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Kreis Augsburg

01.03.2019

Bahn-Ausbau: Landrat Martin Sailer ist verärgert über die IHK

Der Politiker kritisiert die Wirtschaftskammer und sieht die Region nicht berücksichtigt. Auch viele Bürgermeister geben einem Ausbau den Vorzug.
Bild: Marcus Merk

Der Politiker kritisiert die Wirtschaftskammer und sieht die Region nicht berücksichtigt. Auch viele Bürgermeister geben einem Ausbau den Vorzug.

Landrat Martin Sailer ist nach dem Startschuss für die Planung zum Aus- oder Neubau der Bahnstrecke Ulm–Augsburg sauer auf die Industrie- und Handelskammer (IHK). Deren Hauptgeschäftsführer Peter Saalfrank hatte sich im Vorfeld für eine ergebnisoffene Herangehensweise ausgesprochen. Will heißen: Die Wirtschaftskammer will sich wie der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich (CSU) weder für den Ausbau der Bestandsstrecke noch für den Neubau einer Strecke entlang der A8 starkmachen.

Von vorneherein einen Teil der denkbaren Lösungen auszuschließen, wäre ein falscher Ansatz, meinte Saalfrank. Seine Begründung: „Weil man sonst am Ende möglicherweise ohne eine Variante dasteht, die den Anforderungen der Bahn gerecht wird.“

Ein Ausbau ist zumindest für Dinkelscherben zwingend

Sailer sieht in den Ausführungen die Belange der Region zwischen Augsburg und Ulm nicht berücksichtigt. Und: Wieso spreche die IHK für die Region? Sailer: „Um was geht es uns? Wir wollen künftig eine Verbesserung des Fern- und Nahverkehrs, die Haltepunkte an der Strecke benötigen dringend einen barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe und den Anwohnern muss ein moderner Lärmschutz zur Verfügung gestellt werden.“ Der Bau der dritten Gleise sei zumindest bis Dinkelscherben zwingend für einen funktionierenden Nahverkehr. Sailer: „Dies hat für mich noch mehr Bedeutung, wenn schon heute bekannt ist, dass die Kapazitäten für Fern- und Nahverkehr künftig noch steigen werden. All diese Aspekte scheinen für die IHK offenbar keine Rolle zu spielen, anders kann ich mir die Stellungnahme der IHK nicht erklären“, so der Landrat in einer Pressemitteilung.

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Auch viele Bürgermeister entlang der Bahnlinie geben einem Ausbau der bestehenden Strecke den Vorzug. Sie haben Angst, abgeschnitten zu werden, wenn es zu einem kompletten Neubau kommen sollte. In Zusmarshausen an der A8 regt sich Kritik: Gemeinderat Hubert Kraus fordert die IHK auf, ihre virtuellen und utopischen Planspiele zu beenden und auf den Boden der Realität zurückzukommen.

Günzburg muss eingebunden bleiben

Nach der Kritik von Landrat Sailer teilte ein IHK-Sprecher mit, dass die Wirtschaftkammer für eine ergebnisoffene Trassensuche argumentiere, die selbstverständlich auch die Belange der Region berücksichtigen müsse. Im April 2016 hatte sich die IHK-Vollversammlung für eine deutliche Fahrzeitverkürzung zwischen Ulm und Augsburg durch eine wirtschaftlich sinnvolle Kombination aus Neu- und Ausbauabschnitten ausgesprochen. Es müsse sichergestellt sein, dass der ausgebaute Bahnhof in Günzburg über die Bestandsstrecke ins Fernverkehrsnetz eingebunden bleibe.

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.03.2019

Erschreckend wie man sich jetzt schon für eine Trasse festlegt, ohne alle Varianten zu kennen. Die alte Strecke müsste eigentlich bis Ulm komplett 4–Spurig gebaut werden, um die Kapazitätsansprüche erfüllen zu können. Aber die alte Strecke ist kurvig und führt durch dich besiedeltes Gebiet.

Außerdem ist die Strecke nur für 200 km/h ausgelegt, also nichtmal 250 km/h wie es Schnellfahrtstrecken mindestens haben sollten.

Es braucht ein Neubau einer wirklichen Neubaustrecke und eine Sanierung (Bahnhöfe und Lärmschutz) der Bestandsstrecke.

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03.03.2019

Besser kann man es nicht schreiben!
Aber die Pächter des gesunden Menschenverstand sehen das derzeit anders. Die Frage ist warum?

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02.03.2019

>> Der Bau der dritten Gleise sei zumindest bis Dinkelscherben zwingend für einen funktionierenden Nahverkehr. <<

Völliger Unsinn den Landrat Sailer hier behauptet.

Natürlich würde eine güterzugtaugliche 2-gleisige Neubaustrecke viel mehr Kapazität und Störungssicherheit als ein 3. Gleis nach Dinkelscherben bringen. Der westliche Landkreis hätte dann eine vom Fernverkehr und Nachts vom Güterverkehr befreite 2-gleisige Bestandsstrecke die alle Wünsche des Schienen-Regionalverkehrs erfüllen könnte.

>> ... die Haltepunkte an der Strecke benötigen dringend einen barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe ... <<

Richtig, aber man muss sich dem Trick dies dem ICE-Ausbau unterzuschieben entgegen stellen!

Mann kann nicht einfach einen teuren und langwierigen 3-gleisigen Ausbau befürworten, nun damit man als Abfallprodukt ein paar neue erhöhte Bahnsteige bekommt. Die bayerische Staatsregierung will für diesen Bereich kein Geld ausgeben und sucht daher die Finanzierung über einen Pseudoausbau des ICE-Verkehrs.

Die Strecke von Westheim bis Dinkelscherben wurde bereits bis 1992 für 200 Km/h ausgebaut. Ein 3. Gleis ist ein reines Projekt des Regionalverkehrs, das ausschließlich durch den Freistaat Bayern zu leisten wäre.

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02.03.2019

P.S.
Ein zeitlich schneller 3-gleisiger Ausbau wäre sicher mit einer Vollsperrung der Strecke für 2 bis 3 Jahre denkbar. Man muss die Aktivisten im westlichen Umland bei jeder Gelegenheit fragen, ob sie dafür bereit wären.

Und man muss diese Aktivisten immer fragen, wie das Betriebskonzept dieser Strecke sein soll - 2 Gleise für den ICE und 1 Gleis mit Ausweichen für den Regionalverkehr braucht man den Bürgern nicht als Lösung für einen pünktlichen Regionalverkehr verkaufen. Und diese Planungen gibt es auch bereits! Würden die Bürgermeister von BEG und CSU Verkehrsministerium ehrlich informiert, wäre die Begeisterung ziemlich gering...

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01.03.2019

Ich glaube manchem ist nicht klar, dass ein dreigleisiger Ausbau eigentlich zu einem Betriebskonzept von eingleisigen Lokalbahnen führt und diese wurden in der Vergangenheit gerne eingestellt. Da gibt es gerade im Augsburger Land einige Beispiele.

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01.03.2019

Es geht um die Anbindung der drittgrößten Stadt Bayerns und nicht um die Meinung irgendwelcher Provinzfürsten. Wir brauchen einen schnellen und leistungsfähigen Fernverkehr und keinen „Nahverkehrs-ICE“. Wenn der Fernverkehr eine eigene Trasse hat, hat der Regionalverkehr mehr Platz auf der bestehenden Trasse. Augsburg hat schon die schnelle Anbindung nach Norden verloren durch regionale Besserwisserei. Das muss sich nicht wiederholen.

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02.03.2019

Wenn ,man einer kompletten Neubautrasse das Wort redet, darf man auch eine Erfahrung nicht vergessen. Der laute Güterverkehr bleibt auf der alten (günstigen) langsamen Trasse und und nur die ICE´s laufen über die Neubautrasse.
Siehe Rheintaltrassen. Und an der Geislinger Steige wird es nach dem Ausbau genauso laufen.
Warum ist das so.
Weil Güterzüge sich bei dem Tempo für die die Neubaustrecken gebaut werden, sich nicht in den Tunnel begegnen dürfen. Da ist einfach zu viel loses Zeug wie LKW Auflieger Planen dran, was sich losreißen kann. Ergo bummel die weiter auf den alten Strecken und die Anwohner freuen sich wenn kein Ausbau und Lärmschutz erfolgt ist.
Vorallem müssen wir und verabschieden mit der Wunschvorstellung mit einen großen Wurf alle Probleme auf einmal zu lösen. Wenn man Schritt für Schritt zeitnah die Probleme lösen würde wäre schon viel erreicht.

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03.03.2019

Gerade der dreigleisige Ausbau wird nicht zu mehr Lärmschutz führen, da sich am Bestand nichts ändern wird, sondern nur eine eingleisige Regionalstrecke mit Ausweichgeleise angesetzt wird. Außerdem dürfte der Lärmschutz aus städtebaulichen Gründen noch zu Entsetzen führen. Besonders in Westheim übrigens wegen der Hanglage ziemlich wirkungslos. Oder wird komplett eingehaust?

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