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Serie "Was macht eigentlich?"

23.08.2019

Biberbacherin hat eine späte Leidenschaft für die Geschichte

Bei der Recherche in historischen Dokumenten findet Stephanie Justus viele Daten, Fakten und Geschichten aus der Heimat.
Bild: Sonja Diller

Stephanie Justus war früher Vorsitzende der Musikschule Biberbach. Heute sitzt sie oft in Archiven und recherchiert in historischen Dokumenten.

Jahrelang waren sie der Boss und/oder die gute Seele. Ob in der Firma, im Verein oder im Rathaus: Ohne sie ging nichts. Und dann hören sie auf, sind plötzlich weg. Aus den Augen, aus dem Sinn? In unserer Reihe „Was macht eigentlich?“ spüren wir Menschen nach, die einst in ihrer Heimat eine prägende Rolle gespielt haben.

20 Jahre eng verbunden mit der Musikschule Biberbach

Fast 20 Jahre lang wurden die Musikschule Biberbach und Stephanie Justus in einem Atemzug genannt. Von 1997 bis 2014 war sie nach fünf Jahren als Schriftführerin die Vorsitzende der ständig an Ansehen gewinnenden Schule. Zwei Jahre arbeitete sie anschließend als Stellvertreterin ihre Nachfolgerin Sabine Duttler in den ehrenamtlichen Posten ein, der über viele Jahre fast ein Vollzeitjob für die Powerfrau war: Fördertöpfe anzapfen, erstklassige Lehrkräfte gewinnen, immer ein offenes Ohr für Schüler und Lehrer haben.

Das hat sie gerne gemacht und als ehemalige Lehrerin auch gelernt. „Sie haben Ihren Mann zu stehen“, das hat ihr der Seminarleiter während des Studiums in den 50er-Jahren eingepaukt. Als Volksschullehrerin hat sie 30 Jahre lang in Ehingen genau das getan. Und in der Musikschule für gutes Klima gesorgt. Doch irgendwann ist Schluss, stand der Entschluss zum Aufhören spätestens dann fest, als ein anderes Thema ihre Zeit mehr und mehr in Anspruch nahm.

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Im Zuge der Dorferneuerung entstand in den vorbereitenden Seminaren die Idee, in einem ständigen Arbeitskreis für Kultur und Geschichte Biberbachs Vergangenheit unter die Lupe zu nehmen. Dafür konnte sich die passionierte Leserin von historischen Romanen, Sachbüchern und Biografien sofort begeistern. Schon für die Vorbereitungen zur 300-Jahr-Feier der Biberbacher Kirche und der Neuauflage des Kirchenführers 1995 begann sie mit historischen Recherchen.

Zwei Mal die Woche ist sie im Fugger-Archiv in Dillingen

Um immer mehr darüber zu erfahren, wie das Leben der Menschen in vergangenen Jahrhunderten aussah, sitzt Stephanie Justus oft zweimal in der Woche im Fugger-Archiv in Dillingen, im bischöflichen oder im Staatsarchiv in Augsburg und arbeitet sich akribisch durch alte Bücher und Aufzeichnungen. Dabei findet sie ganz nebenbei auch einiges über die eigene Familiengeschichte heraus.

Auf alten Unterlagen erscheint der väterliche Name Schmuttermeir in immerhin drei verschiedenen Versionen. Und ein Großvater mit vielen „Ur-“ vorneweg erscheint schon 1795 erst als Gastwirt, dann als Müller in den Annalen. Mit den vielen gesammelten Fakten hat Justus als Mitarbeiterin des Arbeitskreisteams dazu beigetragen, dass bereits drei Jahreshefte mit Biberbacher Begebenheiten entstehen konnten. Später soll daraus eine umfassende Chronik zusammengestellt werden.

In Heft drei erfuhren die Leser auch ganz Persönliches. Darin findet sich eine Geschichte über ihre Mutter Franziska Schmuttermeir, die auch schon Lehrerin war und das damals noch geltende Lehrerinnenzölibat umschiffen musste. In Bayern galt noch bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Vorschrift, dass Lehrerinnen unverheiratet und kinderlos sein mussten. Für das vierte Heft „Biberbachensis“, das pünktlich zum Jahresende erscheinen soll, wird gerade eifrig recherchiert.

Die Gefahr, im Archiv zu verstauben, besteht bei der vielseitig interessierten Musik- und Gartenliebhaberin Stephanie Justus allerdings nicht. Dafür ist sie viel zu gerne unterwegs und sammelt neue Eindrücke. Auf Reisen liebt sie Überraschungen, bei den Konzerten der Augsburger Symphoniker, deren Vorstellungen sie als langjährige Abonnentin regelmäßig besucht, eher weniger. Sie hält es nämlich mit den alten Meistern, toleriert die modernen Experimente des Orchesters aber mit derselben Geduld wie die kindlichen Eskapaden ihrer beiden 4- und 6-jährigen Enkelsöhne, bei denen jede Woche einmal Omatag angesagt ist.

20 Jahre lang hat sie ehrenamtlich Besuchsdienste im Krankenhaus geleistet

Gerne fährt sie bis nach Ingolstadt zur Familie ihres Sohnes, um die Schwiegertochter zu entlasten, aber vor allem, weil es „einfach schön ist“, für die Familie und auch für andere da zu sein. 20 Jahre lang hat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ehrenamtlich Besuchsdienste im Krankenhaus geleistet, heute sieht sie einmal in der Woche nach einer alten Freundin, die im Pflegeheim lebt.

Fit hält sie sich seit Jahrzehnten mit Yoga und verblüfft die Freundinnen dabei mit ihrer Gelenkigkeit. Die sind deshalb auch überzeugt, dass das Datum auf ihrer Geburtsurkunde eine klare Fälschung sein muss. So viel sei verraten: Es wurde erst kürzlich ein halbrunder Geburtstag gefeiert.

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