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Sommerkrimi

16.08.2019

Bei Mord werden alle Spuren unter die Lupe genommen

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Bei einem geheimnisvollen Krimi-Dinner gibt es einen Toten: Kommissarin Klar ermittelt.
Bild: Marcus Merk

Exklusiv Kriminalkommissar Alexander Zink erklärt im Interview, wie richtige Ermittler der Kripo arbeiten. Manchmal sind auch kreative Lösungen gefragt.

Bei einem geheimnisvollen Krimi-Dinner gibt es einen Toten: Die Handlung des frei erfundenen Sommerkrimis könnte sich auch in der Realität zutragen. Wie würden dann die Profis von der Polizei vorgehen, um den Mörder zu finden? Einen Einblick in die Arbeit der Ermittler gibt Alexander Zink vom Polizeipräsidium Schwaben Nord. Er war zwei Jahre beim Kriminaldauerdienst und gehört jetzt zu den Sprechern des Präsidiums.

In einer Wirtschaft liegt eine Leiche, darum herum aufgebrachte Gäste. Wie geht die Kripo vor?

Alexander Zink: In der Regel fährt als allererstes eine Streife der örtlich zuständigen PI zum Tatort. Diese Kollegen sind für den so genannten Ersten Angriff zuständig. Das heißt: Die uniformierte Polizei leitet eventuell eine Fahndungsmaßnahme ein, sperrt den Tatort ab, stellt Personalien aller anwesenden Personen fest oder sichert Spuren vor Fremdeinwirkung. Die Informationen gehen dann an die Kriminalpolizei, die Spuren aller Art sicherstellt und alle anwesenden Personen befragen, um an möglichst viele weitere Informationen zu gelangen. Ein Großteil der Arbeit wird im weiteren Verlauf vom Büro aus erfolgen. Dazu gehören Vernehmungen von Beschuldigten und Zeugen sowie die Auswertung und Interpretation aller Spuren. Übrigens wird zu Beginn auch ein Rettungsteam vor Ort sein, das professionelle Erste Hilfe leistet. Im ungünstigsten Fall bescheinigt dann ein Arzt den Tod des Opfers.

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Wie würde die Arbeit der Spurensicherung im geschilderten Fall aussehen?

Zink: Wichtig ist, dass keine Spuren vernichtet oder verfälscht werden, um Trugschlüsse zu vermeiden. Deswegen trägt die Spurensicherung Schutzkleidung, wie einen weißen Anzug, Überziehschuhe, Mund- und Haarschutz und Handschuhe. Der Schutz gilt auch für die Kollegen, sollten diese mit einem toxischen Mittel in Berührung kommen. Am Tatort gibt es verschiedenste Arten von Spuren: Das können Fingerabdrücke sein, DNA-Material oder digitale Spuren, die sichergestellt werden müssen. Naheliegend ist, dass irgendwie eine giftige Flüssigkeit in die Hochzeitssuppe gekommen ist. Im konkreten Fall müsste die Suppe und auch die Getränke nach toxikologischen Spuren untersucht werden. Generell wird die Spurensicherung alles unter die Lupe nehmen, was mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht werden kann.

Wie lange kann es dauern, bis die Spuren an einem Tatort gesichert sind?

Zink: Das ist je nach Größe des Tatorts und der Spurenlage dem Einzelfall geschuldet. Es kann sich auch über mehrere Tage erstrecken. Dazu wird in jedem Fall der Tatort sichergestellt. Dies kann durch eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung erfolgen oder – wenn möglich – durch das Anbringen eines Verschlusssiegels.

Kommen danach die „Tatortreiniger“?

Zink: Die Reinigung des Tatortes ist keine Aufgabe der Polizei. Vom Eigentümer des betreffenden Objekts können spezielle Firmen beauftragt werden. In manchen Fällen bietet auch der Bestatter diese Dienstleistung an. Die entstandenen Kosten können dann vom Verantwortlichen eingefordert werden.

Die gesicherten Spuren sind meistens nur ein Teil des großen Puzzles, das am Ende einen Fall aufklärt. Wie bekommt der Kommissar die restlichen Puzzleteile zusammen? Ist die Ermittlungsarbeit reines Handwerk oder sind manchmal auch kreative Lösungen gefragt?

Zink: Jede Fallaufklärung ist komplex. Der Personen- und Sachbeweis muss wie ein Puzzle zusammengeführt werden, damit eine Tat beweissicher und lückenlos nachgewiesen werden kann. Grundsätzlich wird jeder Fall nach einem definierten Schema abgearbeitet. Dazu kommen Erfahrungswerte dienstälterer Kollegen. Individuelle Taten erfordern dann individuelle Ermittlungsansätze.

Was könnte das in unserem Sommerkrimi bedeuten?

Zink: Als erstes muss ein natürliches Ableben ausgeschlossen werden. Neben der Ermittlung eines Täters oder eines Motivs wird auch ein Einfluss von außen abgeklärt. Es könnte sich auch um eine fahrlässige Tat handeln. Zum Beispiel könnte der Topf mit einem ätzenden Mittel geputzt worden sein, das dann die Suppe kontaminiert hat. Denkbar wäre auch eine Verwechslung mit einem Reinigungsmittel, das in einer Getränkeflasche abgefüllt worden war und dann an die Gäste ausgeschenkt wurde. Eine Obduktion gibt die erste Richtung vor.

Legen sich Kommissare auf einen Täter fest? Oder bleiben Ermittlungen immer ergebnisoffen?

Zink: Zunächst wird alles und jeder neutral beurteilt. Wenn es entsprechende Beweise gibt, dann rücken einzelne Verdächtige ins Zentrum der Ermittlungen.

Bei Fernsehkrimis wird bis tief in die Nacht gearbeitet. Oft schlafen die Kommissare auf einer Pizzaschachtel ein. Ist das auch so in der Realität?

Zink: Es gibt Fälle, bei denen es tatsächlich erforderlich ist, dass deutlich länger gearbeitet wird. Hier kann es auch passieren, dass die Ruhephasen verkürzt werden. In der Regel fährt jeder Ermittler nach Hause, um dann mit voller Kraft am folgenden Tag weiter zu ermitteln.

Welche Rolle spielt der Kommissar Zufall bei Ermittlungen?

Zink: Hierbei handelt es sich um einen Begriff, der häufig in der Presse verwendet wird, wenn die Ermittlungen plötzlich eine überraschende Wendung einschlagen. Grundsätzlich gilt: Ein Zufall muss auch entdeckt und wahrgenommen werden.

Haben Sie ein Beispiel?

Zink: In diesem Fall wäre denkbar, dass sich der Ermittler bei einem Spaziergang um den Tatort Gedanken macht und hierbei auf eine Person stößt, die gerade eine verdächtige Flüssigkeit entsorgt. (mcz)

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