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Gersthofen-Batzenhofen

07.10.2019

Batzenhofen freut sich über eine neue Orgel

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Geschafft! Orgelbauer Robert Wech, Organist Marius Herb und Franz Köhler vom Förderverein (von links) freuen sich über die neue Orgel in der Batzenhofer Kirche. Es ist der gute Ende einer langen Geschichte.
Bild: Andreas Lode

Das alte Instrument in der Kirche St. Martin galt jahrzehntelang als unspielbar. Das wollte Franz X. Köhler ändern und sammelte mit einem eigenen Verein Geld.

Es ist vollbracht. Die Orgel steht. 33 Jahre hat es gedauert, bis die katholische Kirche St. Martin nach vier Expertengutachten des Kirchenamtes, die die alte Orgel alle als völlig unzulänglich betrachteten, zu einem neuen prachtvollen Aerophon kamen. Nun steht die Orgeleinweihung am Kirchweihsonntag bevor.

Batzenhofen ist ein Pfarrdorf mit nicht einmal eintausend Einwohnern und gehört zum Stift Sankt Stephan in Augsburg. Selbst Kaiser Friedrich Barbarossa I. machte Station in der damaligen Königspfalz. 2012 wurde das denkmalgeschützte Pfarrhaus renoviert und im Jahr 2017 die über eine halbe Million Euro teure Kirchturmsanierung abgeschlossen. Seit 2017 hatte die Orgel ausgedient. Zum Einsatz kommt seitdem eine Leihorgel des Orgelbauers Wechs aus Buchloe.

Die Orgel ließ schon Jahrzehnte zu wünschen übrig. Ein Gutachten des Amtes für Kirchenmusik Augsburg von 1986 war vernichtend: „Die einzelnen Register sind so schlecht intoniert, dass die Orgel fast als unbespielbar bezeichnet werden muss.“ Empfohlen wurde, eine neue Orgel ins Auge anzuschaffen. „Wir bekamen kaum noch Organisten, denn wenn man die Orgel anmachte, gab sie einfach Töne von sich und jeder meinte, der Organist kann nicht spielen“, erzählt Franz X. Köhler, der den Förderverein „Orgelfreunde Sankt Martin“ 2008 ins Leben rief. Seither kamen rund 170000 Euro an Spenden zusammen. Insgesamt wird die neue Orgel etwa 240000 Euro kosten. Die Stadt Gersthofen beteiligt sich mit bis zu zehn Prozent. Köhler ist fasziniert: „Vor hunderten von Jahren hat man mit primitivsten Werkzeugen wahre Wunderwerke vollbracht.“ Für ihn sind Orgeln das nach wie vor. Deshalb brachte er den Stein ins Rollen. Wichtig sei ihm stets gewesen, dass alle dahinterstehen, vom Pfarrer über die Gemeinde selbst bis zur Kirchenverwaltung.

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120 Helferstunden kamen laut Kirchenpfleger Dietmar Heckl zusammen

„Der Verein hat 119 Mitglieder und das 100. Mitglied war Pater Siegfried Hutt“, freut sich Köhler. 120 Helferstunden kamen laut Kirchenpfleger Dietmar Heckl zusammen. Das Balghaus schuf komplett in Eigenleistung Schreiner Stefan Rößle Senior. Wolfgang Knoll, Karl Ehinger, Stefan Rößle Junior und Anton Guggemann waren ebenfalls dabei, wenn es ums Anpacken ging.

Für Köhler ist die Orgel jeden Euro wert: „Wenn man bedenkt, dass der Orgelbauer jede der 950 Pfeifen etwa 50 Mal in die Hand nehmen muss, bis die Orgel steht, relativiert sich die Summe ganz schnell.“ Zudem sind der Orgelbauer und sein Team seit Mitte Juli täglich von früh bis spät dagewesen, um die Orgel aufzubauen. Köhler selbst dokumentierte den Fortschritt.

Der Denkmalschutz schrieb vor, dass das Gehäuse bleiben müsse. So musste eine Orgel geschaffen werden, die darin Platz hat. Planer dafür war Pater Stefan U. Kling, Leiter des Amtes für Kirchenmusik des Bistums Augsburg und Prior des Prämonstratenserklosters Roggenburg. Den Bau selbst übernahm Robert Wech aus Buchloe, der schon für Vatikanstadt und weltweit Orgeln fertigte. Insgesamt 4500 Stunden Arbeit stecken darin. Wech ist fasziniert von dem vielseitigen Handwerk. Orgelbauer ist ein Beruf, der viele Berufe vereint, da man Metall, Holz, Leder und Filz verarbeitet und sich mit Musik und Klängen auskennen muss. In Batzenhofen wurden heimische Hölzer wie Fichte, Eiche und Ahorn verwendet. Die Basspfeifen sind aus Holz, die Größte misst 2,40 Meter, die kleinste eineinhalb Zentimeter.

Die Länge der Pfeifen ist Millimeterarbeit

Wech hat jede Pfeife vor Ort angepasst und eingespielt. Die Länge der Pfeifen ist Millimeterarbeit, denn sie gibt die Tonhöhe vor. Deshalb sagt man, dass die Pfeifen auf Länge und Tonhöhe geschnitten werden. Sie bestehen aus einer Zinn-Blei-Legierung. An der Orgel ist alles in der seit Jahrhunderten bewährten mechanischen Bauweise gefertigt. Lediglich Gebläse und Licht sind elektrisch.

Am letzten Aufbautag kommt der 19-jährige Organist Marius Herb aus Hirblingen. Er studiert Kirchenmusik in Regensburg und gewann kürzlich den Internationalen Orgelwettbewerb in Wuppertal. Herb spielt die Orgel ein, arbeitet mit Wech in Hand und sagt, wo es noch einer Nachbesserung bedarf. Herbs Urteil: „Die Orgel hier ist ein sehr feines Instrument. Es macht viel Freude hier zu spielen.“ Die alte Orgel sei wirklich unspielbar gewesen und es sei schön, wie der Orgelverein sich hier engagiert hat und was dabei heraus kam. Herb probiert den Tonumfang aus, zieht die Register wie Rezeptzutaten und demonstriert den schwebenden Klang mit dem Register „Vox Celeste“ („himmlische Stimme“). „Das Trompetenregister ist für mich das Beste überhaupt“, schwärmt er.

Es braucht viele, damit Großartiges herauskommt. Am Tag der Fertigstellung sind es Köhler für die Dokumentation und die Finanzen, Wech als Baumeister und Herb, der das Wunderwerk mit dem wohl bekanntesten Orgelwerk in der Kunstmusik Europas erklingen lässt, mit Toccata und Fuge Johann Sebastian Bachs. Viele Orgelgeschichten, die Gutachten und alles zu den Orgelfreunden ist unter www.orgelfreunde.gmxhome.de zu finden.

Einweihung am Kirchweihsonntag

Die Einweihung findet am Kirchweihsonntag, 20. Oktober um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin zu Batzenhofen. Es segnet Pater Stefan U. Kling, Leiter des Amtes für Kirchenmusik des Bistums Augsburg und Prior des Prämonstratenserkloster Roggenburg. Organist bei der Einweihung ist Marius Herb.

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