wir im November 2011 gefragt und in der ersten Folge bereits besagten Orffschen Satz zitiert, der nun den Kreis schließt.

 In der kommenden Woche erzählt unser Autor Jürgen Dillmann über seine Erfahrungen bei der Erforschung der Wortbedeutungen. In einer neuen Serie wird er sich künftig mit schwäbischen Ortsnamen befassen.

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