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Gersthofen/Augsburg

22.02.2021

Betreiber des Caterers Cirkularium kämpfen um ihre Existenz

Ein High-Glas-Büffet präsentieren die Cirkularium-Geschäftsführer Ulrike Loew und Charly Schantroch vom Caterer der Stadthalle Gersthofen.
Bild: Marcus Merk

Plus Seit einem Jahr sind die Caterer des Parktheaters Göggingen und der Stadthalle Gersthofen ohne Einnahmen. Nun arbeiten sie an einem besonderen Büffet – und hoffen auf Perspektiven.

„Wir sind seit März ohne Einkommen“, sagt Ulrike Loew. Die ansonsten so resolute und humorvolle 55-Jährige klingt niedergeschlagen und verzweifelt. Zusammen mit ihrem Mann Charly Schantroch betreibt sie das Catering-Unternehmen Cirkularium in Gersthofen und Augsburg. 1992 hatte das Ehepaar ihr Herz in die Hand genommen und sich selbstständig gemacht. Zunächst als Pächter des Grünen Kranz in Lechhausen, dann als Betreiber der Kantinen im Staatstheater und im Justizgebäude in Augsburg. Nachdem alle diese Objekte einer Schließung zum Opfer fielen, schienen sie zuletzt als Caterer in der Stadthalle Gersthofen und im Parktheater am Kurhaus in Göggingen ihr Glück gefunden zu haben. Bis das Coronavirus auftauchte.

Seitdem sind die beiden Spielstätten fast durchgehend geschlossen. Die Pandemie hat für eine Flut an Absagen gesorgt. Keine Kulturveranstaltungen mehr, keine Hochzeiten, keine Geburtstage, keine Tagungen, keine Firmenevents. Die letzten großen Veranstaltungen, die in der Gersthofer Stadthalle über die Bühne ging, waren die Kol-La-Faschingssitzungen und der Auftritt von Kabarettist Erwin Pelzig im ausverkauften Haus. Seitdem gab es im Kurhaus eine einzige Hochzeit und im Herbst vereinzelte Konzerte unter strengen Hygieneauflagen. Als Gerhard Polt in Gersthofen gleich dreimal vor limitiertem Publikum auftrat, gab es deshalb nicht einmal eine Pause.

Gersthofer Catering-Unternehmen Cirkularium fürchtet um Existenz

„Die Regierung hat uns mit dem Verbot von Großveranstaltungen die Möglichkeit genommen, unser Auskommen und unseren Lebensunterhalt zu verdienen“, zeigt sich das Ehepaar verbittert. Sie sehen den Catering-Bereich als schwächstes Glied der Kette. „Wir waren die ersten, die zu machen mussten, und werden die letzten sein, die wieder aufmachen dürfen.“ Eigentlich müsse der, der zusperrt, zahlen, wer etwas kaputt macht, die Sache reparieren. Doch sogar die Betriebsschließungsversicherung habe eine Zahlung abgelehnt. „Mit der Begründung, wir hätten ja catern können“, schüttelt Ulrike Loew nur den Kopf. Ein Verkauf außer Haus kommt für sie nicht in Frage: „Das hat keinen Sinn. Wir würden dadurch nur den anderen noch etwas wegnehmen. Außerdem haben wir als Caterer keine Stammkunden, die uns mit Essen zum Mitnehmen unterstützen.“

Bei gebratenem Blumenkohl auf Edamame- und Kidneybohnen, Mais und Gurke kommen auch Vegetarier auf ihre Kosten.
Bild: Marcus Merk

Zwar hatten sie ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken können und mit Verspätung die Überbrückungshilfen 1 und 2 erhalten, doch 45 Geringverdiener konnten nicht mehr beschäftigt werden. Loew und Schantroch, beides Gastronomen mit Leib und Seele, geht das sehr nahe. „Auch wir als Geschäftsführer, als Unternehmer, die sich alles selbst erarbeitet haben, sind leer ausgegangen. Wir müssen unsere Ersparnisse auffressen“, fühlen sie sich abgehängt. Existenzängste nagen an ihnen.

„Was wir an Problemen mitschleppen, das macht dich kaputt. Wir haben inzwischen unseren ganzen Stolz über Bord geworfen und um Grundversorgung eingereicht. Aber wir wollen arbeiten und keine Almosenempfänger sein“, sagt Ulrike Loew mit Tränen in den Augen. Es sind auch Tränen der Wut: „Ich verstehe die Notwendigkeit der Corona-Maßnahmen, aber ich verstehe nicht, warum 5,8 Millionen Beschäftigte in der Gastronomiebranche leer ausgehen, während zum Beispiel TUI oder die Lufthansa großzügig unterstützt werden. Wir haben von der Bazooka nichts gespürt.“

Kein Stillstand in der Großküche der Gersthofer Stadthalle

Was macht dann ein Caterer, der seit fast einem Jahr keine Veranstaltungen mehr zu beliefern hat? Trotz Stillstand und Resignation rührt sich was in der Großküche der Gersthofer Stadthalle. In den Wochen und Monaten des Lockdowns haben Ulrike Loew und Charly Schantroch mit den beiden verbliebenen Mitarbeitern, die es im Homeoffice nicht mehr ausgehalten haben, und sieben Auszubildenden an einem neuen Konzept gearbeitet. „Die Zeiten, in denen Hunderte von Menschen aus einer gemeinsamen Schüssel den Kartoffelsalat geschöpft haben, sind vorbei“, sagt die Gastronomin, die jedes Büffet individuell nach Leuten, Location und Jahreszeit gestaltet. Für sie ist Catering mit Freude verbunden, weil es etwas nicht alltägliches sein soll. „Essen geht durch meinen Körper. Das ist etwas ganz intimes“, setzt sie dabei auf hochwertige Zutaten.

High-Glas-Food heißt das Zauberwort der neuen Ästhetik im Catering-Bereich. In hohen Gläsern mit Schraubverschluss sind kulinarische Köstlichen angerichtet, die nicht nur durch Geschmack sondern auch durch Optik überzeugen. Sei es das Pulled Pork auf verschieden farbigen Krautsalaten, die Entenbrust mit den doppelt frittierten Krustenpopcorns aus der eigenen Haut oder vegetarische Bowls mit gebratenem Blumenkohl auf Edamame- und Kidneybohnen, Mais und Gurke.

Zweite Linie für das Catering: Cirkularisches Barbecue

„Die Palette reicht von ganz deftig bis ganz edel. Nachdem mittlerweile zehn Prozent der Bevölkerung Vegetarier sind, haben wir vegane Speisen entwickelt, bei denen es niemand auffällt, dass dies vegan ist“, kann Ulrike Loew doch noch lachen. Die traditionelle Leberkässemmel gibt es auch. Ist halt im Bayaan-Brot (der Begriff kommt vom indischen Naan-Brot) verpackt und auf Dijon-Senf-Creme angerichtet.

Entenbrust mit Popcorn aus der eigenen Haut - angerichtet im Glas.
Bild: Marcus Merk
Entenbrust mit Popcorn aus der eigenen Haut - angerichtet im Glas.
Bild: Marcus Merk

Als zweite Linie für das Catering wurde ein Cirkularisches Barbecue entwickelt. „Eine Alternative zum herkömmlichen Grillen“, erklärt Urlike Loew, dass neben Fleischkatzen auch Vegetarier und Veganer ihren Spaß daran haben sollen. Zu Pulled Pork, Ente und Huhn kommen auch Sellerie, Karotten oder Bierchampignons auf den Tisch.

Ulrike Loew hat mit ihrem Unternehmen Perspektiven aufgezeigt und wünscht sich diese auch von der Bundesregierung, deren Streitereien zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten sie als unwürdiges Szenario bezeichnet. „Wir müssen lernen, mit Augenmaß und Eigenverantwortung mit der Bedrohung klar zu kommen“, hofft sie auf Schadensbegrenzung. Realistisch sieht sie eine weitreichende Öffnung erst im September: „Bis 21. September wurde jedem ein Impftermin versprochen. Wahrscheinlich wegen den anstehenden Bundestagswahlen.“

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