Newsticker

Spanien meldet Rekordzahl an Todesopfern binnen 24 Stunden
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Brauchen Grundschüler wirklich schon ein Tablet?

Neusäß

14.11.2019

Brauchen Grundschüler wirklich schon ein Tablet?

Eine Schülerin übt auf einem Tablet geometrische Aufgaben, deren Figuren digital hervorragend dargestellt und verändert werden können. Einige Neusässer Stadträte sind skeptisch, ob solche technischen Geräte schon in der Grundschule sinnvoll sind. 
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Der Staat gibt viel Geld aus um die Neusässer Schulen mit neuen technischen Geräten auszustatten. Einige Stadträte verfolgen diese Entwicklung aber mit Skepsis.

Der Staat pumpt ziemlich viel Geld in die Digitalisierung der Schulen. Diese Zuschüsse machen sich auch in Neusäß bei den Anschaffungen für die städtischen Schulen bemerkbar. Martin Barth, zuständig für die Digitalisierung in den Einrichtungen der Stadt, berichtete dem zuständigen Ausschuss vom Stand der Technik und geplanten Investitionen.

Die Stadt hat fünf Grundschulen mit 36 Klassen (750 Schüler) und eine Mittelschule mit zehn Klassen (214 Schüler). Für diese Schulen seien Whiteboards, Laptops, Computer, Beamer und Dokumentenkameras gekauft worden, so Barth. Die Schüler der Eichenwaldschule können sich beispielsweise über 20 neue PCs freuen. Im Zuge des neuen Digitalisierungskonzeptes des Freistaates Bayern konnte der Schulverband Fördergelder für die Neuausstattung des EDV-Lehrsaales erhalten. Die Schüler können nun an größeren Monitoren und leistungsstärkeren PCs arbeiten. Im Schnitt werden von der Stadt für Hard- und Software jährlich rund 57000 Euro ausgegeben.

11.000 Euro für Anschluss an Glasfasernetz

Der Anschluss der fünf Schulen an das Glasfasernetz werde kommen, aber künftig für die Kommune auch teuer werden, so Barth. Die Stadt müsse für so einen Anschluss pro Schule im Jahr 11000 Euro bezahlen, statt wie bisher 5000 Euro. Die Aufträge wurden bereits an die Firmen erteilt, die Realisierung wird in den nächsten zwölf Monaten erfolgen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Um die Kinder an die neuen Techniken ranzuführen, gibt es künftig Tablets an allen Grundschulen. Die Stadt wird, zu 90 Prozent gefördert vom Digitalbudget des Freistaates Bayern, 125 Apple-Geräte angeschafft. Kosten: 76000 Euro. Jede Grundschule bekommt 25 Tablets. Die Lebensdauer eines solchen Geräts schätzt Barth auf vier Jahre. Danach bleibe nur noch die Entsorgung, da sich eine Reparatur nicht lohnt. Barth erklärte auch, dass die neueste Generation der Whiteboards keinen Beamer mehr hat. Dies sei von Vorteil, weil die Beamer häufig nicht lange halten. Der Austausch sei in der Vergangenheit ins Geld gegangen. Ein höhenverstellbares Whiteboard kostet 12000 Euro. Wollte man 46 Klassenzimmer damit ausstatten, mache dies rund eine halbe Million Euro aus, rechnete der Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor. Die neuesten Modelle der Whiteboards seien an keiner Stelle mehr mit Kreide zu beschreiben.

Hirnforscher warnen vor Folgen von digitalen Medien

Barth gab zu bedenken, dass die aktuelle Förderung von Bund und Land für die Digitalisierung „bestimmt einmalig“ sein wird. „Danach wird die Technik von der Kommune zu stemmen sein.“ Barth sprach bei dem „Hype von ganz oben“ auch die Gefahren der Digitalisierung an. Hirnforscher würden davor warnen, dass Kinder zu früh von den digitalen Medien Gebrauch machen. Er verwies auf entsprechende Berichte in der Augsburger Allgemeinen. Erst jüngst hatte der Augsburger Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer in einem Interview den warnenden Zeigefinger gehoben. Er hat festgestellt, dass Schüler und Studierende Texte nicht mehr verstehen. Und das hängt seiner Einschätzung nach mit dem digitalen Lesen zusammen.

Der Kinderarzt und Stadtrat Achim Timnik (Freie Wähler) stimmte dieser Skepsis zu. „Achtung im Grundschulbereich, da kann ich nur beipflichten.“ Nach Studien von Neurobiologen sei das Lernen von Lesen und Schreiben am Tablet „ein Riesenproblem“. Silvia Daßler (Die Grünen) hat folgenden Eindruck: „Der Druck kommt von den Eltern und der Politik.“ Die Grünen-Stadträtin sprach auch den Stromverbrauch der Geräte kritisch an. Insgesamt wisse sie aber auch, dass es keinen Weg gebe, sich dieser Entwicklung zu entziehen, sagte Daßler.

Digitalisierung gehört zur Lebenswelt der Kinder

Ralph Glass von der SPD-Fraktion, der selbst Lehrer ist, brach eine Lanze für die Digitalisierung in den Schulen. „Die Technik gehört zur Lebenswelt der Kinder.“ Aufgabe der Schule sei, zu zeigen, dass man mit den Geräten nicht nur spielen kann, sondern sie auch sinnvoll zu nutzen seien. Glass sprach sich für eine Ausstattung der Schulen „mit Sinn und Verstand“ aus. Wichtig sei, die Kinder mit der neuen Technik vertraut zu machen und sie nicht damit allein zu lassen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren