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Landkreis Augsburg

17.04.2018

Betrüger legt gutgläubigen Pfarrer herein

Ein Geistlicher im Ruhestand, der offensichtlich an das Gute im Menschen glaubt, wurde von einem Betrüger ausgenommen.
Bild: Ralf Lienert

Zu gutmütig: Ein Geistlicher im Ruhestand wurde um über 15000 Euro geprellt. Warum der Schaden beinahe noch größer geworden wäre.

Immer wieder half der frühere Pfarrer, wenn Menschen in Not bei ihm angeklopft hatten: Mal war es ein Zuschuss für eine überfällige Rechnung. Mal war es Geld, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Dann kam der Mann, der die Gutmütigkeit des früheren Geistlichen ausnutzte und ihn um mehr als 15 000 Euro erleichterte.

Laut Anklageschrift suchte der 44-Jährige den Pfarrer im Ruhestand in den Weihnachtstagen 2014 auf. Er berichtete, dass er Soldat in Afghanistan gewesen sei. Der Pfarrer, der als Zeuge vor Gericht aussagte, erinnerte sich: „Er sagte, dass er die Hände voller Blut habe und seinen Dienst quittieren musste. Er sei kaputt. Der Staat würde ihn hängen lassen.“ Die Geschichte nahm den Pfarrer offenbar mit. Denn er beschloss, dem Mann unter die Arme zu greifen. Doch mit nur einer Finanzspritze war es nicht getan.

Noch dreimal kam er wieder. Einmal benötigte er angeblich Geld für ein Auto. Mit dem fahrbaren Untersatz könnte er für einen Apothekendienst arbeiten. Wieder glaubte ihm der Pfarrer, der eine Art Leihvertrag anfertigte. Den ließ er sich sogar unterschreiben. Gleichzeitig beteuerte der Mann, das Geld wieder zurückzubezahlen. Dazu sei er spätestens in der Lage, wenn er einen Prozess am Bundesgerichtshof gewinnt. Dreist: Damit wollte er einen weiteren Betrug einleiten.

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Nach eineinhalb Jahren Funkstille meldete sich der Mann wieder und gab laut Anklageschrift an, dass die Geldrückgabe bevorstehe. Er habe ein Treffen mit einem Rechtsanwalt vereinbart, um die Formalitäten zu klären. Der Pfarrer ließ sich darauf ein und fuhr mit dem Mann nach München. Dort gab es allerdings kein Treffen in einer Kanzlei, sondern in einem Straßencafé nahe des Botanischen Gartens. „Man hat mich wieder eingeseift“, berichtete der Pfarrer  am Amtsgericht. Schließlich hieß es: Bevor Geld fließt, müsste das Honorar des Anwalts bezahlt werden: Sage und schreibe 36000 Euro.

Das Geld könnte gleich um die Ecke bei einer Niederlassung der Hausbank des Pfarrers abgehoben werden. Der 83-Jährige wurde misstrauisch. „Ich hatte gottlob mein Handy dabei.“ Er rief bei seiner Hausbank in Augsburg an und wollte wissen, wie viel Geld er noch auf seinem Konto habe und ob er es in München abheben könne. Die Bankmitarbeiterin schlug daraufhin Alarm und verständigte ihre Kollegin in München. Und die drehte den Geldhahn zu. In der Bank fühlte sich der Senior sicher – denn dorthin hatten ihn der Mann und der vermeintliche Anwalt nicht mehr begleitet. Die Polizei kam schließlich einem 44-Jährigen aus dem Landkreis auf die Spur.

Der stritt die Vorwürfe gestern vor Gericht ab. Er sei nicht der Täter, ein Rechtsanwalt aus Berlin könne ihm außerdem ein Alibi geben. Doch der Jurist war gestern krank und deshalb nicht vor Gericht erschienen. Nicht entlastet, sondern schwer belastet hatte den Mann der Geprellte: Der frühere Pfarrer erkannte ihn wieder.

Weil er mit seinen 83 Jahren nicht mehr gut sieht, trat er bis auf einen Meter an ihn heran. Dann schaute er ihm in de Augen und sagte zu dem Angeklagten: „Passt schon, oder?“ Der 44-Jährige verzog keine Miene. Der frühere Pfarrer hatte keinen Zweifel, den Betrüger vor sich zu haben. Er wünschte sich, dass der Mann so etwas nicht wiederholt. Er habe für sich abgeschrieben, das Geld wieder zu bekommen. Das werde der Mann schon brauchen, um seinen Rechtsanwalt bezahlen zu können.

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