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Autobahn 8

11.05.2015

Bei Nacht und Nebel kam die A8-Brücke weg

Autobahn A8 / Autobahnbrücke / Abriss der Behelfsbrücke Zusmarshausen
Bild: Marcus Merk

Drei Jahre stand das Bauwerk: In der Nacht auf Sonntag wurde die Behelfsbrücke an der A8 bei Zusmarshausen nun abgerissen. Worauf es bei den Arbeiten ankam.

Ein dutzend Menschen hat sich auf dem kleinen Hügel versammelt, um das Spektakel zu sehen. Nicht den Sonnenuntergang und das Gewitter, das an diesem Samstag um 21 Uhr gut sichtbar südöstlich von Zusmarshausen tobt. Die Blicke der Zuschauer sind starr auf die Brücke gerichtet, für die es der letzte Sonnenuntergang ist. Seit November 2011 hat sie Zusmarshausen über die A8 hinweg mit seinem Ortsteil Wörleschwang verbunden. „Da bin ich fast jeden Tag drüber gefahren“, sagt ein Wörleschwanger, der zusammen mit seiner Frau am Geländer steht. Nun kommt sie weg. „Wir sind hier vorbeigekommen und dachten: Da fahren wir hin, das wird spannend.“

Noch steht die Brücke, umzingelt von Baggern. Oben auf der gesperrten Staatsstraße 2027, wie auch unten auf der für zwölf Stunden gesperrten Autobahn stehen die Maschinen, die dem Dasein der Brücke ein Ende setzen werden. Die neue Brücke steht gleich nebenan. In fünf Wochen soll sie freigegeben werden, noch fehlen der Asphalt und die Straßenanbindung. Durch den Ausbau der A8 zwischen Ulm und Augsburg auf sechs Spuren müssen auch die Brücken abgerissen und neugebaut werden. Die Behelfsbrücke in Burgau wurde schon im November abgerissen, im Juli soll die Wollbacher Brücke folgen. Und nun eben die Zusmarshauser Brücke.

Das braucht Vorbereitung: Ein Bagger hat zuvor eine 30 Zentimeter dicke Schicht schwarzen, feinen Gerölls verteilt, die wie ein Polster auf der Straße unter der Brücke wirken soll. Siegbert Schmidt leitet den Bau für die Autobahnausbaugesellschaft Pansuevia. Er erklärt: „Die Fahrbahn muss geschützt werden.“

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Zwei Bagger rücken an

Um halb zehn ist es so weit: Zwei Bagger fahren los. Einer ist bewaffnet mit einem Meißel, einer mit einem Greifer. Unaufhaltsam bahnen sie sich ihren Weg zur Brückenmitte. Dann wird es laut, die Bagger verschwinden in einer Wolke aus Staub und Beton – der Meißel setzt zwei saubere Schnitte an, schneidet eine Fahrbahnplatte aus der Brücke. Zehn Meter in der Breite, 2,50 Meter in der Länge. Dann rückt Bagger Nummer zwei an. Ein banger Moment für Siegbert Schmidt. In den letzten 40 Jahren hat er die Existenz vieler Brücken begonnen und beendet.

Trotzdem ist sein Gesicht für einen Moment in Falten gelegt. „Das ganze Konzept ist ja von mir, da schau ich besonders kritisch hin.“ Dann hebt sich die Betonplatte – ganz leicht. „Jawoll, geht doch“, jubelt Schmidt, klatscht in die Hände. „Die erste Platte ist immer die schwierigste, weil ja von beiden Seiten gemeißelt wird. Da muss alles stimmen.“ Der Bagger wendet die Platte wie einen tonnenschweren Pfannkuchen und bringt sie weg von der Brücke, setzt sie direkt vor dem staunenden Publikum ab.

Bei Nacht und Nebel kam die A8-Brücke weg
26 Bilder
So wurde die Brücke an der A8 bei Zusmarshausen abgerissen
Bild: Marcus Merk

Als die Sonne untergeht, sind nur noch die Lichter der nun futuristisch wirkenden Maschinen zu sehen, gebrochen im Dunst des Nebels. Besorgt ist Siegbert Schmidt deshalb nicht, weder vom Nebel noch vom Gewitter in der Ferne: „Schwierig wird es bei Starkregen. Dann kann die Schutzschicht unter der Brücke wegschwimmen.“ Danach sieht es aber nicht aus, zu weit weg ist das Gewitter, zu schnell kommen die Bagger voran. Problematischer könnten da schon die Zuschauer sein. „Es gibt viele, die keine Absperrungen kennen. Das kann gefährlich sein“, sagt Schmidt. Heute halten sich alle an die Regeln.

Dem Publikum auf der Ostseite entgeht, wie vier Männer in fünf Metern Höhe über der Autobahn arbeiten. Auf der Westseite entfernen sie die Gerüste der neuen Autobahn. Hebebühnen geben ihnen Halt, während sie ihren Kollegen oben auf der Brücke die Teile anreichen, die sie gerade entnommen haben. Nur wenige Meter entfernt beginnt die Absperrung. Die Autofahrer, die von Burgau kommen, haben beste Sicht auf die von Scheinwerfern angestrahlte neue Brücke und die Luftakrobaten. „Die Nachtschicht gehört halt zum Job dazu“, erklärt Bauleiter Schmidt. „Man kann die Autobahn ja nicht am Tag sperren.“

Es ist nun 23 Uhr und das Team hat noch viel Arbeit vor sich. Die neun Stahlträger müssen noch entfernt werden, das dauert die ganze Nacht. So viel Geduld haben die Zaungäste aus Wörleschwang aber nicht mehr. Den Rest der Nacht sind die Bauarbeiter unter sich.

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