1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Bekannte Landschaftauf der Leinwand in Neusäß

Neusäß

08.06.2018

Bekannte Landschaftauf der Leinwand in Neusäß

Landschaften aus der Region sind das Thema der Ausstellung von Andreas Decke im Neusässer Rathaus.
Bild: Tobias Karrer

Die Bilder von Andreas Decke sind im Rathaus Neusäß ausgestellt. Dass es um viel mehr geht, wird bei der Vernissage klar.

Große und kleinere, teilweise sehr farbenfrohe, teilweise eher dunkle Gemälde zieren die Wände im Neusässer Rathaus. Sie alle zeigen eine Landschaft, die Betrachtern aus der Region sehr bekannt vorkommt. Die Werke sind von dem Zusmarshauser Künstler Andreas Decke, der schon als „Chronist der schwäbischen Landschaft“ bezeichnet wurde. In Zusammenarbeit mit dem Kulturverein der Stadt Neusäß stellt der Träger des Magnus-Remy-Preises seine Bilder jetzt im Rathaus aus. Bei der Vernissage wird klar: Deckes Werke zeigen viel mehr als nur „Landschaft“.

Das erklärt auch Jürgen Schmid in seiner Laudatio. Der Archäologe und Autor ist Andreas Deckes Vorgänger als Leiter des Museums in Zusmarshausen und kennt die Werke des Künstlers gut. Decke sei „wie bewusst oder unbewusst auch immer, nicht einfach ein pedantischer Chronist der schwäbischen Landschaft, sondern präziser gesagt der Chronist einer Landschaft unter den Bedingungen des Spätkapitalismus, manche sagen dazu auch Neoliberalismus“, betont er am Ende seiner Ausführungen.

Menschen kommen gar nicht vor

Er spielt damit auf die meist leeren Landschaften an, die Andreas Decke malt. Nur selten sind auf den Bildern der Ausstellung Gebäude zu sehen, und Menschen kommen gar nicht vor. Allerdings zeigt der Maler keine Wildnis. „Es sind ausschließlich von Mensch und Maschine geformte Kulturlandschaften“, erklärt Schmid. Der Einfluss des Menschen ist in den Bildern des Künstlers deutlich zu sehen: Eine Autobahn durchschneidet das Zusamtal, rote Lichter ziehen Streifen durch eine nächtliche Szene und Ackerland ist in akkurate Rechtecke unterteilt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Vielleicht liegt es auch an dieser Art der realistischen Betrachtung, dass jeder, der vor Deckes Bildern steht, sofort eine reale Szene oder Erinnerung im Kopf hat. Trotz der durchaus nachdenklichen Deutung, die Schmid zurecht anbringt, berühren die Gemälde emotional. Sie lassen den Betrachter etwas zwischen wilder Freiheit und heimischer Geborgenheit fühlen. Während der Vernissage helfen dabei Jazz und klassische Klänge von Vera Decke an der Klarinette und Amelie Warner am Klavier.

Auch Begriffe wie „Wetter oder Jahreszeiten“ passen

„Landschaft“ ist in Jürgen Schmids Augen zwar ein passender Titel für Deckes Werke, allerdings passten in seinen Augen auch Begriffe wie „Wetter oder Jahreszeiten“. Immer wieder stoße Decke die Betrachter in seinen Bildern auf die „Wetterstimmungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten, die der moderne Mensch mithilfe von Technik gerne ignoriert“, erklärt Schmid.

Er spielt dabei auf die vielen kleinformatigen Malereien der Ausstellung an. In Bildern, die Decke selbst „Dampfige Schneereste“, „Herbstwaldleuchten“ oder „Nass-graue Wolkenlandschaft“ genannt hat, porträtiert der Künstler die Jahreszeiten. Schmid spricht zwei weitere Themen an, die in Andreas Deckes Bildern auftauchen: Ruhe und Geschwindigkeit. Viele Bilder enthalten diesen Gegensatz. Egal ob die vorbeiziehenden Lastwägen in Deckes „Autobahnausfahrt“, oder das Bild „Rote Lichter in Blauer Landschaft“, immer wieder spielt der Maler mit einer in sich ruhenden Natur und der Schnelligkeit der menschlichen Einflüsse. „Ist das lange, meditative Verweilen in unserer hektischen Zeit ein Luxus des Malers geworden?“, fragt der Laudator und appelliert gleichzeitig an die Besucher der Vernissage: „Es würde uns allen guttun, sich der Ruhe der Landschaft auszusetzen.“

Bis zum 26. Juli sind Andreas Deckes Bilder jetzt im Neusässer Rathaus ausgestellt. Den Mitarbeitern der Verwaltung scheinen sie zu gefallen. Die Vorsitzende des Kulturkreises Neusäß, Maria-Stephanie Kemmerling, erzählt in ihrer Begrüßungsrede: „Mitarbeiter des Rathauses haben schon gesagt: Die können doch eigentlich hängen bleiben.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
MMA_03134.jpg
Gersthofen

Kürzere Wege für die Busbenutzer

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden