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Kreis Augsburg

26.01.2016

Auto überrollt bewusstlosen Mann vor den Augen einer Helferin

Drei Tage vor Weihnachten 2014: Auf der Straße zwischen Lauterbrunn und Emersacker bricht ein 55-Jähriger zusammen und wird danach von einem Auto überrollt und getötet.
Bild: Archivbild, Lode

Nachdem ein 55-Jähriger auf einer Straße zusammengebrochen war, wurde er von einem Auto erfasst und getötet. Der Fahrer stand jetzt vor Gericht.

Es ist eine Horrorvorstellung für alle Unfallhelfer: Bei dem Versuch, einen Bewusstlosen von der Straße zu retten, ist letztlich alles umsonst – und der Mann wird von einem anderen Auto überfahren. So geschehen ist dies einer heute 48 Jahre alten Frau: Drei Tage vor Weihnachten 2014 war die Meitingerin abends auf der Verbindungsstraße von Emersacker nach Heretsried unterwegs, als sie auf der Gegenfahrbahn einen Mann auf der Straße liegen sah. Die Altenpflegerin zögerte keine Sekunde, sprang aus dem Fahrzeug, um den Bewusstlosen von der Fahrbahn zu zerren – und kam doch zu spät. Ein Auto erfasste den 55-jährigen Mann und tötete ihn. Die Frau selbst rettete sich mit einem Sprung vor dem herannahenden Auto und brach sich dabei den Ellbogen. Doch damit nicht genug: Wie sich herausstellen sollte, kannte sie den Toten sogar.

Die Umstände dieses Unfalls waren am Dienstag Thema für das Augsburger Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Martina Triebel. Der heute 80 Jahre alte Unfallfahrer hatte gegen den Strafbefehl über 90 Tagessätze wegen fahrlässiger Tötung Einspruch eingelegt, sodass es zur Verhandlung kam. Im Kern der Verhandlung stand die Frage, ob der Senior den Unfall hätte verhindern können – oder eben nicht.

Die Meinung des in Augsburg wohnenden Seniors und seines Verteidigers Reinald Lindenmeir: Nein. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, nicht vorsichtig genug gefahren zu sein. Der Rentner sagte, dass er von dem eingeschalteten Fernlicht des Wagens der 48-Jährigen derart geblendet worden sei, dass er nichts mehr sehen konnte. „Dass jemand am Boden lag, habe ich nicht wahrgenommen.“

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Ebenso wenig habe er das eingeschaltete Warnblinklicht oder die Winkzeichen der Frau gesehen, so dass diese sich mit einem Sprung in den Straßengraben retten musste. Seine 76-jährige Frau, die als Beifahrerin mit im Auto saß, sagte: „Erst als es einen Knall getan hat, wusste ich: Jetzt ist etwas passiert.“ Zuvor sei ihr Mann bereits deutlich langsamer gefahren.

Etwas anders sah das die Frau, die versucht hatte, den Mann am Boden zu retten. Sie sagte: „Er ist, als er auf mich zugekommen ist, nicht langsamer geworden. Deswegen musste ich springen.“ Zeit, um ein Warndreieck aufzustellen, habe sie nicht mehr gehabt: „Als ich angehalten habe, habe ich schon das Licht des Autos gesehen.“ Nach dem Knochenbruch sei sie 13 Wochen krank geschrieben gewesen, bis heute könne sie den Arm nicht ganz ausstrecken. Entscheidend für den Ausgang der Verhandlung war ein Gutachten des von der Staatsanwaltschaft beauftragten Sachverständigen Mario Pilz. Dieser hatte die Unfallstelle noch am selben Abend begutachtet, schränkte aber ein: „Der grobe Fahrbahnrand ist dort ungeeignet, um Spuren zu sichern.“

Dass am Wagen der verletzten Helferin das Fernlicht eingeschaltet war, sei aber ein Umstand, der eindeutig gegen den Rentner spricht. Dass dieser von dem grellen Licht des Autos geblendet worden war, sei zwar unstrittig. „Aber wenn ich nichts sehen kann, muss ich die Geschwindigkeit eben massiv reduzieren.“ Eben das habe der Rentner nicht getan, sodass ihn eine Mitschuld treffe, so der Gutachter.

Während der Verteidiger des strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getretenen Mannes einen Freispruch forderte, beließ es die Staatsanwaltschaft bei ihrer Auffassung – und bekam letztlich von Richterin Martina Triebel recht. „Auch wenn die Maßstäbe hoch sind: Es hätte relativ früh die Möglichkeit bestanden, die Geschwindigkeit zu reduzieren und damit den Unfall zu vermeiden“, so die Richterin. Warum der Bewusstlose auf der Straße lag, ist bis heute nicht geklärt. Eine Obduktion hatte aber bestätigt, dass er erst an den Verletzungen des Unfalls gestorben war.

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26.01.2016

„Aber wenn ich nichts sehen kann, muss ich die Geschwindigkeit eben massiv reduzieren.“

Endlich mal einer, der das Sichtfahrgebot so auslegt, wie es auch in der StVO steht. Dass in der Praxis alle nach dem Konzept »Augen zu und durch« fahren, ist eben eine Unsitte, die nach den Buchstaben von Recht und Gesetz nicht in Ordnung ist. U. A. um solche Vorfälle, wie den geschehenen zu verhindern.

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