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Gersthofen

05.03.2018

Bringt die Tram mehr Kunden oder eine Katastrophe?

Stefan Wagner (rechts), der Geschäftsführer der Eisdiele Veneto, und sein Mitarbeiter Diego Acampora erhoffen sich durch eine Tramlinie mehr Leben in Gersthofen. 
Bild: Katharina Forstmair

Was Geschäftsinhaber an der geplanten Strecke von einer Straßenbahn halten

Die Meinungen in Gersthofen sind gespalten. Während die einen durch den Bau einer Straßenbahnlinie eine schwere Beeinträchtigung für den Verkehr befürchten, sehen andere in dem Projekt eine Chance, die Ortsmitte endlich zu neuem Leben zu erwecken. Vor allem bei den Ladenbesitzern, deren Geschäfte sich direkt an der Augsburger und Donauwörther Straße befinden, die in einer neuen Machbarkeitsstudie als mögliche Route gewählt wurden, stehen sich verschiedene Ansichten gegenüber. Wir haben einige Inhaber und Mitarbeiter gefragt, wie sich der im Moment diskutierte Ausbau der Straßenbahnlinie 4 auf ihr Geschäft auswirken könnte.

Gerda Drüssler, Chefin des Schreibwarenladens Nettel, befürchtet eine Katastrophe. Vor einem Jahr habe es schon einmal vier Monate lang eine Baustelle direkt vor der Tür gegeben. Der Grund dafür waren Kanalbauarbeiten. Während dieses Zeitraums war die Straße nur einspurig befahrbar und schon damals habe man die Auswirkungen auf den Umsatz bemerkt. „Wenn da jetzt wieder so lang eine Baustelle kommt, könnte das sehr sehr geschäftsschädigend sein“, sagt Gerda Drüssler. Die Parkplätze vor dem Laden, die durch den Bau einer Haltestelle verschwinden könnten, seien außerdem laufend belegt. Die Kunden aus den umliegenden Orten seien darauf gepolt, dort parken zu können. Die Besitzerin des Schreibwarengeschäfts ist sich sicher: „Wenn die Leute ein Stück weiter laufen müssten, würden sie nicht mehr kommen.“

Auch Erwin Kleinhenz, Inhaber des Cafés am Rathaus, stimmt dieser Meinung zu. „Gersthofen ist, was das Parken angeht, sowieso schon desaströs“, meint er. Nicht nur für die Laufkundschaft der Konditorei, die oft nur kurz mit dem Auto vor dem Laden stehen bleibt, wäre der Bau einer Straßenbahntrasse ein Problem.

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Auch Zulieferanten, die mit großen Lieferwägen an der Straßenseite parken müssen, hätten dann keinen Platz mehr, so der Chef des Cafés. „Außerdem stört es bestimmt, wenn man hier am Samstag oder Sonntag gemütlich einen Kaffee trinken will und ständig die Straßenbahn hin und her fährt“, ergänzt er. Volkan Esin, der in der Konditorei eine Torte abholt, kann dem zustimmen: „Ich parke immer gleich neben der Straße. Die Tramschienen würden den Verkehr erheblich beeinträchtigen.“

In der Metzgerei Weisenhorn auf der gegenüberliegenden Straßenseite hält man das diskutierte Zukunftsprojekt für eine Unverschämtheit. Margit Pfeffer, eine Angestellte, bezeichnet die Idee als Blödsinn. „Es gibt so viele Busse, da braucht man doch keine Straßenbahn mehr“, sagt sie entsetzt. Sie habe die Debatte um den Ausbau der Linie 4 schon von Anfang an mitverfolgt. Nicht nur im Bezug auf das Parken, sondern auch auf den Verkehr allgemein hält die Mitarbeiterin der Metzgerei die Planung für „unmöglich“ umsetzbar.

Nur ein paar Meter weiter, auf der anderen Seite der Kreuzung, ist man dagegen überzeugt von der Vorstellung einer Tramhaltestelle direkt vor der Ladentür. Für Ayhan Dinc, Chef des Egem Imbiss an der Donauwörther Straße, bedeutet mehr öffentlicher Nahverkehr auch mehr Kundschaft und mehr Umsatz. Er klingt hoffnungsvoll: „Es wäre doch schön, wenn hier mal mehr los wäre.“ Dass die Stammkundschaft durch weniger Parkmöglichkeiten verloren geht, befürchtet in dem Imbiss-Laden niemand. Die komme sowieso immer her.

Stefan Wagner würde eine Straßenbahn nicht stören, auch wenn vor seiner Eisdiele Veneto im Sommer draußen Tische stehen. Lärm oder andere Beeinträchtigungen befürchtet er nicht. Er ist der Ansicht, dass eine bessere Verkehrsanbindung mehr Leute aus den umliegenden Dörfern nach Gersthofen und in seinen Laden locken würde. „Das würde mehr Leben hierher bringen“, sagt der Geschäftsführer der Eisdiele.

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