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Neusäß

23.01.2020

Brand in Neusäß: Bewohnerin wollte Feuer selbst löschen

Zahlreiche Feuerwehrleute sind am Mittwochabend zu einem Mehrfamilienhaus in Neusäß ausgerückt. Dort schlugen Flammen aus dem sechsten Stock.
Bild: Ute Grathwohl

Plus Eine 64-Jährige wird bei einem Brand am Mittwoch schwerst verletzt. Am Tag danach äußern sich Nachbarn schockiert. Die Feuerwehr ärgert sich über zugeparkte Wege.

Bei einem Wohnungsbrand in einem Hochhaus in Neusäß ist am Mittwochabend die 64-jährige Bewohnerin schwerst verletzt worden. Ein Nachbar im Haus gegenüber hatte die Flammen aus der Wohnung im sechsten Stock schlagen sehen und um 18.15 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Laut Andreas Golling, Zweiter Kommandant der Neusässer Feuerwehr, rückten die Rettungskräfte sowohl über die Drehleiter als auch das Treppenhaus zum Brand im sechsten Stock vor. Die Einsatzkräfte fanden die 64-jährige Bewohnerin in den Flammen.

„Wir machen uns solche Sorgen“, sagen die direkten Nachbarn aus dem sechsten Stock am Tag nach dem Unglück. Der Schock steht ihnen noch ins Gesicht geschrieben. Das Rentner-Ehepaar habe 24 Jahre lang mit der freundlichen, allein lebenden Frau „Tür an Tür gewohnt“. Vom Ausbruch des Feuers hätten sie überhaupt nichts mitbekommen, bis von der Polizei Sturm geläutet wurde und alle Bewohner raus mussten. „Ich war noch in Hausschuhen“, sagt die Seniorin, sichtlich erschüttert von dem traumatischen Erlebnis.

Richard-Wagner-Straße: Hochhaus wird evakuiert

Von den rund 60 Bewohnern in dem Hochhaus in der Richard-Wagner-Straße nahe dem Klinikum waren die meisten zu Hause, sie konnten in einem Großraumfahrzeug der Berufsfeuerwehr im Warmen warten, bis sie nach gut einer Stunde wieder in ihre Wohnungen zurückkehren konnten.

Laut Feuerwehr war der Brand etwa um 18.45 Uhr gelöscht, die Flammen hatten auf keine anderen Wohnungen übergegriffen. Auch die des Ehepaars von nebenan blieb verschont. Nun da sie wissen, dass wenige Meter von ihrem Schlafzimmer entfernt so ein schlimmes Feuer gewütet hat, sind die Nachbarn geschockt und gleichzeitig dankbar, dass ihnen nichts passiert ist. Sie hoffen inständig, dass ihre Nachbarin wieder ganz gesund wird.

Feuer in Neusäß: Bewohnerin wollte Flammen selbst löschen

Wie Augenzeugen berichten, hat die 64-Jährige noch selbst versucht, die Flammen mit einer Decke zu ersticken. Sie habe vom Balkon brennende Gegenstände hinuntergeworfen. Dann sei sie zusammengebrochen.

Am nächsten Morgen sind die Ermittler der Kriminalpolizei vor Ort mitten in ihren Untersuchungen. Die Beamten tragen weiße Schutzanzüge und Atemschutzmasken, denn es riecht immer noch stark nach Rauch. Komplett verkohlte und verschmorte Teile wie beispielsweise eine Lampe werden aus der Wohnung getragen und begutachtet. Die Küche und das Wohnzimmer sind laut Polizei komplett ausgebrannt. In ihrer Verzweiflung hat die Bewohnerin wohl brennende Polster und Gartenmöbel vom Balkon hinuntergeworfen. Die genaue Brandursache muss aber erst noch ermittelt werden. Eine vorsätzliche Tat werde nach derzeitigem Ermittlungsstand ausgeschlossen.

In der Richard-Wagner-Straße in Neusäß hat es am Mittwoch gebrannt. Eine Bewohnerin wurde dabei schwer verletzt. Am Tag danach äußern sich die Nachbarn schockiert.
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Bilder: Brand in einem Hochhaus in Neusäß
Bild: Marcus Merk, Angela David

Zum Brand rückten die Feuerwehren aus Neusäß und Westheim an, außerdem kam die Stadtberger Wehr zur Sicherheit mit einer zweiten Drehleiter, wie der Neusässer Kommandant Christian Kannler erläuterte. Er benennt am Tag nach dem Einsatz ein großes Problem und Ärgernis für die Feuerwehr: Parksünder, die sich nicht an die Halteverbote halten. „Bei diesem Einsatz war es wieder so, dass der Hydrant zugeparkt war und auch auf den schraffierten Flächen Fahrzeuge abgestellt waren.“

Gerade durch die Nähe zur Uniklinik sei der Parkdruck hoch, weiß Kannler. Deshalb würden Parkverbote besonders über Nacht von den Anwohnern oftmals missachtet. Kannler sieht das aus Sicht der Feuerwehr äußerst kritisch: „Die Leute parken, wo sie wollen. Es muss ihnen aber klar sein, dass sie sich damit eventuell ihre eigene Rettung verbauen, falls was passiert.“

Feuerwehr Neusäß: Rettungswege waren zugeparkt

Die Feuerwehr stellt sich bei Einsätzen inzwischen sogar schon darauf ein, dass die Rettungswege am Ort des Geschehens trotz Verbotsschildern blockiert sein könnten. „Deshalb fahren wir den Einsatzort von zwei Richtungen aus an“, sagt der Kommandant. Dennoch mussten die Retter am Mittwochabend in Neusäß erst einmal ein geparktes Auto mit speziellen Heberollen vom wichtigen Hydranten entfernen und zudem mit ihren Einsatzfahrzeugen hin- und herrangieren. Kommandant Kannler sagt: „Irgendwie schaffen wir es schon, aber es dauert halt leider länger.“

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Bilder: Diese Brände bewegten Augsburg und die Region
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23.01.2020

Deshalb muss bei der Umsetzung der Chancen, welche das Uniklinikum für Neusäß wohl bietet, dringend im Rahmen der so schön beschworenen Urbanität dringend die Mobilität von Menschen und Material Rechnung getragen werden. Da gehört auch der ruhende Verkehr dazu. Es ist nicht getan, einfach Firmen- und Wohngebäude zu bauen. Das wurde gestern beim während des Brandes stattfindenden Zukunftsdialog der CSU adressiert. Es ist makaber, das es sich so schnell bewahrheitet.

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23.01.2020

Wenn ein Auto vor einem Hydranten parkt würde ich die Scheiben einschlagen und die Löschwasserleitung notfalls quer durch das Auto durch verlegen. Wer so rücksichtslos Parkt hat halt dann Pech gehabt...

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23.01.2020

Das wird in den USA z.B. konsequent gemacht.

Hinzu kommen noch Strafzettel, die nicht bei 35€ aufhören sondern bei 300$ anfangen.

Allerdings muss man dazu sagen, dass hier die Hydranten i.d.R. parallel zur Fahrtrichtung zugänglich sind. Autos stören also weniger bei den Löscharbeiten, sondern eher bei der Anfahrt

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23.01.2020

Autofahrer dürfen bei uns alles. Auch das Leben anderer gefährden durch bescheuertes Zuparken von Feuerwehrzufahrten. Kontrolliert wird kaum und die Strafen sind lächerlich. Selbst mit tatsächlicher Behinderung der Feuerwehr kostet das 65 Euro, ohne 35 Euro. Das ist dann billiger als ein Parkhaus. Und die Feuerwehrleute die oft ehrenamtlich Arbeiten können schauen wie sie zum Einsatzort kommen. Was ist das für eine bescheuerte Regelung?

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