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Dinkelscherben

24.06.2019

Bischofsmütze und Bilder vom Dachboden

Irene Hegele (links) nimmt als Kassiererin des Fördervereins Bündnis Hospital die Einnahmen aus der ersten Auktion entgegen. Elisabeth und Michael Vogele aus Grünenbaindt freuen sich über ihre erstandenen „Schätze“.
Bild: Foto: Andreas Lode

Für den Erhalt des Seniorenheims wurden sakrale Gegenstände des Spitals verkauft. Welche Stücke da aufgetaucht sind

Elisabeth und Michael Vogele haben schon ein paar Schätze gefunden. Einen Stoffhasen, eine Figur des Christkinds in der Krippe, ein Heiligenbild und ein größeres Gemälde hat sich das Ehepaar aus Grünenbaindt bei Dinkelscherben gekauft.

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Über das Bild freut sich Michael Vogele besonders. Es zeigt eine Landkapelle mit einem kleinen Friedhof, im Hintergrund ist ein Bauernhaus zu sehen. „Alleine der Rahmen sieht schon hochwertig aus“, betont Vogele. Das Bild ist signiert von Kunstmaler Hans Metzger im Jahr 1918. Ein Sterbebildchen auf der Rückseite gibt Aufschluss über den Maler, der 1957 in München verstarb. Der Käufer sagt: „Vielleicht mache ich mich ja auch mal auf die Suche nach der Kapelle.“

In der Lagerhalle der Firma Guggenmoos in Dinkelscherben, die der Förderverein Bündnis Hospital zur Ausstellungshalle umfunktioniert hat, sind noch mehr derartige Schätze zu finden. Am vergangenen Samstag soll es vor allem um sakrale Gegenstände gehen. Unzählige Kruzifixe liegen deshalb säuberlich aufgereiht auf einem Tisch, jedem Besucher fallen auch die großformatigen Gemälde mit religiösen Motiven auf, darunter mehrere Darstellungen des letzten Abendmahles. An der Wand stehen außerdem mehrere unterschiedlich große Heiligenstatuen und in einer Nische etwas weiter hinten ein paar alte Kirchenbänke.

Bischofsmütze und Bilder vom Dachboden

In mühevoller Arbeit haben die ehrenamtlichen Helfer des Bündnis Hospital die ganzen Gegenstände aus dem Dachboden des Seniorenheims geholt. Nicht nur sakrale Gegenstände und Gemälde waren dort schon seit Jahrzehnten verstaut, auch eine Menge Schränke, Truhen, Stühle und Tische sind ausgestellt. Außerdem finden sich einige recht skurrile Gegenstände in der Sammlung: Eine Teigknetmaschine, eine spezielle Maschine für Schuster oder ein paar Krücken, die mit ihren jeweils vier Füßen wohl eine Art Vorläufer des Rollators gewesen sind.

Josef Guggenmoos, der erste Vorsitzende des Fördervereins erklärt: „Jedes Teil, das wir verkaufen ist wichtig, denn meine Helfer und ich wissen genau, aus welchem Stockwerk es kommt.“ An die 100 Helfer hätten insgesamt etwa 1000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in das Ausräumen des Altenheimspeichers gesteckt. „Jetzt ist er besenrein“, betont Guggenmoos.

Unter den Helfern war auch Franz Weisenburger. Er sagt: „Da hat man abends auch wirklich gespürt, was man getan hat.“ Ähnliches erzählt Robert Steppich, der zweite Vorsitzende des Fördervereins. Besonders das Ausräumen des obersten Geschoss sei ein Kraftakt gewesen. „Der war nur durch eine Art Luke zu erreichen“, erklärt er.

Ein Großteil dessen, was die Mitglieder des Fördervereins auf dem Speicher gefunden haben, soll jetzt zu Gunsten der Hospitalstiftung verkauft werden. Angekündigt war die Veranstaltung eigentlich als Auktion, aber Josef Guggenmoos erklärt, dass er nur dann wirklich versteigere, wenn es für eine Teil mehrere Interessenten gebe. Um die Preise festzulegen, haben gleich mehrere Experten und fachkundige Mitglieder des Fördervereins die Stücke bewertet. Ein großes religiöses Gemälde bringt am Samstag zum Beispiel über 200 Euro ein, etwa 500 Euro hat ein Käufer am Morgen für eine große Heiligenstatue aus Holz bezahlt.

In der Ausstellungshalle ist nicht nur das Ehepaar Vogele unterwegs, um sich anzusehen, was der Speicher des Spitaldachbodens so zu bieten hat, auch Hans Trischberger aus Neusäß begutachtet die ausgestellten Stücke. Er betont: „Wir sind leidenschaftliche Flohmarktgänger und ich finde es besonders spannend, wie viele sakrale Stücke es hier gibt.“ Zum Spaß probiert er eine alte Mitra an. Für ein Foto setzt er sich dann auch noch auf einen alten Rollstuhl, den ihm Konrad Niederhuber vom Förderverein zeigt.

„Für mich ist das das interessanteste Stück“, sagt Niederhuber und deutet auf den Stuhl, unter dem eine Konstruktion mit vier Rollen zu sehen ist. „Damit kann man jeden Stuhl zu einer Art Rollstuhl machen“, erklärt er und zeigt, wie man die Rollen verstellen kann. Hergeben will er diesen Rollstuhl nicht unbedingt. Niederhuber würde in einem neu eingerichteten Spital gerne einen kleinen Museumsraum gestalten. „Aber das ist Zukunftsmusik“, betont er.

Doch für den Förderverein war das Ausräumen des Spitalspeichers eine Art erster Schritt Richtung Zukunft. „Das war der Schritt, den auch das Personal im Heim gesehen hat, jetzt ist der Fortbestand auch für sei Wirklichkeit geworden“, erklärt Robert Steppich.

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