Historie

26.02.2011

Bereit für den Umzug

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2 Bilder
1944 wurde die Holzbaracke an der Bachwiesenstraße in Gessertshausen von einer ausgebombten Augsburger Familie errichtet (oben). Für den Umzug wurde nun das Dach abgetragen (unten).
Bild: Fotos: Walter Kleber

Behelfsheim aus Gessertshausen steht kurz vor seiner Umsiedlung ins Bauernhofmuseum Illerbeuren

Gessertshausen Gut verpackt und fest verschnürt wartet das Behelfsheim, das eine ausgebombte Augsburger Familie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Gessertshausen errichtet hat, auf seinen Abtransport. Die hölzerne Baracke, die bis vor einem Jahr noch bewohnt war, zieht ins schwäbische Bauernhofmuseum nach Illerbeuren im Landkreis Unterallgäu um.

Das Dach des kleinen, ganz aus Holzständern und Hartfaserplatten zusammen gezimmerten Häuschens haben die Mitarbeiter des Museums schon in den vergangenen Tagen abgebaut. Akribisch wurde jeder Balken des Dachstuhls beschriftet und nummeriert. Sobald es die Witterung erlaubt, soll jetzt auch das restliche Gebäude mithilfe eines großen Krans auf einen Tieflader gesetzt und auf das Museumsgelände transportiert werden. Dort wird das Behelfsheim wieder zusammengebaut und in die Baugruppe Mittelschwaben integriert. Errichtet wurde das Behelfsheim im Jahr 1944. Die Fuggerstadt Augsburg lag nach der verheerenden Bombennacht vom Februar in Trümmern. Eine ausgebombte Familie baute sich mit primitiven Mitteln auf dem von der Gemeinde überlassenen Grundstück in der heutigen Bachwiesenstraße eine Notunterkunft. Als die Familie nach einigen Jahren des Provisoriums nach dem Tod des Familienvaters wieder in ein „richtiges“ Haus umzog, wurde die Holzbaracke von der Gemeinde anderen Mietern überlassen.

Als Atelier genutzt

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1960 zog ein Fotograf ein, der das Häuschen bis zu seinem Tod im Frühjahr vergangenen Jahres bewohnte und gleichzeitig als Atelier nutzte. Die Grundstücksbesitzer Wolfgang und Christine Enzler haben das Behelfsheim dem Museum jetzt kostenlos überlassen. Museumsleiter Dr. Otto Kettemann freut sich über die Schenkung: „Das Häuschen ist ein Stück Zeitgeschichte, das die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die von Hunger und Wohnungsnot geprägte Nachkriegszeit aufrecht erhält. „Ich freue mich, dass wir es vor dem Vergessen bewahren können.“

Die Holzbaracke ist übrigens nicht das erste Gebäude aus dem Landkreis Augsburg, das im schwäbischen Bauernhofmuseum eine neue Heimat findet: Bereits 2009 wurde ein altes Bauernhaus aus Siegertshofen (Markt Fischach) dorthin versetzt.

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