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Neusäß

11.01.2019

Bahn lässt hunderte Kinder in der Kälte stehen

Bei dichtem Schneefall standen gestern Mittag Dutzende Schüler am Neusässer Bahnhof und kamen erst einmal nicht weiter. Die Anzeigetafel gab nur Auskunft, dass Zugverbindungen ausfielen. Auf der Strecke zwischen Augsburg und Dinkelscherben gab es gestern noch bis Redaktionsschluss Störungen.
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Bei dichtem Schneefall standen gestern Mittag Dutzende Schüler am Neusässer Bahnhof und kamen erst einmal nicht weiter. Die Anzeigetafel gab nur Auskunft, dass Zugverbindungen ausfielen. Auf der Strecke zwischen Augsburg und Dinkelscherben gab es gestern noch bis Redaktionsschluss Störungen.
Bild: Marcus Merk

Plus Auf der Strecke Augsburg–Dinkelscherben kommt es wegen Weichenstörungen zu Zugausfällen. Schüler und Pendler beklagen, dass sie zu dürftig informiert werden.

Ruth Michaelis schimpft laut auf: „Solche Knallköpfe sind das!“ Wütend blickt die Pendlerin vom Bahnsteig hinauf zu der blauen Anzeigetafel, die unter dem Dach am Bahnhof Neusäß befestigt ist. Auf der Bildfläche fährt immer wieder ein gelber Schriftzug durch. Darauf steht: „Der RE57032 nach Dinkelscherben um 12:58 Uhr fällt witterungsbedingt aus. Wir bitten um Entschuldigung.“ Ruth Michaelis ärgert sich: „Warum der Zug nicht fährt, wird uns aber nicht gesagt.“

In der Früh hatte es noch keinen Schienenersatzverkehr gegeben, weil dies die Bahn für unnötig hielt

Wie die Pendlerin waren am Freitag viele Zugreisenden im Augsburger Land von Störungen betroffen. Denn auf der Strecke zwischen Augsburg und Dinkelscherben fielen die Regionalbahnen witterungsbedingt aus. Bereits am Donnerstagabend um 23.40 Uhr teilte das Unternehmen mit, dass einige Züge zwischen Gessertshausen und Augsburg nicht fahren können. Am Freitagmorgen aktualisierte die Bahn dann noch mal ihre Meldung: Auch die Regionalbahnen mit Fahrtziel Dinkelscherben müssen ausfallen.

Ein Sprecher der Bahn erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Der Grund für die Zugausfälle sind schneebedingte Weichenstörungen in Gessertshausen und Dinkelscherben. Die Züge können deshalb an diesen Bahnhöfen nicht mehr wenden, das heißt die dort startenden und endenden Züge müssen ausfallen.“ Von den Ausfällen nicht betroffen waren die stündlich durchgehenden Züge der Verbindung Augsburg–Ulm. Ein Schienenersatzverkehr zwischen Augsburg-Oberhausen und Dinkelscherben wurde eingerichtet.

Schüler hatten keine Alternative, nach der Schule nach Hause zu kommen

Bei den gemeldeten Ausfällen der Züge der Verbindung Gessertshausen–Augsburg im morgendlichen Berufsverkehr gab es jedoch keinen Schienenersatzverkehr. „Die Kapazitäten der übrigen zehn Züge haben in diesem Zeitraum von Ulm beziehungsweise Dinkelscherben nach Augsburg ausgereicht“, teilte ein Bahnsprecher mit.

Von diesen Zugausfällen waren besonders die Schüler vom Schulzentrum in Neusäß betroffen. Um die Mittagszeit drängen sie sich in der zugigen Bahnhofschneise unter dem Dach zusammen, um sich vor den Schneeflocken zu schützen. Ein Mädchen erzählt: „Gestern und heute sind schon dauernd Züge ausgefallen. Die eine Bahn fährt, die andere wieder nicht. Das wird nicht richtig kommuniziert.“ Die Schülerin müsse jetzt solange hier stehen und warten, bis irgendwann ein Zug komme. „Und dann muss ich noch einen Bus erwischen. Anders komme ich nicht nach Ziemetshausen nach Hause.“ Auch die Schulen im westlichen Landkreis beklagen die Unzuverlässigkeit der Bahn. Vor allem am Donnerstag seien besonders viele Schüler zu spät gekommen, weil Züge wegen des Schnees nicht pünktlich fuhren.

Pendler fühlen sich von der Bahn schlecht informiert

Als die Durchsage auf dem Bahnsteig den nächsten Zugausfall verkündet, stöhnen viele der Jugendlichen auf, zücken ihre Handys und rufen zu Hause an: „Mama, kannst du mich bitte abholen, der Zug fällt aus.“

Auch Ruth Michaelis schaut frustriert auf ihre Armbanduhr: „Es ärgert mich ja schon, dass ich jetzt hier in der Kälte warten muss. Noch mehr macht es mich aber wütend, dass das Ganze doch eine ökologische Katastrophe ist.“ Sie beklagt, dass die Stadt ein neues Verkehrskonzept erstellen will, damit die Menschen mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und auf das Auto verzichten. „Aber sobald es Null Grad hat, kollabiert die Bahn. Bei schlechtem Wetter ist das Auto ein Muss.“

Besonders zermürbend sei es für die Pendlerin, dass sie sich außerdem von der Bahn schlecht informiert fühlt. „Ich frage mich immer, wie das früher war. Da sind die Züge im Winter doch auch normal gefahren.“

Hier geht es zu unserem Kommentar: Kein Verständnis für Zugausfälle

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