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Aufführung

06.04.2016

Bayerischer Humor, der rundum begeistert

„Schnapseln“ mit Niveau: Auch in betuchten Kreisen wird gerne gefeiert (von links): Regina Stanglmeier, Michael Fischer und Bärbel Schubert.
Bild: Thomas Hack

Theater Gersthofen landet mit der „Bixlmadam“ einen Volltreffer. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der Schauspieler

Gute Schauspieler prägen das Theater, doch gutes Theater prägt auch die Schauspieler – dieses Phänomen war beim volkstümlichen Dreiakter „Bixlmadam“ besonders schön zu sehen. Das Gersthofer Theater zeigte in der Stadthalle mit einer ungewöhnlichen Komödie aus der Feder von Peter Landstorfer, wie wichtig glaubhafte Charakterdarstellung und Ausdrucksstärke für den Erfolg der heimatlichen Amateurbühne tatsächlich ist.

Ein atmosphärisch ausgestaltetes Bühnenbild, eine grenzenlose Spielfreude und die rundum stimmige Einarbeitung der Darsteller in ihre Rollen vereinten sich zu einem herrlichen Bühnenspaß, der es auch zwischen den Zeilen in sich hatte: Drei g’standene Gamsbart-Trachtler machen sich auf dem Weg zum traditionellen Rossmarkt der Region. Doch statt im zünftigen Gasthof „Zum röhrenden Hirschen“ landen die bajuwarischen Draufgänger mitten in einem honorigen Hoteletablissement für aristokratische Sonderfälle.

Aber dieses Haus scheint für den Jagdtrieb der heimatnahen Herren nicht die schlechteste Alternative zu sein, residiert hier doch immerhin das neckische Wiesnluder Susi, die betuchte Madam von Ogebarin und das gerissene Fräulein Flickedanz…

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Der Gersthofer Theaterverein setzte nicht nur die skurrile Rahmenhandlung professionell in Szene, sondern arbeitete auch kleinste Nebensächlichkeiten bis ins Detail heraus: An jeder Bühnenecke waren neue Dinge zu entdecken, wobei selbst auf den Wandschmuck in versteckten Nischen erstaunlich großen Wert gelegt wurde.

Sehr schön war zudem, dass die gerade einmal nicht agierenden Schauspieler niemals tatenlos herumstanden, sondern mit ausladender Gestik ihre eigenen kleinen Hintergrundgeschichten erzählten. Authentizität war der Gersthofer Truppe ohnehin sehr wichtig: Die drei bayerischen Haudegen schienen geradewegs vom Bauernhof zu kommen, die Adelsdamen hätten selbst das britische Königshaus überzeugt und Darstellerin Bärbel Schubert entpuppte sich nicht nur visuell als passionierter Miss-Marple-Verschnitt in den allerbesten Krimijahren.

Freilich wurden bei der „Bixlmadam“ wieder einmal zahllose Intrigen gesponnen, hundsgemeine Gerüchte in die Alpenwelt gesetzt und nach guter alter Volkstheaterart gelogen, bis sich die Scheunenbalken biegen.

Doch in manchen Dingen wich die Inszenierung durchaus von den gängigen Mustern ab: Die bayerische Fluchakrobatik hielt sich in Grenzen, subtilere Inhalte und Klassenklischees stiegen in ihrer Bedeutung – preußische Korinthenzähler trafen auf bayerische Krawallbeulen, g’scherte Agrarkultur auf geheuchelte Aristokratie.

Interessant war auch die Anlehnung an Filmelemente – so wurden Zeitsprünge durch eingeblendete Plakate überbrückt. Immer wieder nahmen die Darsteller die zwischenmenschliche Annäherungskultur aufs Korn: Soll man als Mann eher Aufschneider sein oder auf die Tränendrüse drücken?

Manches sorgte auch unfreiwillig für Schenkelklopfer im Publikum: Als der Klavierspieler der neureichen Lady Flickedanz „Ich liebe Schubert…“ zuflüsterte, brachte das zahlreiche Besucher zum Lachen. Der Grund für die Erheiterung? Die angesprochene Darstellerin heißt im wahren Leben tatsächlich Schubert und ist die dritte Bürgermeisterin Stadtbergens.

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