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Neusäß

04.03.2019

„Bitte erzähl der Welt, dass wir keine Wilden sind“

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2 Bilder
Markus Mauthe bereist als Naturfotograf seit 30 Jahren die Welt.
Bild: Thomas Hack

 Naturfotograf Markus Mauthe zieht in Neusäß eine aufwühlende Bilanz aus der Welt der indigenen Völker. Was er zu sagen hat.

Weshalb haben Amazonas-Kinder nach Tausenden von Jahren aufgehört, ihre Gesichter zu bemalen? Was fühlen Seenomaden, wenn statt bunter Fischschwärme nun Millionen Tonnen Plastikmüll vor ihren Palmenstränden schwimmen? Warum ist unter dem eiskalten Polarlicht der russischen Arktis ein Rentier wichtiger als eine Daunenjacke?

Naturfotograf Markus Mauthe reist seit 30 Jahren durch die entlegendsten Gebiete der Erde und fängt die faszinierendsten – und vielleicht auch letzten – Bilder indigener Zivilisationen ein, um diesen ein Gesicht zu geben und eine Stimme zu verleihen. Da sich jedoch in den letzten Jahren ein erschreckendes Bild des Gesamtzustandes solcher fast vergessenen Völker abzeichnet, hat Mauthe beschlossen, die Welt auf seine eigene Art und Weise aufzurütteln. Gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace lud der Naturfotograf in der Neusässer Stadthalle zu einem Multivisionsabend ein, der für die zahlreich erschienenen Besucher wohl spannender und bewegender war als jeder Kinofilm.

Eine Reise in Bildern in eine Welt von vor tausend Jahren

Unter dem inoffiziellen Motto „Nicht weggucken“ nahm Mauthe das Publikum mit auf eine visuelle Reise durch unbekannte Gefilde und Jahrtausende alte Kulturen, welche sich durch Umweltzerstörung und ungebremstes Wirtschaftsstreben plötzlich einem Wandel gegenübersehen, den sie weder begreifen noch bewältigen können. Obwohl es sich dabei um eine relativ bedrückende Thematik handelt, hat Mauthe einen Weg gefunden, diesen Film- und Diaabend zu einem äußerst kurzweiligen und auch sehr unterhaltsamen Erlebnis zu machen.

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Hypnotisierende Naturaufnahmen aus Frosch- und Vogelperspektive ließen an das preisgekrönte Naturfilmepos „Koyaanisqatsi“ denken, während der Fotograf an anderen Stellen Begriffe wie „Glück“ oder „Zufriedenheit“ in einem einfachen, wenn auch wunderschönen Kinderlächeln festgehalten hatte. Die bildgewaltige Reise begann in den russischen Eiswüsten, streifte die Fischereigründe indonesischer Seevölker und führte über afrikanische Geisterdörfer zu mystischen Regenwaldgebieten, die Mauthe selbst mit Tolkiens Elbenwald Lothlórien verglich.

Hier geht es nicht nur um Ästhetik

Doch schnell wurde auch deutlich: Dem sozialkritischen Naturfotografen geht es keineswegs nur um die Ästhetik des Lebendigen, sondern gleichermaßen um die Zerstörung desselben, die immer schneller um sich greift: „Wir Menschen sind sehr gut darin, Warnsignale zu missachten, solange wir selber noch davon profitieren.“

Und nach diesen Worten brannten sich auch schon die ersten „unschönen“ Bilder ins Gedächtnis der zahlreichen Zuschauer ein: Unmengen an Plastikmüll in den Weltmeeren, verstörte Kriegsveteranen in Afrika, verzweifelte Mütter, deren Kinder die alten Traditionen auf den Schuttabladeplatz der Geschichte werfen.

Markus Mauthe verstand es dabei wie ein versierter Filmregisseur, sämtliche menschlichen Emotionen gleichzeitig anzusprechen: Nicht ohne Humor beschrieb er Leidensgeschichten von durchfallgeplagten Unterwasserfotografen, nachdenklich stimmte wiederum die Aussage, dass eine einzige Plastikflasche 450 Jahre braucht, um sich zu zersetzen – in noch kleinere Plastikteile.

Markus Mauthe hat eine Mission zu erfüllen

Mitunter bedurfte es weiterführender Erläuterungen seitens des Referenten, doch in der Regel sprachen die Bilder und Videoaufnahmen für sich selbst.

Einer der ergreifendsten Momente war wohl eine Filmszene, in welcher eine ältere Indigo-Frau mit traurigen Augen in die Kamera blickt und mit hauchdünner Stimme sagt: „Bitte erzähle der Welt, dass wir keine Wilden sind!“ Diese Mission hat Markus Mauthe in Neusäß auf alle Fälle mit Bravour erfüllt.

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