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Welttag des Buches

23.04.2015

Bücher gehen von Hand zu Hand

Manfred Werner, Gisela Ihrcke und Angelika Fritz vom Team der Diedorfer Bücherdrehscheibe sichten sorgsam die Bücher, die in Kisten verpackt vorbeigebracht wurden. Die gut erhaltenen Werke werden thematisch in die Regale einsortiert
Bild: Marcus Merk

Seit fünf Jahren gibt es ein Angebot für Leser auf dem Wertstoffhof Diedorf.

Alles begann mit einem normalen Gang auf den Wertstoffhof. Werner Hupka beobachtete, wie ein Mann Bücher in den Papiercontainer warf. „Das zu sehen, tat mir weh“, erinnert sich der Sprachwissenschaftler an die Situation vor fünf Jahren. Spontan fragte er bei der Gemeinde Diedorf, ob der Bauhof auf dem Wertstoffhof ein Regal für aussortierte Bücher aufstellen könnte. Die Idee der Bücherdrehscheibe war geboren. Dort können Bücher abgegeben und mitgenommen werden.

Aus einem Regal sind viele geworden. 3000 Bücher stehen in der überdachten Schrankwand. Im ersten Jahr managte Werner Hupka das Projekt alleine. Heute ist das Team auf acht Leute angewachsen. „Bücher wirft niemand gerne weg“, weiß Hupka. In der Tat: Viele Diedorfer sind froh über die Möglichkeit, zu Hause Platz zu schaffen und das Gefühl zu haben, dass sich noch ein anderer über die Bücher freut. In Kisten oder Tüten verpackt stellen die Leute dem Team die Bücher auf den Tisch.

Die Mitarbeiter der Drehscheibe haben feste Kriterien bei der Auswahl, welche Schmöker ins Regal wandern und welche gegenüber im Papiercontainer landen. Viel Wert legen die Ehrenamtlichen auf Sauberkeit, vor allem bei Kinderbüchern. Durchs Raster fallen auch Bücher aus der Nazizeit, von Sekten oder Pornografie. Ansonsten ist das Spektrum groß. Historische Romane, Krimis, Reisebildbände und vieles mehr ist zu haben. „Eine Schublade füllen allein die Bücher von Konsalik“, sagt Hupka. Das Schöne sei, dass man einfach mal ein Buch ausprobieren kann. Auch Hupka nutzt diese Gelegenheit. Er hat nach einer Empfehlung einer Kundin „Inferno“ von Dan Brown gelesen. Genauso gerne erinnert er sich an die „beste Übersetzung von Aristoteles“.

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Doch es geht um mehr als um den Austausch von Büchern. Die Drehscheibe ist längst zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Heinrich Müller aus Stadtbergen radelt regelmäßig dorthin. Er ist einer der treuesten Kunden seit Beginn des Projekts. Müller freut sich, mit anderen zu plaudern, und sucht nach Büchern für die Kinder aus seiner Nachbarschaft. „Super“ findet auch Gabriele Tinnesz die Idee und die große Auswahl. Die Diedorferin stöbert zweimal im Monat in den Regalen. „Ich bin gerade auf dem Romantrip“, sagt sie schmunzelnd. Hier werde sie immer fündig. In ihrem Korb liegen diesmal ein Witzebuch für die Kinder und ein Kochbuch. Eine andere Kundin sucht am liebsten Mitbringsel für Freundinnen aus. Sie freut sich über ein Nachschlagewerk zur Akupressur für eine Krankenpflegerin. Die Diedorferin ist begeistert von dem Angebot: „Bücher sind doch viel zu schade fürs Altpapier.“

Das Team der Drehscheibe kennt viele der Kunden persönlich und merkt sich manche Vorlieben. Als der Vorsitzende des Soldatenvereins, Willi Schmid, vorbeischaut, drückt ihm Hupka zwei Bücher zu den Themen Krieg und Frieden in die Hand. Schmid ist gerade dabei, eine kleine Bibliothek im Vereinsheim anzulegen. Sehr beliebt sind bei den Besuchern der Drehscheibe Bücher über Religion. Auch Biografien und Krimis kommen an. Wie sauer Bier bleiben Lexika stehen. Das Internet hat sie überflüssig gemacht. Auch Bücher über Computer sind wenig gefragt. Sie veralten zu schnell.

Die Drehscheibe hat das ganze Jahr geöffnet. Im Winter wird es manchmal zapfig für die Mitarbeiter. „Da bringt uns schon mal jemand einen Punsch vorbei“, erzählt Mitarbeiter Manfred Werner. Solche netten Gesten freuen das Team. Ihre Arbeit geht weit über den Erhalt und die Wiederverwendung von Büchern hinaus. Geselligkeit wird großgeschrieben bei der Drehscheibe. Das Angebot ist offen für alle, nicht nur für Diedorfer. „Der Austausch ist wichtig, hier wird viel miteinander gesprochen,“ freut sich Manfred Werner.

Team Prof. Werner Hupka, Gerhard Leister, Axel Raschke, Manfred Werner, Eduardo Wörner, Hannelore Gamperl, Gisela Ihrke, Angelika Fitz. Öffnungszeiten Dienstag 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr.

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