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Neusäß

20.11.2018

Ausbildung: Schule macht Handwerksberufen Konkurrenz

Ausbilder müssen darauf reagieren, dass das Interesse der Jugendlichen an Ausbildungsberufen abnimmt, sagen Fachleute.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

An manchen Berufen lässt das Interesse der Schüler nach. Ausbilder müssen darauf reagieren, sagen Fachleute.

Konzentriert führt Konditormeister Eduard Walenta die Spritztüte vor, eines der wichtigsten Werkzeuge in seinem Beruf. Einige Schwünge und er hat ein feines Muster aus Schokolade gezeichnet. Anschließend greift er zu dem Strauß Marzipan-Rosen, den er ebenfalls zum Info-Abend „Karriere im Handwerk“ an die Eichenwaldschule in Neusäß mitgebracht hat. Zuerst zeigt Walenta, wie die Rosen geformt werden, dann verpasst er ihnen mithilfe eines Airbrush-Geräts unterschiedliche Farben.

Der Konditor-Branche fehlen die Azubis

Konditor ist nur einer von vielen Berufen bei der Infoveranstaltung, die die Kreishandwerkerschaft zusammen mit dem Landratsamt und der Handwerkskammer für Schwaben ins Leben gerufen hat. Vom Schreiner, über den Zimmerer und den Augenoptiker bis hin zum Kfz-Mechatroniker waren viele Berufe vertreten. Die Schüler der 7. bis 9. Klasse konnten festlegen, welche Ausbildungsberufe sie sich anschauen wollen.

In der Mensa, in der Peter Walenta seine Konditor-Kunst vorführt, sitzen vor allem interessierte Mädchen. Unter ihnen auch Noni aus der siebten Klasse. „Was er uns erklärt hat, war sehr interessant“, sagt sie nach dem Vortrag. Auf den Konditor habe sie sich schon gefreut, sie könne sich gut vorstellen, irgendwann in der Branche zu arbeiten. „Ich schaue mir immer das große Backen im Fernsehen und Backvideos auf Youtube an“, erklärt die Schülerin ihr Interesse an dem Beruf. „Ich will jetzt versuchen mich in der Schule anzustrengen, damit ich nach der neunten eine Lehre anfangen kann“, sagt sie und verschwindet in dem Raum für ihren nächsten Workshop, den der Bäcker-Innung.

Ausbilder müssten sich um ihre Azubis bemühen

Peter Walenta ist öfters auf Infoveranstaltungen und wirbt für sein Handwerk. Immer wieder muss er da auch die Frage beantworten, was man in der Branche verdient. „Eigentlich ist das ja nicht das Wichtigste, man muss vor allem glücklich mit dem Beruf sein. Für mich war er ein Leben lang ideal“, erklärt der Konditor. Trotzdem fehlen in der Branche die Azubis. Das liege nicht nur am Mangel der Bewerber, sondern manchmal auch an den Betrieben. „Nur mit bösen Worten funktioniert es nicht“, sagt Walenta. Er spreche das in der Innung immer wieder an. Aber auch die Azubis hätten sich verändert. „Ausbildung ist ein schwieriges Feld, da muss man immer mitlernen. Beide Seiten müssen sich umstellen“, fasst er zusammen.

Besser läuft es da bei einem großen Mercedes-Unternehmen mit mehreren Niederlassungen um Augsburg. Vor fünf Jahren habe man bemerkt, dass bald die Azubis ausgehen, sagt Christopher Dessi. Er ist Teil des Teams, das für die Werbung und Betreuung von Auszubildenden zuständig ist. Für Jugendliche, die eine Lehre im Betrieb anfangen, veranstaltet das Team Einführungstage, Schnitzeljagden und stellt die Neuen in den Abteilungen vor. „Jeder, der sich nicht um seine Azubis bemüht, bekommt irgendwann Probleme“, sagt Dessi. Er denkt dabei auch an seien Zeit als Auszubildender zurück: Anfangs hätten viele Kollegen nicht einmal gewusst, dass er da ist.

Während beim Konditor fast nur Mädchen saßen, sitzen beim Vortrag des Autobetriebs fast ausschließlich Jungs. Sie haben viele Fragen: Stimmt es, dass der neue Mercedes eine Zeit lang autonom fahren kann? Welches Auto fährt Dessi selbst? Und bekommt man als Mitarbeiter einen Rabatt? Einer, der keine Frage stellt, ist Florian. „Den Vortrag fand ich eigentlich ganz gut, ich war aber nur hier, weil bei der Metall-Innung so viel los war“, erklärt er. Der Neuntklässler will sich noch nicht auf einen Beruf festzulegen. „Es kommt darauf an, wie es weitergeht“, sagt er.

Die Ausbildung ist nur eine „Option“

Dass er nicht der Einzige ist, zeigt die Tatsache, dass nicht alle Schüler bei den Vorträgen richtig dabei sind. Vor allem manche jüngere gucken eher gelangweilt, sind nicht ganz bei der Sache. Allerdings gibt es auch solche, die sowieso schon genau wissen, wie ihre Zukunft aussieht. Zu ihnen gehören Raghda und Thusara. Sie haben sich beide sowohl den Vortrag der Innung für Augenoptik, als auch den von Konditormeister Peter Walenta angehört. Beide Berufe sind für die Schülerinnen aber nur „Optionen“. Erst mal wollen sie die mittlere Reife auf dem M-Zweig und dann eine Ausbildung bei einer Versicherung, der Sparkasse oder zur Pharmazeutisch-Technischen-Assistentin machen.

Sie sind nicht die Einzigen, die die Schule einer Ausbildung vorziehen.

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