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Neusäß

08.05.2019

Ausbau der Bahnstrecke: Stillstand am Bahnhof in Neusäß

Das ist der Bahnhof der 22000-Einwohner-Stadt Neusäß: Ein niedriger Bahnsteig, der nur über eine steile Treppe erreicht werden kann. Zu Stoßzeiten wird es hier außerdem gefährlich eng. Viele tausend Pendler und Schüler nutzen den Bahnhalt jeden Tag. 
Bild: Marcus Merk

Es kann gute und gerne zehn Jahre dauern, bis die neue Trasse der Bahnlinie Augsburg-Ulm steht. Ob Neusäß und andere Orte davon profitieren, ist offen.

Wenig sicher, überhaupt nicht barrierefrei und einfach trostlos: So präsentiert sich der Neusässer Bahnhof seinen täglich vielen tausend Reisenden. Und so wird es voraussichtlich noch mindestens zehn Jahre lang bleiben. Denn erst dann, auf jeden Fall nach dem Jahr 2025, könnte die endgültige Variante für den Ausbau der Bahnstrecke Ulm - Augsburg feststehen. Und erst dann könnten Kommunen in Vorleistung gehen, die so schnell wie möglich einen zeitgemäßen Bahnhof möchten.

Das hat jetzt dem Neusässer Stadtrat der Projektleiter der Bahn für diese Neubaustrecke, Markus Baumann, erläutert. Er sagt aber auch: Investiert werden kann immer in Bahnhöfe, allerdings ohne Garantie auf Rückerstattung durch den Bund. Denn auf dessen Kosten barrierefrei umgestaltet werden allein jene Bahnhöfe, die am Ende auch an der Ausbaustrecke liegen.

Der erste Auftritt in einem Stadtrat

Es ist das erste Mal, dass Baumann in einen Stadt- oder Gemeinderat entlang der heutigen Bahnstrecke gekommen ist, um über seinen Auftrag und den Planungsstand zu berichten. Einiges ist dabei nicht so, wie es die Neusässer Stadträte gerne hätten. Immer wieder im Laufe des Abends macht Markus Baumann nämlich eines klar: Es gibt keinen klaren Auftrag dafür, unbedingt ein drittes oder viertes Gleis – auch nicht von Oberhausen bis Dinkelscherben – zu bauen. „Der Auftrag des Bundes lautet, die Fahrzeit zwischen Ulm und Augsburg von heute schnellstens 38 Minuten auf 27 Minuten zu verkürzen. Meine Einschätzung ist, dass das allein mit einem Ausbau des Bestands nicht zu schaffen sein wird.“ Bis auf eine kurze Schnellfahrstrecke zwischen Kutzenhausen und Dinkelscherben stammt der Gleisstrang aus den frühen Tagen des Zugverkehrs und ist 160 Jahre alt.

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Das bedeutet, dass voraussichtlich nicht alle heutigen Bahnhöfe erhalten werden. „Dabei hängt von einem Bahnanschluss auch die Wichtigkeit der Orte ab“, so Bürgermeister Richard Greiner. Völlig offen ist weiterhin, in welchem Zeitraum der Ausbau der Bahnstrecke geschafft werden kann. Für Markus Baumann gilt im Moment eine einzige Zahl: Bis etwa Mitte der Zwanzigerjahre möchte er dem Bundestag vier oder fünf Varianten vorlegen, mit der sich seine Abteilung einen volkswirtschaftlichen Ausbau zum Erreichen des Zeitersparnis-Ziels erreicht werden kann. Der Bundestag muss sich dann für jene Variante entscheiden, die auch wirklich gebaut wird. Dann beginnt das eigentliche Planungsverfahren, für das aller Erfahrung nach mindestens ein weiteres jahr eingeplant werden muss. „Der Bau an sich benötigt am Ende meist die geringste Zeit“, so der Fachmann. Im Moment wartet Baumann auf eine wichtige Zahl: Die bayerische Eisenbahngesellschaft soll ihre Einschätzung für den Bedarf im Nahverkehr übermitteln. Auch daraus errechnet sich dann der tatsächliche Ausbaubedarf. Es könnte um ein drittes oder sogar viertes zusätzliches Gleis gehen.

Grüne: Bahnhöfe in der Region sind ein Skandal

Zurück zu den Bahnhöfen in der Region: Die seien eigentlich ein Skandal, findet Stadträtin Silvia Daßler. Neusäß ist da ein eindringliches Beispiel. Nicht nur Pendler nutzen den kleinen Bahnhof mit wenig Platz im Wartebereich jeden Tag für ihren Weg zur Arbeit. Auch eine große Zahl der Schüler im benachbarten Schulzentrum kommt per Bahn. Wer nach Augsburg oder in Richtung in Dinkelscherben will, muss zunächst eine steile Treppe zu den Gleisen überwinden. Auch der Einstieg in den Zug gelingt nur, wenn ein hoher Schritt auf die Stufen der Zugtür gemacht werden kann, denn der Bahnsteig selbst ist zu niedrig. Zu den Stoßzeiten herrscht täglich gefährliche Enge. Der Lärmschutz für Anwohner ist nicht überall in modernem Umfang vorhanden. „Da können wir sicherlich nicht warten“, findet Silvia Daßler.

Was Bürgermeister Richard Greiner außerdem besorgt: Wird die heutige Qualität des Nahverkehrs in den kommenden Jahren beibehalten werden können, wenn Stuttgart 21 einmal fertiggestellt ist? Dann werden mehr Fernverkehrszüge auf die jetzt vorhandenen zwei Gleise drängen – auf denen es im Grunde keine weiteren Kapazitäten gibt.

Der Appell des Bürgermeisters

Weil der Fernverkehr Vorrang vor dem Nahverkehr hat, könnte das sogar eine Ausdünnung des Angebots bedeuten. Greiners Appell ist eindeutig: Es muss einen drei- oder viergleisigen Ausbau bis Dinkelscherben geben, dahinter bis Unterfahlheim im Landkreis Neu-Ulm seien auch neue Trassen denkbar. „Die Bürger warten auf diese Lösung.“

Zudem wollte er Baumanns Aussage, ein kompletter Neubau sei oftmals schneller umzusetzen, nicht so stehenlassen. Er verwies auf den Stillstand im Inntal bei der Suche nach einer neuen Trasse zum Brennerbasistunnel.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Die Stadt Neusäß ist am Zug

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