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Landkreis Augsburg

24.01.2019

Brennende Kerze löscht fast die ganze Familie aus

Nicht jede Gemeinde hatte sie: Eine fahrbare Leiter gehörte zur Ausrüstung der Feuerwehr Zusmarshausen, deren Mitglieder sich 1920 zum Gruppenbild aufstellten.
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Nicht jede Gemeinde hatte sie: Eine fahrbare Leiter gehörte zur Ausrüstung der Feuerwehr Zusmarshausen, deren Mitglieder sich 1920 zum Gruppenbild aufstellten.
Bild: Martin Reitmaier

Plus Nach einem Gewitter kommt es im Jahr 1901 in Zaisertshofen zur Katastrophe. Die Angst vor Brandstiftern war damals riesengroß. 

Eine Verkettung unglücklicher Umstände sorgte im August 1901 in Zaisertshofen im Landkreis Unterallgäu für eine Katastrophe: Im Anwesen des Schmiedemeisters Britzelmeier kamen sieben Kinder und ihre schwangere Mutter ums Leben. Auslöser war ein Gewitter.

Die Eltern holten bei Blitz und Donner ihre Kinder im Alter von einem bis acht Jahren zu sich ins Schlafzimmer. Als sich das Wetter verzogen hatte, brachte die Mutter ihren Nachwuchs zurück in die Kammer und ließ eine Kerze brennen – die sorgte dann für die Katastrophe.

Alle Toten waren schrecklich entstellt

Vom Feuerschein alarmierte Nachbarn mussten die Haustüre aufbrechen und konnten nur noch den Schmied lebendig aus den Flammen ziehen. Alle Toten waren laut Zeitungsbericht schrecklich entstellt. An der Beerdigungen beteiligte sich das ganze Dorf. Der Leichenzug „füllte die Ortstraße in ihrer ganzen Breite aus“. Auf dem Gottesacker angekommen, wurden zuerst die sechs Kinder und dann die Mutter „zur letzten Ruhe gebettet“. Wortwörtlich hieß es damals in der Zeitung:

„Pfarrer Weinmann leitete die Trauerrede mit Zitaten aus Schillers Glocke ein, das irdische Beisammensein und Trennen schildernd, tröstete dann den Gatten und den Großvater durch Anführung vieler Stellen aus der Heiligen Schrift, mit dem weiteren Hinweise, dass die Kinder in ihrer Unschuld aus diesem Leben zu unbeschränkten Gottesanschauung gelangt seien, dass die Gattin immer und überall im Rufe eines unschuldigen, braven Kindes, einer sittsamen Jungfrau und einer musterhaften Gattin und Mutter gestanden, also mitten in treuester Pflichterfüllung abgerufen worden sei.“

Eine Kerze spielte auch bei einem anderen Brand eine Rolle. Eine Familie aus Thannhausen setzte 1898 ihr Wohnhaus samt Stall und Stadel in Brand, um am Ende die Versicherung zu betrügen. Der Plan ging allerdings gehörig schief. Die Familie flog auf und musste vor Gericht.

Der Bub musste den Brand legen

Dort gab der 17 Jahre alte Max Mayer zu, das Feuer mit einer Kerze im Stall gelegt zu haben. Sein Vater habe es ihm befohlen und mit Schlägen gedroht. Seine Mutter habe wohl von diesem Auftrag gewusst. Am Tag des Feuers fuhr sie um 4 Uhr nach Augsburg, ihr Mann trat in Memmingen eine Gefängnisstrafe an. Vorher hatte er freilich den Buben noch instruiert, wie er den Brand legen sollte. Gegenüber Arbeitskollegen hatte der ausgeplaudert, dass er Versuche zur Brenndauer von Kerzen unternommen hatte. Einen weiteren Beweis lieferte die Mutter: Sie hatte verschiedene Wertsachen Wochen vor dem Brand zur Schwiegertochter gebracht.

Vor Gericht stritten die Eltern alles ab. Ihrem Sohn warfen sie vor, dass er lügt. Dessen Geständnis wurde auch medizinisch untersucht: Er kam zur Beobachtung in die „Irrenanstalt“, wo sich herausstellte, dass er zwar infolge „einer gewissen erblichen Belastung leicht erregbar, aber nicht unzurechnungsfähig“ sei. Medizinrat Dr. Ulrich aus Kaufbeuren und Dr. Zwiebel aus Thannhausen hatten ihn untersucht. Am Ende musste Max Mayer ein Jahr ins Zuchthaus, sein Vater zwei Jahre. Anna Mayer wurde freigesprochen.

Feuerteufel setzt in Fischach Gasthof zur Post in Brand

Ein anderer Feuerteufel trieb im Dezember 1904 in Fischach sein Unwesen. Er legte im großen Ökonomiegebäude des Gasthof zur Post einen Brand. Dort lagerte die Ernte, die am Vortag eingebracht worden war. In der selben Nacht stand auch das Haus des Feuerwehrhauptmanns in Flammen. Verdächtigt wurde ein „reisender Handwerksbursche“, der laut Zeitung während des Brands durch „sein freches Benehmen“ aufgefallen war.

Keine Spur gab es dagegen vom Brandstifter von Limbach: Er hatte 1892 innerhalb von wenigen Wochen sechs Versuche unternommen, um den Stadel des Landwirts Konrad anzuzünden. Auch ein siebtes Feuer wurde noch rechtzeitig entdeckt. Am selben Tag schlug der Feuerteufel dann aber erneut zu – der achte Versuch war erfolgreich. Der gesamte Stadel mit Futtervorräten, Fuhrwerken und einer Schweinsmutter samt den Jungen verbrannte.

Brandstifter leisten in Zusmarshausen ganze Arbeit

Auch in Zusmarshausen hatte ein Brandstifter ganze Arbeit geleistet: Im November 1908 brannte die Jochum‘sche Dampfsäge Zusmarshausen ab. In wenigen Minuten stand das ganze Werk in Flammen, sämtliche Maschinen wurden beschädigt. Sechs Wochen zuvor hatte es dort bereits gebrannt, Dampfwerk-Besitzer Jochum und dessen Sohn konnten die Flammen gerade noch erstickt. Beide hatten sich schwere Brandwunden zugezogen. Zehn Jahren zuvor war die Dampfsäge schon einmal abgebrannt.

Kein Vorsatz, sondern ein Missgeschick sorgte übrigens in Münsterhausen gehörig für Ärger: Ein Totenwächter hatte im März 1892 im Zimmer des aufgebahrten Schulgehilfen Platz genommen. Der 24-Jährige war an „Kopftyphus“ gestorben. Der Totenwächter schlief ein und wurde erst wieder wach, als sich im Raum penetranter Qualm breit gemacht hatte. Eine Kerze war umgefallen und hatte das Lager des Toten in Brand gesetzt. In der Zeitung war zu lesen: „Ein Teil des Leichnams war bereits geschwärzt, als es gelungen war, den Brand zu löschen.“

  • Mordsgeschichten: Die Realität ist grausam: Das beweist die Auswahl von mehr al s 200 Kriminal-, Unglücks- und Unfällen aus dem Augsburger Land, Mittelschwaben und dem angrenzenden Unterallgäu. Die kleinen und großen Sünden unserer Vorfahren in den letzten Jahren von Kini und Co. hat Redakteur Maximilian Czysz nacherzählt. Das Buch ist online unter www.augsburger-allgemeine.de/shop sowie bei den Medienpartnern der Augsburger Allgemeinen erhältlich.

  • Bisher erschienen in unseren Mordgeschichten:

Brutaler Raub mit der Eisenstange

Ganz Dinkelscherben geht im 19. Jahrhundert auf Verbrecherjagd

Der schwäbische Räuber Kneißl

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