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Fischach-Aretsried

21.05.2020

Beim Drive-in-Gottesdienst tönt kräftig die Autohupe

Der erste Drive-in-Gottesdienst in den Stauden stieß auf große Resonanz.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Die evangelische Kirchengemeinde Diedorf hat in Aretsried den ersten Drive-in-Gottesdienst gefeiert. Auch für die Feier des Abendmahls gab es eine Lösung.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Diedorf-Fischach ist dafür bekannt, dass sie auch ungewöhnliche Maßnahmen nicht scheut, um Gläubige zu erreichen. Im letzten Herbst erklangen Gebete und Musik in einem Zug der Staudenbahn. Jetzt, an Christi Himmelfahrt, organisierte Pfarrer Alan Büching den wohl ersten Drive-in-Gottesdienst in den Stauden.

Dass die Aktion bei den Menschen ankam, belegte die große Resonanz auf dem Parkplatz von Müllermilch im Fischacher Ortsteil. Weit über 100 Fahrzeuge drängten sich auf dem Areal. Schnell war ein Weg gefunden, gemeinsam auch im Fahrzeug einen Gottesdienst zu feiern. Auf dem höchsten Punkt des Parkplatzes waren ein Altar und eine Bühne aufgebaut worden sowie ein großes weißes Kreuz. Die Kirchenglocken kamen vom Band.

Drive-in-Gottesdienst in Aretsried gelingt mit viel Kreativität

Und auch sonst bewiesen die Organisatoren viel Kreativität. „Statt das gesprochene Amen drückt der Fahrzeuglenker kräftig auf die Hupe“, verkündete Kirchenvorstandsmitglied Stefan Karrer die Spielregeln. „Beim Halleluja betätigen wir die Lichthupe. Und wem es langweilig wird, der kurbelt einfach die Scheiben hoch.“ Letzteres trat nicht ein. Pfarrer Alan Büching verglich in seiner Predigt das ganze Leben eines Menschen mit einer Reise. „Wir sind permanent unterwegs“, meinte er. „Auf dieser Fahrt steigen wir zu, verabschieden uns und wenden uns immer wieder neuen Zielen zu.“ Die wichtigsten Eindrücke auf dieser Durchreise des Lebens seien aber die Begegnungen mit den Menschen. Büching ließ auch einige Wortspiele zur aktuellen Corona-Pandemie einfließen. So sei das Finden des Reiseziels „systemrelevant“ und Gottes Handlungen stets „positiv infizierend“.

Ebenso mussten die Gläubigen in ihren Autos nicht auf die Feier des Abendmahls verzichten. Wer die Hostie empfangen wollte, streckte seine Hand mit einer vorher erhaltenen Serviette aus dem Fenster. Zehn Abendmahlhelfer gingen durch die Fahrzeugreihen und legten unter Beachtung aller verordneten Hygienevorschriften die gewünschte Anzahl der Hostien auf die ihnen dargebotene Serviette. Die feierliche Zeremonie wurde optisch symbolhaft mit dem Einschalten der Warnblinkanlage begleitet.

Der Drive-in-Gottesdienst war Bestandteil der sogenannten wandernden Kirche. Bereits 2015 hatte die evangelische Kirchengemeinde mit der Immanuelkirche als Herzstück erkannt, dass sie nicht nur im Innersten bleiben dürfe, sondern sich auch nach außen orientieren müsse. So sei die Idee der wandernden Kirche entstanden, erzählte Pfarrer Alan Büching. Also der Versuch, dorthin zu gehen, wo Menschen in dem großen Gemeindegebiet von sechs Kommunen und 58 Ortschaften westlich und südwestlich von Diedorf leben.

Auch Musik fehlt nicht beim Drive-in-Gottesdienst in Aretsried

Die musikalische Umrahmung übernahm einmal mehr das Musiktrio Scheineilig, das Büching anerkennend als „das wohl erste und kleinste Volksmusik-Salonorchester“ bezeichnete. Die Familie Hegele – Vater mit zwei Söhnen – begeisterte mit weltoffenen und dennoch traditionellen Melodien, die offenkundig von Leidenschaft und Herzblut lebten.

Gesungen wurde auch. Dieser Part fiel Gabriele Schlund und Annette Karrer zu. Sie erfreuten die Gläubigen mit Liedern wie „Geh aus, mein Herz“ und „Da berühren sich Himmel und Erde“. Sie erklangen inbrünstig und glasklar zugleich.

Nach dem besonderen Gottesdienst gab es für alle Teilnehmer noch ein Päckchen Popcorn. „Stilecht wie beim Autokino“, meinte Pfarrer Büching schmunzelnd.

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