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Verkehr

04.02.2020

Autobahndirektion räumt ein: Unfallrate auf A8 teils überdurchschnittlich hoch

Drei Vollsperrungen gab es auf der A8 allein zwischen dem 6. und 20. Dezember 2019.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Zwischen Neusäß und Friedberg kracht es überdurchschnittlich oft. Die Forderung nach einem Tempolimit wird durch die neuen Zahlen lauter.

Die Forderung nach einem Tempolimit auf der A8 im Bereich zwischen Augsburg und Günzburg gewinnt weiter an Fahrt. Nachdem vor Kurzem die Pressestelle der Autobahndirektion Südbayern mitgeteilt hat, dass aktuell zwischen Ulm und Augsburg "keine Auffälligkeiten" in Sachen Unfallhäufigkeit festzustellen seien, haben trotzdem unter anderem auch die Grünen ihre Forderung nach einem Tempolimit bekräftigt. Und Direktionssprecher Josef Seebacher räumt inzwischen im Gespräch mit unserer Redaktion ein, dass es auf dem Abschnitt der A8 zwischen Neusäß und Friedberg in der Tat einen deutlichen Anstieg bei Unfällen gebe.

Unfallrate zwischen Neusäß und Friedberg doppelt so hoch wie Durchschnitt

Die Unfallrate zwischen Neusäß und Friedberg hat laut Seebacher einen Wert von 0,42. Diese Zahl nennt die Anzahl der Unfälle bezogen auf die Strecke von einer Million gefahrener Autobahnkilometer. Zum Vergleich: Eine Unfallrate von 0,2 wird noch als normaler Wert betrachtet. Somit ist die Unfallhäufigkeit zwischen Friedberg und Neusäß im Vergleich dazu doppelt so hoch.

Auch der weitere Streckenverlauf in nördlicher Richtung bis Ulm-Elchingen weist überdurchschnittlich höhere Unfallraten auf. Seebacher nennt Zahlen von 0,25 bis knapp 0,3. „Allerdings muss bei jedem Unfall genau analysiert werden, was die Ursachen sind“, sagt der Pressesprecher. „Der eine dreht sich während der Fahrt zu seinem Kind um, der andere schläft am Steuer ein und ein Dritter spielt mit seinem Smartphone herum.“

Autobahndirektion räumt ein: Unfallrate auf A8 teils überdurchschnittlich hoch

Die Zahlen der Polizei sprechen jedoch eine andere Sprache: „Betrachtet man die tödlichen Verkehrsunfälle, so liegt die Unfallursache Geschwindigkeit mit einem Anteil von 21 Prozent auf Platz 1“. heißt es in der Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben/Nord für 2018. Und nach einer Statistik der Betreibergesellschaft Pansuevia, die für den 58 Kilometer langen Abschnitt zwischen Augsburg und Ulm zuständig ist, ist die Zahl der Unfälle auf der Autobahn im vergangenen Jahr um rund 19 Prozent gestiegen. Laut Statistik waren die Hauptursachen nicht angepasste Geschwindigkeit, ein zu geringer Sicherheitsabstand oder Fehler beim Überholen. Ein Tempolimit von 120 oder 130 km/h wäre daher ganz im Sinne des Autobahnbetreibers.

Unfälle auf der A8: Drei Vollsperrungen innerhalb von 14 Tagen

Seebacher vermutet allerdings eine andere Intention bei der Forderung der Pansuevia. „Für einen Betreiber wäre es natürlich die wirtschaftlichste Lösung, wenn überhaupt kein Verkehr fließen würde“, sagt er. Je weniger Unfälle, desto weniger Kosten würden schließlich anfallen.

Mit hohen Kosten rechnet die Autobahndirektion hingegen, wenn ein Tempolimit ohne ausgiebige Analyse umgesetzt würde. „Wir leben in einem Rechtsstaat und wenn es keinen Anlass für ein Tempolimit gibt, sind rechtliche Schritte der Autofahrer zu befürchten.“ Daher sei es absolut notwendig, die Zahlen und Unfallursachen von entsprechenden Fachkommissionen genau überprüfen zu lassen.

Die Polizei hat diese Hausaufgaben offenbar schon erledigt. 984 Unfälle im Bereich zwischen Adelzhausen und Günzburg sind in der jüngsten Statistik verzeichnet. Und auf die Frage an die Pressestelle der Autobahndirektion Südbayern, ab wann eine Strecke eigentlich als auffällig gelte, antwortet Seebacher: „Grob gesagt bei drei schweren Unfällen in drei Jahren.“ Drei Vollsperrungen gab es auf der A8 allein zwischen dem 6. und 20. Dezember.

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05.02.2020

„Grob gesagt bei drei schweren Unfällen in drei Jahren.“ Drei Vollsperrungen gab es auf der A8 allein zwischen dem 6. und 20. Dezember.
Aha. Was da aber leider komplett vergessen wird zu erwähnen ist aber dass allein die Tatsache, dass es eine Vollsperrung gibt, noch rein gar nichts über die schwere eines Unfalles aussagt. Auch bei einem harmlosen Auffahrunfall können Trümmerteile über alle 3 Fahrspuren verteilt werden so dass zur Reinigung einfach vollgesperrt werden muss. Auch um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten kann dies notwendig sein.

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04.02.2020

Ein intelligentes Vetkehrsleitsystem ist die Lösung! Je nach Wetterlage oder Verkehrsdichte wird die Geschwindigkeit und Überholverbot für LKW angezeigt.

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04.02.2020

Und ich bin immer noch gegen ein Tempolimit. Basta. Da kann die AZ schreiben was sie will.

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04.02.2020

(edit/persönlicher Angriff)

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04.02.2020

Nicht jeder Unfall endet zum Glück tödlich, aber auch die übrigen Kollisionen sind mit sehr viel menschlichem Leid verbunden. Zugegeben, eine generelle Geschwindigkeitbegrenzung auf Autobahnen ist nicht das Allheilmittel, aber doch ein wichtiger Baustein, vor allem wenn es darum geht, die linke Spur wieder für die schwächer motorisierten PKWs gefahrlos nutzbar zu machen und Staus zu reduzieren. Und mal ehrlich, der Rest der Welt ist auch nicht daran gestorben, mit einer Maximalgeschwindigkeit auf der Autobahn zu fahren, nirgendwo sind irgendwelche Wirtschaftssysteme daran zusammengebrochen.
Die Politik sollte den Mut haben, die Interessen der Allgemeinheit vor die Freiheit einer Minderheit der Raser zu stellen, anstatt für letztere Opportunismus zu betreiben. Sogar der ADAC hat kapiert, dass alle seiner Mitglieder das wollen und die Organisation sich besser auf die Pannenhilfe konzentrieren sollte. Alles was Räder hat, unterliegt den Gesetzen der Physik und die besagt, dass der Energieverbrauch pro Kilometer mit zunehmender Geschwindigkeit sogar quadratisch steigt, außer man fände einen Weg, den Luftwiderstand komplett abzuschalten.
Der deutsche Geschwindigkeitsrausch ist für jene, die sich einen hochpreisigen PKW leisten können, ggf. immer noch ein Argument, nicht auf die Elektromobilität zu setzen, weil hohe Geschwindigkeiten den Akku zu schnell leersaugen. Ich bin für Tempo 300, aber nur auf der umweltfreundlichen Schiene.

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04.02.2020

Das mit den "die linke Spur wieder für die schwächer motorisierten PKWs gefahrlos nutzbar zu machen" sehe ich nicht so.
Ich fahre einen 5er BMW mit 250 PS. Mit dem möchte ich so 140 bis 160 km/h fahren. Da verbraucht die Kiste recht wenig und das Fahren (wäre) total entspannt.
Wäre weil ständig Wahnsinnige angerast kommen, halb durchdrehen und mich am liebsten umbringen würden, nur weil ich nicht auf die von LKW belegte mittlere Spur kann. Ich fahre nur links wenn die rechte Spur belegt ist. Selbst wenn ich dann auf 180 km/h beschleunige, fahren die noch dicht auf.
Dieser Wahnsinn und diese Aggressivität muss ein Ende haben.
Daher bin ich für 140 km/h als Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen.

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