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Gersthofen

12.06.2018

Autofahrer zeigt Feuerwehrmann den Stinkefinger

Dieser Dachaufsetzer signalisiert, dass ein Feuerwehrmann auf dem Weg zum Einsatz ist. Die Verkehrsregeln sind dennoch einzuhalten.
Bild: Wilhelm Schmid (Symbolbild, Archiv)

Ein Gersthofer wird auf dem Weg zu einem Zimmerbrand ausgebremst. Das hat nun Folgen. 

Vielleicht wäre er einige Sekunden schneller am Feuerwehrhaus Gersthofen gewesen, um dann mit dem Löschzug zum gemeldeten Zimmerbrand im City-Center ausrücken zu können. Doch der Feuerwehrmann wurde auf dem Weg buchstäblich ausgebremst: Von einem 39-Jährigen, der dem Mann sogar noch den Stinkefinger zeigte. Der Vorfall von 2017 hatte gestern ein Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Laut Anklage hatte der Autofahrer dem Feuerwehrmann nicht Platz gemacht. Der kam von hinten in seinem Privatwagen und hatte seinen Warnblinker angeschaltet. Auf dem Dach hatte er außerdem ein Magnetschild, das den Schriftzug „Feuerwehr im Einsatz“ trug – in spiegelverkehrter Schrift stand der Hinweis auch auf der Rückseite der Sonnenblende. Doch das alles will der 39-Jährige nicht gesehen haben, behauptete er gestern am Amtsgericht Augsburg. Die Sicht sei in seinem älteren Auto eingeschränkt gewesen. Er habe den Feuerwehrmann nicht ausgebremst, sondern sei bewusst vom Gas gegangen – so wie immer an der Stelle. Denn dort befinden sich Kindergärten und ein Supermarkt, außerdem werde dort öfters die Geschwindigkeit kontrolliert. Er habe weder stark abgebremst noch eine Vollbremsung hingelegt. Überhaupt: Er habe niemanden genötigt. Im Gegenteil: Er habe sich bedrängt gefühlt, weil der Feuerwehrmann dicht aufgefahren sei. Der Angeklagte sagte: „Ich dachte, der parkt hinter mir.“

Auf beide Abbiegespuren gestellt

Der Feuerwehrmann schilderte den Nachmittag des 7. Oktober 2017 etwas anders. Er sei sehr wohl ausgebremst worden. Sein Fahrzeug sei schlagartig fast zum Stehen gekommen. Er erinnerte sich: „Ohne Bremsung wäre ich ihm voll aufgefahren.“ Seinen Abstand beschrieb er mit eineinhalb bis zwei Fahrzeuglängen. Der 39-Jährige habe anschließend wieder beschleunigt. An der nächsten Kreuzung habe er sich dann auf beide Abbiegespuren gestellt und so den Feuerwehrmann blockiert. Ohne die beiden Manöver des 39-Jährigen hätte er 30 Sekunden früher am Feuerwehrhaus sein können, sagte der Zeuge.

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Der Feuerwehrmann erklärte auch, dass es keine Sonderrechte für die Fahrt zum Feuerwehrhaus gibt. Wörtlich sagte er: „Wir versuchen zu vermeiden, schneller zu fahren.“ Denn: „Was bringt’s, wenn es rumst – dann komm’ ich gar nicht zum Einsatz.“ Der für jedermann sichtbare Hinweis auf den Einsatz sei eine Bitte an alle Autofahrer, die signalisieren soll: Es eilt.

Es gibt keinen Freibrief zum Rasen

Der Kommandant der Feuerwehr Gersthofen, Wolfgang Baumeister, bestätigt auf Nachfrage: „Es gibt keinen Freibrief zum Rasen. Wir sind auf die Unterstützung aller angewiesen, um rechtzeitig am Einsatzort sein zu können.“ Mindestens einmal im Jahr gebe es für die Freiwilligen eine „Blaulicht-Belehrung“, bei der es genau um diese Themen geht. Es würden auch Fahrsicherheitstrainings unternommen.

Richter Baptist Michale folgte am Ende Staatsanwalt Christian Peikert, der eine Geldstrafe von 2400 Euro und einen Monat Fahrverbot für den vorbestraften Angeklagten gefordert hatte. Der hätte bei einer höheren Strafe sogar ins Gefängnis wandern können: Denn während des Bremsmanövers stand er noch unter offener Bewährung – sie wäre erst einen Monat danach abgelaufen. Michale sagte: „Sie wollten ihn auf irgendeine Weise maßregeln.“

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