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Landkreis Augsburg

09.12.2020

Bahnausbau: Es fährt kein ICE nach Wörleschwang

Der Bahnausbau im Augsburger Land bewegt die Menschen.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Plus Welche Pläne hat die Bahn im westlichen Landkreis Augsburg? Projektleiter Markus Baumann nimmt vor dem Kreistag Stellung und löst dabei Kopfschütteln aus.

Die Bahn sucht das Gespräch: Im Internet kann man mitverfolgen, was die Planer des Bahnausbaus zwischen Ulm und Augsburg auf die Fragen der Bürger antworten. Zwar ist weder klar, wann und wo gebaut wird, noch wie viel Geld das Vorhaben, das im Bundesverkehrswegeplan mit zwei Milliarden Euro veranschlagt ist, letzten Endes kosten wird. Doch je mehr Überlegungen öffentlich werden, desto größer wird die Unruhe im westlichen Landkreis Augsburg. Denn durch diesen wird die Trasse führen. Diese Unruhe spiegelte sich auch im Montag im Kreistag wider.

Vier bis zu 500 Meter breite Korridore für Bahnausbau im Kreis Augsburg

Dort stand Projektleiter Markus Baumann von der Bahn AG Rede und Antwort. Unter anderem ging es dabei um folgende Punkte.

Die Trasse Vier bis zu 500 Meter breite Planungskorridore gibt es. Einer läuft bis Dinkelscherben auf der jetzigen Strecke und dann durch den südlichen Landkreis Günzburg Richtung Ulm. Die anderen drei orientieren sich früher oder später Richtung Autobahn. Daraus wollen die Planer vier etwa 20 Meter breite Trassen entwickeln, wobei auch Kombinationen unter den jetzigen Korridoren möglich sind. Anfang 2023 sollen die Vorschläge auf dem Tisch liegen. Bis Anfang 2024 will sich die Bahn auf ihre Vorzugsvariante festlegen und diese dem Bundestag zum Beschluss vorschlagen.

Für den Neusässer Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz ( CSU) ist aus Landkreissicht nach wie vor der Ausbau der Bestandsstrecke bis Dinkelscherben die beste Lösung. Sie würde nicht nur mehr Platz auf der Schiene, sondern auch einen Ausbau der Bahnhöfe und des Lärmschutzes dort mit sich bringen. Sie sei "die einzige Variante, mit der beides gelöst ist", sagte Durz. Harald Güller, SPD-Fraktionschef im Kreistag, fürchtet mit Blick auf die Bedingungen der Bahn allerdings, dass das Unternehmen anderes im Sinn hat. "Ich habe das verdammte Gefühl, dass alle Änderungen zum Ziel haben, einen Neubautrasse zu favorisieren. Das finde ich nicht in Ordnung." Hannes Grönninger (Grüne) ist dagegen für einen Neubau. Der Ausbau der Bestandsstrecke werde auf dieser "für 15 Jahre für Behinderungen" sorgen.

Züge sollen bis zu 300 Stundenkilometer schnell sein

Die Bedingungen Streckenweise sollen die 112 Schnellzüge am Tag 300 Kilometer in der Stunde schnell fahren können, damit sie es in 26 Minuten von Ulm nach Augsburg schaffen. Nötig seien insgesamt vier Gleise, so Baumann. Damit auf den neuen Gleisen auch der Güterverkehr rollen kann, darf sie nicht zu große Steigungen haben. Deshalb wird es viele Tunnel geben. "Sehr kritisch" sehe man auf die Trassen in Autobahnnähe, sagte der Zusmarshauser Bürgermeister Bernhard Uhl (CSU).

Bahnhof Wörleschwang Unter diesem Schlagwort geistert durch die Debatte die Idee, an eine neu gebaute Schnellbahnstrecke auch regionale Bahnhöfe zu setzen. Machbar ist das, weil die Schnellbahnstrecke an einzelnen Stellen viergleisig wird, damit dort Züge überholt werden können. Doch aus eigenem Antrieb wird die Bahn an diesen technischen Halten keine Haltepunkte einrichten. Der Anstoß müsste vom Freistaat Bayern kommen, der auch die Regionalzüge bezahlen müsste. Kurz: Es fährt kein ICE nach Wörleschwang (knapp 800 Einwohner, Ortsteil von Zusmarshausen).

Haltestellen für Regionalzüge könnten an der Schnellbahnstrecke theoretisch eingerichtet werden. Doch aus eigenem Antrieb wird die Bahn an diesen technischen Halten keine Haltepunkte einrichten. Es fährt also kein ICE nach Wörleschwang.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Was die Bahn nicht macht Nicht zuständig sieht sich die Bahn im Zuge des Ausbaus für die jetzigen Bahnhöfe an der Strecke, sofern diese vom Ausbau nicht berührt werden. Nicht zuständig fühlt sie sich auch für den "Flaschenhals" an der Einfahrt zum Augsburger Hauptbahnhof, auf den Markus Ferber (CSU) hinwies. Dazu müsse es ein eigenes Projekt des Bundes geben, so Markus Baumann von der Bahn. Gebe es aber bislang nicht.

Landrat Sailer fordert "Lösung aus einem Guss"

Kopfschütteln Spätestens diese Bemerkung löste bei etlichen Kreisräten zumindest ein verschärftes Stirnrunzeln aus. "Es gibt wieder keinen Gesamtzuständigen", schimpfte Silvia Daßler (Grüne) und warnte vor einem "Schildbürgerstreich". Landrat Martin Sailer (CSU) forderte "eine Lösung aus einem Guss". Seine Schlussfolgerung: Der Kreis müsse die verschiedenen Themen bei sich zusammenführen. Gelegenheit gibt es bald wieder: Im Februar will die Bahn die nächste Sitzung des mit regionalen Vertretern besetzten Projektbeirats abhalten.

Und wofür das Ganze? Die Sinnfrage stellte AfD-Fraktionschef Jörg Mikszas. Für die neuen Gleise müsse die Bahn mindestens eine Million Tonnen Beton verbauen und produziere damit genauso viel klimaschädliches Gas CO2. Bis die CO2-Einsparungen durch die Bahnstrecke, die mit 23.000 Tonnen im Jahr angegeben werden, das ausgeglichen haben, würden 40 Jahre ins Land gehen, rechnete Mikszas vor. Bahn-Projektleiter Baumann wollte die Zahl nicht kommentieren, das tat später der Grünen-Kreisrat Felix Senner. Er hielt dem AfD-Mann vor, mit überzogenen Zahlen zu operieren. Der CO2-Ausstoß bei der Betonherstellung sei nur halb so hoch, wie von Mikszas behauptet.

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09.12.2020

>> Nicht zuständig fühlt sie sich auch für den "Flaschenhals" an der Einfahrt zum Augsburger Hauptbahnhof, auf den Markus Ferber (CSU) hinwies. Dazu müsse es ein eigenes Projekt des Bundes geben, so Markus Baumann von der Bahn. Gebe es aber bislang nicht. <<

Kann man über diesen Flaschenhals vielleicht mal berichten?

Gibt es diesen Flaschenhals nach dem Scheitern der Staudenbahn und dem Rückfall der Paartalbahn auf den 30-Minuten Takt (sollte ja nach Augsburg Oberhausen verlängert werden) überhaupt noch?

Oder ist das jener Flaschenhals, weshalb die sog. "Güterbahn" nach Westheim (Weg Richtung Ulm, aber nicht via Überwerfungsbauwerk) zwischen HBF und Augsburg Oberhausen nur eingleisig benutzbar ist? (es liegen Gleise, die sind aber signaltechnisch nicht nutzbar). Das produziert schon seit Jahren Verspätungen und die CSU Großmäuler aus dem Landkreis sind ganz still...

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09.12.2020

Nein, der ICE hält nicht in Wörleschwang , aber wenn der Landkreis und seine prominenten Politiker es fordern, hält vielleicht ein IC. Ähnlich wie auf der Neubaustrecke München Nürnberg in Allersberg (Rothsee). Dieser ist ein Regionalbahnhof am Streckenkilometer 25,4[1] der Neubaustrecke Nürnberg–Ingolstadt. An Werktagen (außerhalb von Schulferien) wurden 2014 rund 1500 Ein- und Aussteiger pro Tag gezählt.
Die Station liegt auf dem Gelände der Gemarkung Altenfelden etwa 3 km westlich der mittelfränkischen Ortschaft Allersberg, unmittelbar neben der A 9. Sie ist neben den Bahnhöfen Kinding (Altmühltal) (km 58,6) und Ingolstadt Nord (km 86,8) einer von drei Regionalbahnhöfen der Neubaustrecke. Der Bahnhof ist, neben dem südlich gelegenen Bahnhof Kinding (Altmühltal) sowie den Bahnhöfen Limburg Süd und Montabaur (Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main) einer von vier deutschen Personenbahnhöfen, die planmäßig mit 300 km/h durchfahren werden können.

Die neue Station wurde am 6. Dezember 2006 mit einem Festakt eröffnet. 33 Jahre nach Stilllegung der Bahnstrecke Burgthann–Allersberg verfügt die Gemeinde damit wieder über einen Bahnanschluss...... Das wäre doch eine Option für Zusmarshausen

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