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Strecke Augsburg-Ulm

24.01.2019

Bahn setzt Pendler bei Minusgraden an die frische Luft

Wegen einer Störung wurden Pendler, die ein Ticket für den Zug nach Dinkelscherben gelöst hatten, in Gessertshausen an die Luft gesetzt.
Bild: Marcus Merk

Plus Passagiere berichten von „unzumutbaren Zuständen“ und Verspätungen. Warum das kein Einzelfall auf der Strecke Augsburg-Ulm ist.

Minus fünf Grad, 19.35 Uhr, hinter vielen Pendlern liegt ein langer Arbeitstag – und plötzlich bleibt die Bahn stehen. Am Mittwochabend stranden rund 20 Bahnreisende am Gessertshauser Bahnhof, berichtet ein Leser unserer Zeitung. Er ist stinksauer und spricht von „unzumutbaren Umständen“. Schließlich hatte er sich vor Abfahrt beim Zugbegleiter noch informiert, ob die Bahn weiter bis nach Dinkelscherben fährt.

Am Mittwochabend war der Hintergrund des plötzlichen Stopps unklar. Die Bahn sprach von Verzögerungen „aufgrund eines Notrufs, dessen Ursache unbekannt ist“. Davon hörte auch unser Leser, der mit dem Fuggerexpress von Augsburg in Richtung Dinkelscherben unterwegs war. Deshalb fragte er nach. Falls es zu Störungen komme, werde man sich rechtzeitig mit einer Durchsage an die Passagiere wenden, versicherte der Zugbegleiter. Tatsächlich aber sei diese Durchsage erst vier Minuten vor dem plötzlichen Halt in Gessertshausen erfolgt. „Unbegreiflicherweise mit den Worten, es würde in Kürze ein Regionalzug nach Ulm folgen“, erklärt unser Leser. Für ihn ist in Gessertshausen an diesem Abend um halb acht Endstation. Einige Fahrgäste hätten ihren Unmut darüber lautstark geäußert, berichtet unser Leser. Auch beim Zugführer habe man sich beschwert. „Er verwies lapidar auf die Beschwerdestelle der Bahn“, berichtet der Pendler. „Und verschanzte sich im Führerstand."

Pendler stehen eine Stunde am Bahnhof in Gessertshausen

Der nächste Regionalexpress nach Dinkelscherben sei auch rund eine Stunde nach dem plötzlichen Halt nicht angekommen. Einen Ersatzbus habe es nicht gegeben. Der Dinkelscherber Pendler musste sich schließlich mit dem Auto abholen lassen.

Hintergrund: Am Mittwoch gegen 17.15 Uhr sei bei der Bahn ein Notruf aus „ungeklärter Ursache“ eingegangen, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Mittlerweile sei klar, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt habe. Woher der Notruf stammt, habe sich bisher allerdings nicht herausfinden lassen. Weil am Mittwochnachmittag nicht klar war, was den Alarm im System der Bahn ausgelöst hat, habe man sich dazu entschieden, alle möglicherweise betroffenen Züge nur noch „auf Sicht“ fahren zu lassen. Das entspreche einer Geschwindigkeit von rund 20 bis 30 Kilometern pro Stunde, erklärt der Sprecher. Das sei die Ursache dafür, dass viele Züge ausfielen und sich verspäteten. Gegen 19 Uhr sei Entwarnung gegeben worden.

Nun soll ermittelt werden, was den Notruf ausgelöst hat. Als sicher gilt, dass er nicht von einem Zugführer ausging. Denkbar wäre zum Beispiel ein Fehlsignal einer Weiche. Der Sprecher betont: „Zu keinen Zeitpunkt waren unsere Passagiere gefährdet."

Immer wieder Zugausfälle zwischen Augsburg und Ulm

Die Geschichte des Dinkelscherbers ist kein Einzelfall. Auch der Neusäßer Student Benedikt Klein war von den Zugausfällen am Mittwoch betroffen. Gegen 17.20 Uhr musste er seinen Zug in Gessertshausen verlassen. Zusammen mit dem Studenten seien rund 25 weitere Bahnkunden gestrandet. Auch diesmal habe es keinen Ersatzbus gegeben. „Ich musste mich abholen lassen“, berichtet Klein. Für den Studenten ist vor allem die Häufigkeit der Ausfälle und Verspätungen auf der Strecke Augsburg-Ulm ein Ärgernis. Allein in der vergangenen Woche sei es viermal zu Stillständen von bis zu einer Stunde gekommen.

Weshalb treten diese Probleme ausgerechnet hier immer wieder auf? Auf Nachfrage erklärt der Sprecher der Bahn, dass er sich nicht zum Zustand der Strecke äußern könne. Eines sei aber klar: „Das ist eine unserer Hauptstrecken in Süddeutschland.“ Allerdings habe sie nur zwei Gleise. Das bedeutet: ICE, Güterzüge und Regionalzüge sind auf demselben Gleis unterwegs. „Das führt zu Problemen“, sagt der Sprecher. Denn die Züge müssen einen gewissen Mindestabstand einhalten. Geht das nicht, müssen sie stehen bleiben. Und das führt immer wieder zu Zugausfällen.

Bahn entschuldigt sich bei ihren Kunden

Dieses Abstandsproblem war auch der Grund, weshalb mehrere Züge am Mittwoch in Gessertshausen anhielten. „Das musste kurzfristig entschieden werden“, sagt der Sprecher. Als der Zug in Augsburg losfuhr, habe man noch nicht absehen können, dass in Gessertshausen Endstation ist. So kurzfristig habe man auch keine Ersatzbusse organisieren können. Die Bahn entschuldigt sich bei ihren Kunden.

Kommentar: Es ist höchste Zeit für ein drittes Gleis zwischen Augsburg und Ulm, denkt Autor Philipp Kinne.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.01.2019

Als es noch Bahnhöfe mit Gebäuden gab und keine Futuristischen-5-Mann-Unterstell-Etwas mit integriertem (oft defektem) Fahrkartenautomat, konnten sich die Leute wenigstens noch bei bescheidener Witterung unterstellen. Aber diese Gebäude wurden successive für ein Trinkgeld verscherbelt.

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25.01.2019

10 Jahre CSU im Bundesverkehrsministerium und nichts erreicht. Keine PKW Maut, keine DB Reform, viele Straßen und Brücken marode. Mangelhaft würde in der Schule im Zeugniss stehen. Gerade die Partei die am lautesten brüllt, wenn Parteien wie Grüne, SPD und Co einen Fehler machen. Das Bahnpersonal muss es ausbaden!

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25.01.2019

Immer wieder lustig, wenn sich das pro-Ökosteuer Spektrum über marode Straßen aufregt ;-)
Wer etwas in Deutschland herumkommt weiß ganz genau, dass CSU bei der Qualität der Straßen in Bayern schon wirkt.

Populistisch geht immer, wie z.B. marode Brücken - da wird aus Einschränkungen für den Schwerlastverkehr ganz schnell das Wort "marode". Das klingt besser als "Schwerlast-Lobby fordert höhere Tonnage Begrenzungen auf Brücken".

Und die von der CSU geforderte PKW-Maut scheitert ja eher an den politischen Mehrheitsverhältnissen. Rotgrün wird damit bei Autofahrern leider auch keine Punkte machen.

Und Bahnreform? Reform wohin? Fehlt nicht einfach Geld, das halt für andere Prioritäten ausgegeben wird?

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24.01.2019

>> Nun soll ermittelt werden, was den Notruf ausgelöst hat. Als sicher gilt, dass er nicht von einem Zugführer ausging. Denkbar wäre zum Beispiel ein Fehlsignal einer Weiche. Der Sprecher betont: „Zu keinen Zeitpunkt waren unsere Passagiere gefährdet." <<

Irgendwas löst einen Notruf aus - man weiß nicht was, wo, wie und warum; aber die Passagiere waren zu keinem Zeitpunkt gefährdet?

Warum beachtet man dann überhaupt diesen Notruf, wenn doch gar keine Gefahr besteht?

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24.01.2019

Es würde sich auch für die AZ lohnen herauszufinden warum beim letzten starken Schneefall alle Züge bis Gessertshausen und Dinkelscherben wegen Weichenschaden gestrichen wurden. Auch die durchgehenden Züge aus und nach Ulm brauchen in Gessertshausen die Weichen, weil die Durchgangsgleise keine Bahnsteige haben. Oder war das ein Test ob nicht ein Stundentakt auch reicht? Dann braucht es auch kein drittes Gleis!

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24.01.2019

Die Antwort könnte Sie beunruhigen !

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