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Mensch&Tier

07.09.2018

Bauer muss vor Kuh gerettet werden

Rindvieh stieß 78-Jährigen in die Schmutter und ließ Rettungskräfte nicht an ihn heran. Die Polizei bereitete sich bereits auf den finalen Rettungsschuss vor

Gessertshausen Eigentlich hat es der Landwirt nur gut gemeint mit der Kuh. Doch das Tier verstand da offenbar etwas völlig falsch und brachte seinen Besitzer in eine lebensgefährliche Situation. Es stieß den 78-Jährigen in die Schmutter.

Der Mann hatte am Mittwoch kurz nach 12 Uhr bemerkt, dass ein Muttervieh verzweifelt versuchte, zu seinem frisch geborenen Kalb zu gelangen. Dieses hatte sich offenbar selbstständig außerhalb des Zauns abgelegt. In Hausschuhen eilte der Landwirt aus Wollishausen daraufhin nach draußen, um die beiden Tiere wieder zusammenzuführen.

Doch die Kuh war durch die Trennung von ihrem Kalb nach Auskunft der Polizei so gereizt und aggressiv, dass sie den Landwirt attackierte. Sie griff den 78-Jährigen an, trieb ihn vor sich her und und schubste ihn schließlich in die Schmutter.

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Gegen 12.15 Uhr wurde schließlich die Polizei in Zusmarshausen zu Hilfe gerufen, da das Rind nicht zu beruhigen war. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass das Tier eventuell getötet werden müsse. „Wir sind mit großem Kaliber gekommen“, sagt ein Sprecher der Polizei. Die Kuh setzte immer wieder nach und wollte die Rettungskräfte nicht zu dem Landwirt lassen.

Schließlich wurde die Feuerwehr zur Verstärkung gerufen. Mit vereinten Kräften gelang es dann aber, die renitente Kuh in den Stall zurückzudrängen. Der Erstversorgung des Bauers stand nun nichts mehr im Wege. „Wir waren sehr froh, dass es so glimpflich ausging“, sagt der Polizeisprecher.

Der 78-Jährige hatte sich bei der Attacke augenscheinlich nur leicht verletzt, wurde aber zur Beobachtung ins Klinikum Augsburg eingeliefert, aus dem er mittlerweile wieder entlassen werden konnte. Es gehe ihm wieder gut, versichert der Landwirt auf Nachfrage unserer Zeitung. Der erste Schock sei überwunden und auch Kuh und Kälbchen wurden wieder vereint zusammen auf die Weide gebracht.

Unfälle mit Kühen sind keine Seltenheit. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, teils wurden dabei Menschen schwer verletzt oder getötet. Im Sommer 2014 zum Beispiel ist eine 45-Jährige beim Wandern in Tirol von einer Herde Mutterkühen mit Kälbern niedergetrampelt worden. Sie starb an den schweren Verletzungen. Auch im Landkreis Neu-Ulm kam es im März zu einem größeren Unfall. Dort sollte ein Stier von einem Transportwagen in ein anderes Fahrzeug verlegt werden. Doch das aggressive Tier ergriff kurzerhand die Flucht und rannte dabei zwei Männer um. Beide wurden dabei schwer verletzt.

Als Reaktion auf tödliche Attacken mit Kühen hat die Landwirtschaftskammer Tirol im vergangenen Jahr sogar ein Video für Wanderer erstellt. Besonders Mutterkühe mit Kälbern gelten als aggressiv. Wer den Jungtieren zu nahetritt, kann sich schnell in Gefahr begeben.

Auch die Tierschutzorganisation Peta rät deshalb zur Zurückhaltung. Es wird empfohlen, Abstand zu halten. Auf keinen Fall sollten Wanderer über Zäune klettern oder durch Kuhherden laufen, nur weil es kürzer ist. Auch die Körpersprache könne entscheidend sein.

So empfiehlt die Organisation, Rinder nicht mit den Augen zu fixieren, sondern locker an ihnen vorbeizugehen. Das signalisiert den Tieren: Es droht keine Gefahr. Im Angriffsfall sollte man sich nicht auf den Boden legen oder hektisch wegrennen. Wer von einem Rind angegriffen wird, sollte versuchen, ruhig zu bleiben, sich groß zu machen und langsam nach hinten wegzugehen. (thia, kinp, AZ)

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