Newsticker

Fast ganz Österreich und große Teile Italiens sind nun Corona-Risikogebiete
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Ausraster wegen der Ehre der Cousine

Justiz

24.02.2015

Ausraster wegen der Ehre der Cousine

Bei einer Silvesterfeier brennen einem 22-Jährigen die Sicherungen durch. Das Problem: Er stand unter offener Bewährung

Weil er um die Ehre seiner Cousine fürchtete, sind bei einem 22-Jährigen in Gersthofen die Sicherungen durchgebrannt: In der Neujahrsnacht 2014 hatte der Mann in einer Disko im Hery Park einen anderen Partygast angegriffen und mit mehreren Faustschlägen traktiert. Bei der Attacke wurde dem Opfer die Nase gebrochen, dazu erlitt er eine Gehirnerschütterung und verlor einen Teil seines Eckzahns. Gut ein Jahr nach der Tat musste der Türke sich nun vor dem Augsburger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Für den einschlägig und mehrfach vorbestraften Mann, der bereits einige Zeit im Gefängnis verbracht hat, ging es um viel: Die Tat beging er unter offener Bewährung.

Dem Amtsrichter Ralf Hirmer konnte der Arbeitslose keine einleuchtende Begründung für seinen Ausraster nennen: „Wir waren an diesem Abend als Familie unterwegs, und ich war der einzige Mann. Ich musste auf die Mädchen aufpassen. Und der Mann hat sich an meine Cousine rangemacht. Das hat mir nicht gefallen.“ Dass seine körperliche Verfassung aber nur bedingt zuließ, dass er sich um seine Verwandte kümmern konnte, räumte er vor Gericht ein: Etwa eine Flasche Wodka habe er an diesem Abend getrunken, dazu noch einige Cocktails. „Ich war stark betrunken.“

Die Schläge gegen den Kopf des anderen Partygastes gab der Beschuldigte zu. Den schlimmsten Vorwurf – dass er mit dem Fuß gegen den Kopf des am Boden liegenden Mannes getreten haben soll – bestritt er jedoch. Selbst das Opfer konnte sich nicht mehr an den Tritt erinnern, den er der Polizei gegenüber noch bestätigt hatte. Ohnehin verwickelte sich der 24-Jährige während seiner Zeugenaussage in viele Widersprüche. Als ihn der Richter darauf ansprach, erwiderte er lapidar: „Das war ein Fehler bei der Polizei, die meine Aussage aufgenommen hat.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für offenkundige Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit bei Staatsanwaltschaft und Richter sorgte zudem ein Vorfall, der sich nach der Schlägerei zugetragen hatte: Als der Angreifer sich bei seinem Gegenüber entschuldigen wollte, forderte dieser 3000 Euro als Gegenleistung dafür, dass er die Anzeige zurückziehen werde. Zur Geldübergabe kam es nicht. Die Verteidigerin des Angeklagten, Catharina Müller, sagte dem Opfer: „Sie haben eine Chance auf Geld gewittert.“

Auch ein weiterer Belastungszeuge erschütterte während der Verhandlung seine Glaubwürdigkeit: Ein 23-Jähriger, der bei der Silvesterfeier dabei war, hatte gegenüber der Polizei angegeben, einen Fußtritt des Angeklagten gesehen zu haben. Nach mehreren Nachfragen von Richter Hirmer räumte er ein, sich dabei doch nicht ganz sicher zu sein. Vielmehr habe ihm das Opfer dazu geraten, sich bei der Polizei zu melden: „Er hat mir gesagt, was ich ungefähr sagen könnte.“

Doch auch wenn nach übereinstimmender Ansicht von Verteidiger, Gericht und Staatsanwaltschaft der Vorwurf des Tritts gegen den Kopf fallen gelassen wurde, blieben für den jungen Mann noch genügend andere Probleme: Im Sommer 2014 beleidigte er einen Polizisten schwer. Dazu umfasst sein Vorstrafenregister neben Hehlerei, Bandendiebstahl, Raub und Erpressung eben auch Körperverletzung. Erst zwei Tage vor der Schlägerei war er wegen Drogenmissbrauchs verurteilt worden. Richter Ralf Hirmer bescheinigte ihm eine „schlechte Sozialprognose und eine extrem hohe Rückfallgeschwindigkeit“ und verurteilte ihn zu einer Strafe von einem Jahr – ohne Bewährung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren