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Stadtbergen

16.12.2016

Betrunkene schlagen Zechkumpanen beinahe tot

Stark alkoholisiert waren bei einem Streit in Stadtbergen Täter und Opfer.
Bild: Julian Leitenstorfer

Zwei Männer sollen in Stadtbergen im Streit derart auf einen anderen eingeprügelt haben, dass der 36-Jährige beinahe starb. Den Verletzten ließen sie vor der Haustür liegen - und gingen schlafen.

Alleine die Auflistung der Verletzungen lässt erahnen, mit welcher Gewalt auf einen heute 36-Jährigen eingeprügelt wurde: Mit einem Bruch der Augenhöhle, des Unterkiefers, einem schweren Schädel-Hirn-Trauma und Blutergüssen am ganzen Körper wurde der Mann in akuter Lebensgefahr vor einem Jahr in die Notaufnahme des Klinikums gebracht. Seine beiden Peiniger sollen ihn, nachdem sie ihn zusammengeschlagen hatten, einfach vor einem Wohnhaus im Stadtberger Nestackerweg in der kalten Novembernacht liegen gelassen haben. Dass der Mann überhaupt noch lebt, hat er einem Nachbarn zu verdanken, der die Rettungskräfte alarmiert hatte. Seit zwei Wochen müssen sich zwei 29 und 35 jahre alte Männer am Augsburger Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Was die Geschehnisse dieses Abends angeht – darüber gibt es mehrere Versionen. Sicher ist aber: Nachdem sich die drei Osteuropäer in der Wohnung mit Whiskey und Bier betrunken hatten, kam es zum Streit. Der 37-Jährige (Verteidiger: Johannes Siegmund), auf den die Wohnung angemeldet war, stellte sich in der Verhandlung als nahezu unbeteiligter Augenzeuge dar. Dass er mit der Schlägerei etwas zu tun hatte, bestritt er – sein 29-jähriger Mitbewohner sei hingegen nach etlichen Provokationen des Opfers so ausgerastet, dass er immer wieder auf den Mann eingeschlagen habe. Diese waren so schlimm, dass der immer wieder sein Bewusstsein verloren hatte.

Das Opfer leidet bis heute an den Folgen der Schläge

Auf die Frage von Richter Christoph Wiesner, warum er nicht einmal einen Rettungsdienst verständigt hat, antwortete der 37-Jährige: „Ich hatte Angst, dass mich mein Mitbewohner auch umbringt.“ Der 29-Jährige (Verteidiger: Michael Zapf und Klaus Rödl), der wegen ähnlicher Vergehen in seiner Heimat bereits eine Haftstrafe hatte absitzen müssen, wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Beide Angeklagte befinden sich in Untersuchungshaft: Der 29-Jährige wurde nach der Tat abgeführt, der Ältere im Juni dieses Jahres.

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Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft sieht etwas anders aus: In der Anklageschrift wird den beiden Männern vorgeworfen, an diesem Abend stillschweigend den Entschluss gefasst zu haben, den Mann umzubringen. Dabei sollen die beiden mit einem erschreckenden Maß an Kaltblütigkeit vorgegangen sein. Demnach wurde der 36-jährige schon in der Wohnung so geschlagen worden sein, dass er bewusstlos zu Boden ging – seine Peiniger sollen danach auf dem Balkon erst einmal eine Zigarette geraucht haben. Als er wieder zu Sinnen kam, sollen die beiden wieder auf ihn eingestürmt sein. Das Opfer sagte vor Gericht, dass die beiden versucht hatten, ihn noch mehr betrunken zu machen: „Sie haben mir eine volle Flasche Whiskey in den Mund gesteckt.“ Dabei sei ein Teil seines Zahnes abgebrochen.

Mutmaßliche Täter ließen erst von 36-Jährigem ab, als sie dachten, dass er gestorben sei

Danach wurde der Mann über das Treppenhaus nach draußen gezogen. Vor der Haustüre steckte er daraufhin die schlimmsten Schläge ein. Er erinnerte sich, dass es vor allem der 29-Jährige auf ihn abgesehen hatte: „Ich habe gehört, wie er sich über mich gebeugt und geschrien hat: ‚Er hat noch nicht genug.‘ Dann hat er weiter zugeschlagen.“ Laut Staatsanwaltschaft ließen die beiden erst von ihm ab, als sie dachten, dass er gestorben sei und gingen danach zurück in die gemeinsame Wohnung zurück um sich schlafen zu legen.

Das Opfer leidet bis heute an den Verletzungen. Der Mann, der in der Verhandlung als Nebenkläger auftritt (Anwalt: Werner Weiss), hat Gleichgewichtsstörungen, wegen denen er im März stürzte und sich den Oberschenkelknochen brach. Er gilt seit einem Jahr als arbeitsunfähig – auch deswegen, weil die psychischen Folgen ebenfalls noch immens sind. Bis heute befindet er sich in Behandlung und leidet an Schweißausbrüchen: „Ich denke jeden Tag über das nach, was damals geschehen ist.“

Im Gerichtssaal entschuldigten sich die Angeklagten bei dem Mann. Der 29-Jährige ließ über seinen Übersetzer ausrichten: „Ich möchte mich entschuldigen. Ich weiß, dass ich schuldig bin.“ Als Schuldeingeständnis wollte sein Verteidiger Klaus Rödl dies nicht werten. Ein Urteil soll im Januar fallen.

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