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Kreis Augsburg

26.05.2019

Behörden widersprechen Gerücht über Wahlbetrug in Welden

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel für die Europawahl in die Wahlurne.
Bild: Oliver Dietze, dpa (Symbolbild)

Schon vor Schließung der Wahllokale kursierte das Gerücht, in Welden im Kreis Augsburg sei es bei der Europawahl zu Wahlbetrug gekommen. Polizei und Wahlleiterin widersprechen.

Die Wahllokale waren bei der Europawahl am Sonntag noch nicht geschlossen, da kursierte in den sozialen Medien das Gerücht: In der Gemeinde Welden im Landkreis Augsburg sei es zu Wahlbetrug gekommen. Das rechte Kampagnenprojekt "Ein Prozent", das der Identitären Bewegung nahesteht, postete: "In Welden in Bayern fummeln die Wahlhelfer in den Urnen rum – was ist da los?"

In dem Post, der auf Facebook zur Stunde bereits über viertausend Mal geteilt wurde, bezieht sich das rechte Netzwerk auf eine "Zuschrift" aus Bayern, in der eine nicht näher benannte Person schrieb: "Ich habe gerade eben meine Stimme abgegeben und es gab eine Besonderheit: Vor mir gingen zwei Männer ins Wahllokal, die offen verkündeten, die AfD wählen zu wollen. Als die beiden das Wahllokal verließen, wurden die Türen kurz geschlossen, was mich verwunderte. Ich ließ mich nicht beirren, öffnete eigenmächtig die Tür und sah wie ein Herr seine Hand in der Wahlurne hatte. Sofort zog er seine Hand schreckhaft heraus! Ich nahm mein Handy und machte schnell zwei Fotos, bevor ich angeschnauzt wurde. Fotos wären verboten – und der Herr fing schnell an, das Siegel mit Tesafilm zu überkleben."

Dazu postete der Nutzer ein Foto eines abstehenden Siegels.

Bild: Screenshot AZ

Behörden: Es gab keinen Wahlbetrug in Welden

Jürgen Rother vom Polizeipräsidium Schwaben Nord bestätigt, dass das Siegel an der jeweiligen Wahlurne "nicht richtig dran war". Dass jemand seine Hände in der Wahlurne hatte, dementiert Rother dagegen.

Die zuständige Wahlleiterin des Landkreises Augsburg, Marion Koppe, widerspricht der Darstellung des Facebook-Beitrags ebenfalls. Das Bild sei zwar authentisch, sagt Koppe, es stamme aus dem zuständigen Wahlbüro in Welden. "Das ist Fakt." Hinweise auf Manipulation hätten sich tatsächlich aber nicht erhärtet.

Ihren Erkenntnissen zufolge sei das Foto kurz nach 8 Uhr am Wahlsonntag entstanden. "Darauf ist zu sehen, dass die Versiegelung an der Urne nicht richtig geklebt hat", sagt Koppe. Nach dem Hinweis eines Wählers sei dies umgehend nachgeholt worden - zumal der Wahlvorstand verpflichtet sei, sich unmittelbar vor der Wahl zu versichern, dass die Wahlurne leer ist. Erst dann würde sie verschlossen, erklärt Koppe. "Als das Foto gemacht wurde, war das Siegel wohl noch nicht richtig fest." Koppe spricht von einer "Unachtsamkeit" und betont: "Das ist unglücklich gelaufen."

Wie Wahlleiterin Koppe weiter berichtet, sei der Wähler, der die Urne fotografiert hatte, bereits von der Polizei vernommen worden. Im Gespräch mit den Beamten habe er seine Beobachtungen im Weldener Wahlbüro nicht mehr bestätigt.

Lesen Sie dazu auch unseren Bericht vom Montag nach der Europawahl: Hat die angebliche Wahlfälschung ein juristisches Nachspiel?

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