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Gersthofen

29.01.2019

Brutale Szenen im Straßenverkehr: Brummifahrer rastet aus

Wüteriche am Lenkrad sorgen immer wieder für höchste Gefahr auf den Straßen. Jetzt trafen sich zwei Streithähne vor Gericht wieder (Symbolbild)
Bild: Foto: Jens Büttner/dpa

Nach einem lebensgefährlichen Manöver auf der B2 begegnen sich zwei Kontrahenten an der Kreuzung wieder. Es folgen mitten in Gersthofen denkwürdige Momente 

Die Straße als ein Ort, an dem Aggressionen ausgelebt werden: Das ist ein Phänomen, das nicht nur tagtäglich die Polizei beschäftigt, sondern auch die Gerichte. Jetzt wurde ein Kraftfahrer zu einer Geldstrafe von 3200 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt, weil er in Gersthofen einen Autofahrer mit einem Fußtritt verletzt hatte. Vorausgegangen waren Provokationen auf der B2, die zu einem folgenschweren Unfall hätten führen können.

„Der ist gefahren wir ein Terrorist“

Ein BMW-Fahrer hatte nach Überzeugung des Gerichts einen Milchlaster mehrfach zwischen Meitingen und Gersthofen ausgebremst und ihn am Überholen gehindert. Mit der hin und her schwappenden Flüssigkeit im Tank hätte der Laster ins Schlingern geraten und dann umkippen können. Das bestätigte vor Gericht ein anderer Lastwagenfahrer. Er war hinter dem Milchtransporter gefahren und hatte die gefährliche Situation miterlebt – er beobachtete auch, dass beinahe ein kleines Auto mit einer Familie vom Milchlaster gegen die Leitplanke gedrückt worden wäre. Über den BMW sagte er: „Der ist gefahren wie ein Terrorist. Das war kein Spaß.“

Der Fahrer des Milchlasters wählte von unterwegs den Notruf, um die Polizei zu verständigen. Er erinnerte sich: „Ich dachte, der Autofahrer steht unter Drogen oder hat Alkohol getrunken.“ Die Polizei riet dem 39-Jährigen Fahrer, direkt zur Inspektion nach Gersthofen zu kommen. Das machte er auch – er nahm die B2-Abfahrt am Kuka-Turm. Dort stand an der Kreuzung der BMW.

Rauferei neben dem Auto

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft stieg der 39-jährige, groß gewachsene Fahrer aus seinem Lastwagen, ging dann zum BMW und trat gegen den Radkasten. Anschließend riss er die Fahrertüre auf und trat einmal mit dem Fuß gegen den Fahrer. Anschließend soll es neben dem Wagen zu einem Gerangel der beiden Männer gekommen sein. Der Angeklagte hatte die Situation anders im Gedächtnis behalten.

Auf der B2-Abfahrt sei er ausgestiegen und zum BMW gelaufen, um anschließend an die Scheibe zu klopfen. Dann habe er geschrien: „Du hättest uns umbringen können.“ Die Antwort des BMW-Fahrers: „Hurensohn“ soll er gesagt haben. Er sei ausgestiegen und dann auf den Berufskraftfahrer zugegangen. Um ihn auf Abstand zu halten, habe er ihn weggeschupst. Bei der Rangelei am Boden sei der BMW-Fahrer auf ihm gesessen und habe auf ihn mit Fäusten eingeschlagen. Außerdem sei der Hund des Manns aus dem Auto gekommen – der Milchlaster-Fahrer fühlte sich bedroht.

Zeugin war schockiert

Andere Beobachtungen machte eine Frau, die auf der Kreuzung in ihrem Wagen auf Grünlicht wartete. Für sie war der Fahrer des Milchlasters derjenige, der in die Offensive gegangen war. Sie sei sich ganz sicher, dass er den BMW-Fahrer gepackt und dann herausgezogen hatte. Sie sei regelrecht geschockt gewesen von der Brutalität, die sie an diesem Freitagnachmittag im Berufsverkehr an der Brücke über die B2 erlebt hatte.

Den Fußtritt, den der Angeklagte vor Gericht einräumte, hielt Rechtsanwalt Valentin Svalina für gerechtfertigt. Schließlich sei der „Hurensohn“-Ausdruck ein Angriff auf die Ehre seines Mandanten gewesen. Dazu komme der Vorfall auf der B2. Svalina wiederholte eine Zeugenaussage, nach der der BMW-Fahrer dem Kraftfahrer sinngemäß beibringen wollte, wie man richtig fährt. Er beantragte einen Freispruch. Doch den gab es nicht.

Richterin: Das war Selbstjustiz

Für Richterin Ulrike Ebel-Scheufele sei der Fußtritt nicht zu rechtfertigen. Sie sagte: „So etwas geht gar nicht.“ Egal, wie sich die Rangelei abgespielt hatte: Der Fahrer des Milchlasters habe Aggressionspotenzial gezeigt und wollte Selbstjustiz üben. Sie hatte keine Zweifel, dass es zu Provokationen gekommen war.

So verhalten Sie sich richtig

Damit die nicht so enden wie in Gersthofen, rät die Polizei: „Besonnen bleiben und nicht zu Gegenaktionen hinreißen lassen“, sagt Josef Sitterer von der Autobahnpolizei. Besser sei es, sich das Kennzeichen zu notieren und dann einen Vorfall anzuzeigen. Damit es nicht zum Phänomen „Stress am Steuer“ kommt, hat der ADAC Tipps:

l Fahrten in persönlichen Formtiefs oder unmittelbar nach stark belastenden Situationen vermeiden. Vor der Heimfahrt nach einem stressigen Arbeitstag eine kleine Pause einlegen oder eine kleine Runde an der frischen Luft drehen.

l Ärger aus dem Büro nicht mit auf den Heimweg nehmen, sondern vor der Fahrt Gedanken in eine andere Richtung lenken.

lVorausschauend und rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern fahren. Immer mit unvorhersehbaren Situationen und den Fehlern anderer rechnen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.01.2019

Aha, also Anzeige erstatten. Da sitzt du eine geschlagene Stunde auf der Wache und was macht die Polizei dann? Du bekommst ein paar Ratschläge und das wars. Unnötige Zeitvergeudung. Also besser den Ärger runter schlucken und über solche Idioten nicht weiter nachdenken.

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