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Gessertshausen

10.05.2015

Besser leben ohne Umgehung?

Michael Pelzer berichtete von den Nachteilen einer Umgehung.
Bild: M. Rauch

Der Altbürgermeister von Weyarn, warum er den Verkehr im Ort belassen hat. Vorbild für die B 300?

Durch den Ort oder am Ort vorbei? Mehr als 30 Jahren beschäftigen sich Gemeinderäte und Fachbehörden mit einer möglichen Umfahrung. Ein Gutachten des Staatlichen Straßenbauamts hatte zwar ergeben, dass der demografische Wandel für einen Verkehrsrückgang sorgen wird, doch den Pendlern und Anwohnern nutzt das erst einmal wenig. Autofahrer sind genervt, die Bürger leiden unter dem Lärm und fürchten um die Sicherheit.

Aktuell sind wieder zwei Umfahrungsvarianten in den Fokus gerückt. Die eine Trasse lotst die Fahrzeuge südlich um den Ort herum, die andere führt den Verkehr im Norden unterhalb der Bahn entlang. Der Verein „Pro Natur – Lebendiges Gessertshausen ohne Ortsumfahrung“ hat mehr als 500 Unterschriften gegen den Trassenbau gesammelt.

In der Schwarzachhalle hat die Initiative unter der Leitung von Claudia Ertl einen prominenten Gastredner begrüßt. Michael Pelzer war 24 Jahre lang Rathauschef in Weyarn. Die 3400-Seelen-Gemeinde wurde mehrfach für ihre Nachhaltigkeit und ihr aktives Bürgerengagement ausgezeichnet. Ende der 90er-Jahre hat Pelzer die Neugestaltung seiner Hauptstraße mit auf den Weg gebracht.

Die Ortschaft liegt nahe der A8 München–Salzburg und ist mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 12000 Fahrzeugen pro Tag belastet. Stau und Lärm waren die Folge, die Durchfahrtsstraße zudem in einem desolaten Zustand. Pelzer erinnert sich. „Etwas über acht Meter breit, auf der einen Seite ein schmaler Gehweg, auf der anderen gab es nichts.“ Ladenbesitzer hatten es schwer. Parkplätze waren Mangelware, der Verkehr staute sich ständig. Fußgänger mieden den Weg und Eltern waren froh, wenn ihre Kinder heil auf die andere Seite kamen. „Ganz im Ernst, da dachtest du jedes Mal, da willst du nicht durch“, sagt Pelzer.

Schnell wird der Wunsch laut, man solle doch die Autobahnauffahrt schließen. „Klar, die Menschen haben gedacht, wenn weniger Autos durchfahren, wird alles besser.“ Doch das sei eben die Krux an der Sache. „Uns würde die Wirtschaft innerorts doch aussterben, wenn keiner mehr durchfährt.“

Pelzer lässt im Gemeinderat einen Arbeitskreis bilden. Zusammen mit Experten und Fachleuten tüftelt der mehr als sechs Jahre lang an einer durchdachten Ortsdurchfahrt. Dann kommt der Startschuss. Statt die Straße zu vergrößern, wie es vielleicht im ersten Moment logisch erscheinen würde, lässt die Gemeinde sie auf sechs Meter verschmälern. Pelzer lacht. „Für das Tiefbauamt klang das wie Rückbau.“ Zusätzlich gibt es einen Flüsterasphalt, einen breiten Geh- und Radweg und einen Grünstreifen. Der Dorfcharakter soll erhalten bleiben. Ein Kreisel vor dem Ortseingang lässt die Autofahrer schon vor der Einfahrt nach Weyarn auf die Bremse treten. „Außerdem haben wir Querungshilfen und eine Ampel mit Vorwegblinker für die Schläfrigen.“

Heute sieht die Hauptstraße aus wie eine Allee. Auch der Handel profitiere vom neuen Ortsbild. „Vorher war es kaum möglich zu halten, jetzt gibt es Parkbuchten.“ Pelzer appelliert an die Gessertshauser sich aktiv in den Gestaltungsprozess einzubringen. „Das Thema Verkehr kann schnell in einen Glaubenskrieg ausarten. Umso wichtiger ist es, dass alle an einem Strang ziehen.“ Wie es im Schmuttertal weitergeht, wird sich zeigen. Fakt ist, eine Entscheidung für oder gegen eine Umfahrung muss her, sonst gerät die Bauplanung ins Stocken. Bürgermeisterin Claudia Schuster hat eine Bürgerversammlung angekündigt. „Zusammen mit dem Straßenbauamt werden wir noch einmal alle Varianten vergleichen und diskutieren.“

Offene Bürgerversammlung am Montag, 8. Juni, um 19.30 Uhr in der Schwarzachhalle. Weitere Informationen werden noch bekannt gegeben.

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