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Landkreis Augsburg

21.10.2020

Bremst der Winter den Radlboom im Augsburger Land aus?

David Ernst präsentiert Winterreifen mit Spikes - so kann auch beim Radeln auf Schnee und Eis nichts passieren.
Bild: Marcus Merk

Plus Im Lockdown haben viele das Radeln für sich entdeckt. Jetzt kommt aber der Winter. Wie man sich für das Radeln in der Kälte vorbereiten kann.

Seit der Ausgangsbeschränkungen im Frühling entdeckten viele das Fahrrad für sich oder belebten eine alte Liebe wieder. Dieser anhaltende Radl-Boom ist eine der wenigen positiven Auswirkungen der Pandemie - denn mehr Bewegung an der frischen Luft ist natürlich gesund. Arne Schäffler, Vorstandsmitglied des ADFC Augsburg und Mediziner bestätigt: Wer viel mit dem Rad fährt, ist deutlich gesünder. Arbeitnehmer beispielsweise, die bei jedem Wetter ganzjährig mit dem Rad zur Arbeit fahren, nehmen deutlich weniger Krankheitstage in Anspruch. Jetzt aber wird es kälter, die lauen Sommertage sind um und der graue Herbst hat Einzug gehalten. Da ist es schon nicht mehr so gemütlich, mit dem Rad zu fahren. Richtung Winter sinkt die Motivation der Schönwetterradler weiter. Wird der Winter also den Radl-Boom 2020 stoppen?

Der Fahrradverkauf boomte dieses Jahr

Die Fahrradgeschäfte im Landkreis Augsburg freuen sich über eine erfolgreiche Saison und fürchten den Winter nicht wirklich. "Wir haben viele Ganzjahresfahrer als Kunden", berichtet Rainer Bröll von 'Bike und Radsport Langweid', "Im Winter verkaufen wir trotzdem Räder und viele kommen zur Reparatur." Bei allen Kundengruppen seien die Verkaufszahlen in diesem Jahr gestiegen. Bröll dazu: "Während dem Lockdown hatten die Leute mehr Freizeit und sind so auf den Trend aufgesprungen". Auch das 'E-Bike Center' Neusäß blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. "Das Urlaubsgeld ist dieses Jahr bei vielen stattdessen für den Kauf eines E-Bikes verwendet worden", glaubt David Ernst, Verkäufer beim E-Bike Center über die steigenden Verkaufszahlen. "Der harte Kern unserer Stammkunden fährt schon den Winter durch. Der normale E-Bike Kunde räumt sein Rad aber eher weg.", erzählt er weiter. Die Lieferengpässe, die durch eine langsamere Produktion zu Beginn der Epidemie entstanden, seien momentan die größte Sorge eines Geschäfts, das wohl auch während des Winters erfolgreich weiterlaufen wird.

Um im Winter sicher mit dem Rad unterwegs zu sein, kann man Mäntel mit Metallspikes auf das Rad ziehen. Diese sind aber recht teuer und aufwändig zu montieren, so Arne Schäffler vom ADFC. Stattdessen sollte man auf Winterreifen für Fahrräder zurückgreifen, die besser zum Fahren auf Schnee und Eis geeignet sind als die glatten Sommerreifen. "Wenn man im Winter den Untergrund schlecht abschätzen kann: am Besten Schrittgeschwindigkeit fahren. Dann kann nur wenig passieren", empfiehlt er.

Immer mehr Radler sind im Landkreis Augsburg unterwegs

Als "Ganzjahresradler" bezeichnet sich Paul Reisbacher aus Stadtbergen. Im Monat legt er stolze 400 bis 500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück, allein durch alltäglichen Fahrten, die viele andere wohl mit dem Auto erledigen würden. " Die Bewegung tut mir einfach gut. Und außerdem ist es praktisch, mit dem Rad unterwegs zu sein. In der Stadt kommt man oft schneller voran als mit dem Auto und muss nicht nach einem Parkplatz suchen.", berichtet Reisbacher. Von der Kälte lässt sich der eingefleischte Radler nicht abschrecken. Mit Spikes an den Reifen fahre er immer den Winter durch. Reisbacher ist aufgefallen, dass seit dem Frühjahr deutlich mehr Radler unterwegs sind: "Ich sehe auch immer mehr Lastenräder. Das spricht dafür, dass die Leute entdecken, wie praktisch Radfahren ist."

Auch Arne Schäffler erkennt eine deutliche Tendenz hin zu mehr Radverkehr in Stadt und Land. "Der Anteil der Fahrradfahrer am Straßenverkehr hat während des Lockdowns zugenommen", berichtet er und bezieht sich dabei auf aktuelle Verkehrszählungen. Die steigenden Verkaufszahlen von E-Bikes sprächen auch für eine vermehrte Radnutzung: E-Bike- Fahrer nutzten ihr Rad öfter und um längere Strecken zurückzulegen.

Radfahren im Winter ist besonders gesund

Laut dem Sportexperten der Kaufmännischen Krankenkasse ist Radeln ein Sport für Jeden. Er sei gelenkschonend und gut für die Durchblutung des Gehirns. So könne man sich besser konzentrieren. Zudem baue regelmäßiges Fahrradfahren gut Alltagsstress ab. Vor Allem das Radeln in der Kälte ist gesund, beteuert Arne Schäffler vom ADFC. Es stärkt das Immunsystem und hält fit. Auch für Kinder sei es sehr wichtig, sich im Winter genug an der frischen Luft zu bewegen.

Wird der kommende Winter zu kalt zum Radeln?

Ganz so warm wie der letzte, recht fahrradfreundliche Winter wird er dieses Jahr wahrscheinlich nicht werden. Der Europäische Wetterdienst prognostiziert einen Dezember, bei dem die Durchschnittstemperatur rund 1 Grad Celsius höher sein wird als die Normaltemperatur von 0,2 Grad. Ob das jetzt aber für Wintereinbrüche und Schneefall im Landkreis Augsburg oder eisfreie Straßen spricht, lässt sich noch nicht sagen.

Mit guter Kleidung und angepasstem Fahrstil ist man auch in der kalten Jahreszeit sicher auf dem Rad unterwegs.
Bild: Kay Nietfeld, dpa (Symbolfoto)

Das Landratsamt Augsburg will ab diesem Winter die Fahrradwege im Landkreis schon vor sieben Uhr morgens von Schnee und Eis befreien. Vor Allem in der Nähe von Bahnhöfen und Schulen sollen so Radler auch bei schwieriger Witterung sicher an ihr Ziel kommen.

Egal wie das Wetter wird - "Kleidung und Fahrstil sollte man der kalten Jahreszeit anpassen, nicht aber das Rad im Keller verstauen", meint Arne Schäffler. "Es ist wunderschön, sich im Winter an der frischen Luft mit dem Rad zu bewegen und die Radwege im Landkreis Augsburg zu genießen", schwärmt er.

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