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Biberbach

09.01.2021

Biberbachs Heilige stammen aus Roms Katakomben

Pfarrer Ulrich Lindl und Stephanie Justus wissen, dass die drei Katakombenheiligen, die sich in der Wallfahrtskirche St. Jakobus hinter Glas befinden, im Jahr 1687 nach Biberbach kamen.
Bild: Steffi Brand

Plus Sie kamen 1685 aus Rom: die Katakombenheiligen, die sich heute in der Wallfahrtskirche in Biberbach befinden. Was es mit ihnen auf sich hat.

Zahlreiche Wanderer, Reisende und Pilger machen sich jährlich auf den Weg in die Wallfahrtskirche St. Jakobus in Biberbach. Bekannt ist sie vor allem für das Herrgöttle von Biberbach. Wer aus der Ferne anreist oder aus der Gegend stammt und sich um eine Kirchenführung bemüht, könnte auch die Geschichte erfahren, wie die Katakombenheiligen nach Biberbach kamen, die heute ebenfalls in der Kirche zu sehen sind. Kirchenführerin Stephanie Justus und Pfarrer Ulrich Lindl erzählen gerne, wie die drei Heiligen heißen, woher sie kommen und wie sie nach Biberbach kamen.

Vor mehreren Hundert Jahren kamen die Heiligen als Geschenk nach Biberbach

Die drei Heiligen – Fortunatus, Candida und Laureatus – waren ein Geschenk, das Pfarrer Antonius Ginther vor mehreren Hundert Jahren in Rom erhielt. Im Alter von 24 Jahren trat der Geistliche seinen Dienst in Biberbach an. Dort dokumentierte er bereits früh erste Heilstaten im sogenannten Mirakelbuch und legte damit auch den Grundstein für Biberbach als einen Ort der Wallfahrt, den künftig weit mehr Menschen aufsuchen würden als bisher. Infolgedessen wurde auch die Erweiterung der Kirche notwendig, und Pfarrer Ginther erhielt auf seine Initiative hin eine Audienz bei Papst Innozenz XI. in Rom.

"Das war im Jahr 1685", erläutert Stephanie Justus, die die Geschichte der Biberbacher Wallfahrtskirche in vielen Details kennt. Die erhoffte Unterstützung für den Kirchenbau, der 20.000 Gulden kosten sollte und weswegen Ginther ursprünglich nach Rom gereist war, gab es nicht. Allerdings erhielt Ginther ein Dekret mit der Anerkennung der Biberbacher Wallfahrt sowie fünf Katakombenheilige als Geschenk.

Jedes Skelett in Biberbach trägt ein Schwert

Die sterblichen Überreste der Heiligen konnten – anders als bei anderen Reliquien – zugeordnet werden, erläutert Pfarrer Lindl. Jedes Skelett trägt ein Schwert, das das Tötungsinstrument darstellt, und eine Siegespalme, die den Verstorbenen als Märtyrer kennzeichnet. "Wir verehren keine Knochen, sondern Menschen", erklärt Pfarrer Lindl, wenn er auf die Katakombenheiligen angesprochen wird. Dann zitiert er auch Tertullian, der einst gesagt haben soll: "Das Blut der Märtyrer ist der Samen der Kirche."

Zu drei der fünf Heiligen – Fortunatus, Candida und Laureatus –, die sich noch heute in der Wallfahrtskirche St. Jakobus in Biberbach befinden, ist sogar dokumentiert, aus welchen römischen Katakomben sie stammen: Fortunatus und Candida stammen aus der Calixtus-Katakombe; Laureatus stamme aus der Cyriakus-Katakombe. Nach der Rückkehr ins Lechtal wurden die Katakombenheiligen zunächst nach Kloster Holzen gebracht, um dort gefasst zu werden.

Dieser Stich, der sich im Biberbacher Pfarrhaus befindet, dokumentiert die Translation von Fortunatus, Candida und Laureatus im Jahr 1687 von Kloster Holzen nach Biberbach.
Bild: Steffi Brand

Die Prozession, während der Fortunatus, Candida und Laureatus im Juli 1687 nach Biberbach gebracht wurden, dauerte zwei Tage und wurde festlich zelebriert, woran noch heute ein Stich erinnert, der im Biberbacher Pfarrhaus hängt. Zehn Jahre später, im Jahr 1697, wurden die heiligen Leiber von Valentinus und Ludovicus in einer weiteren Translation nach Biberbach gebracht. Sie sind heute nicht mehr sichtbar in der Fuggergruft, die sich in Biberbach unter dem Volksaltar befindet. Dass die Heiligen bereits nach ihrer Ankunft in Biberbach vom Volk wahr- und angenommen wurden, davon zeugt ein Blick auf die Neugeborenen, die nun häufiger auf die Namen dieser Heiligen getauft wurden.

Was es mit Katakombenheiligen auf sich hat

Die Katakombenheiligen sind in Rahmen eines Heiligenkults aus der Zeit des Barocks zu verstehen. Hinter der Bezeichnung verbergen sich Gebeine, die aus römischen Katakomben übertragen wurden und als die Gebeine von Märtyrern bezeichnet wurden. Im Unterschied zu Körperreliquien, die oft nicht zuzuordnen oder benennbar waren, hatten die sogenannten Katakombenheiligen durchaus einen Namen.

Im Jahr 1610 wurde der erste von einigen Hundert heiligen Leibern nach Bayern gebracht. Dabei handelte es sich um Modestus, der nach München gebracht wurde. Zwischen den Jahren 1670 und 1700 gelangten etwa 65 heilige Leiber nach Bayern, darunter auch die Katakombenheiligen, die heute noch in der Biberbacher Wallfahrtskirche St. Jakobus zu sehen sind.

(Hinweis: In einer früheren Fassung hieß es, dass die heiligen Leiber von Valentinus und Ludovicus nicht mehr in Biberbach seien. Sie sind aber dort in der Fuggergruft unter dem Volksaltar. Wir haben den Fehler korrigiert.)

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