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Meitingen

27.02.2015

Bürger ärgern sich über das Vorgehen der Behörden

In Ostendorf, einem Ortsteil von Meitingen, sind 16 Flüchtlinge in ein Wohnhaus gezogen. Bei einer Infoveranstaltung standen Vertreter des Landratsamtes den Bürgern Rede und Antwort.
Bild: Bild: dpa

Anwohner aus Ostendorf kristisieren, dass sie erst sehr spät von der Unterbringung der Flüchtlinge in ihrem Ort erfahren haben. Was sagt das Landratsamt dazu? 

 Das Interesse war riesig. Gut hundert Bürger des 800 Einwohner zählenden Ortes kamen am Donnerstagabend ins Schützenheim, um sich über die Unterbringung von Asylbewerbern in ihrer Nachbarschaft zu informieren. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass zwei Doppelhaushälften in dem Meitinger Ortsteil vom Landratsamt angemietet wurden und dort bis zu 50 Asylbewerber untergebracht werden sollen.

Die Ankündigung, dass die ersten Neuankömmlinge in Ostendorf im März zu erwarten sind, hat sich allerdings schon wieder überholt. Bereits am Tag der Informationsveranstaltung sind die ersten Menschen in das Gebäude eingezogen, denn die Unterbringungsmöglichkeiten im Landkreis Augsburg sind rar und der Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, warb Maximilian Rauscher vom Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landratsamtes bei den Ostendorfern um Verständnis für die Eile. Sechzehn Menschen hätten in dieser Nacht kein Bett gehabt, wenn nicht das Haus in Ostendorf zur Verfügung gestanden hätte, beschrieb Bereichsleiterin Marion Koppe die prekäre Lage. „Die einzige andere Alternative wäre eine Turnhalle gewesen, und was das für traumatisierte Menschen, die schon so einiges hinter sich haben bedeutet, können Sie sich vorstellen“, sagte Koppe.

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„Wir müssen darüber reden und wir wollen Rede und Antwort stehen“, sicherte Bürgermeister Michael Higl den Ostendorfern zu. Es werde alles getan, um ein gutes Zusammenleben zu gewährleisten, so der Rathauschef, der die Infoveranstaltung organisiert hatte. Probleme habe es glücklicherweise weder in der schon seit längerem bewohnten Unterkunft in Erlingen, noch im vor Weihnachten bezogenen Haus in Meitingen gegeben. Sehr dankbar sei er für das Engagement vieler Bürger, die den Asylsuchenden ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ohne deren Engagement wäre die Lage wohl um ein Vielfaches schwieriger, so Higl. „Lassen sie uns die Situation nicht negativ reden“, so sein eindringlicher Appell.

Familien aus Armenien, dem Irak, aus Aserbaidschan und Albanien werden die Häuser in Ostendorf beziehen. Trotz unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Religionen habe man in keiner der Unterkünfte im Landkreis bisher nennenswerte Probleme registriert, beantwortete Marion Koppe die Frage eines Besuchers.

Auch die räumlichen Einschränkungen würden von den Flüchtlingen gut gemeistert, entgegnete sie dem Einwand, das bei 50 Personen in zwei Doppelhaushälften doch nicht mehr von menschenwürdigen Verhältnissen gesprochen werden könne.

Innovative Lösungen seien gefragt, so der Leiter des Meitinger Ordnungsamtes Achim Zwick: „Wir sehen auseinander gerissene Familien, von der Flucht traumatisierte Menschen; Kinder in Gummistiefeln, aber ohne Socken mitten im Winter“, beschrieb er sein aktuell tägliches Brot.

„Den Menschen muss geholfen werden, keine Frage“, unterstrich ein Besucher die grundsätzliche Bereitschaft zur Unterstützung. Allerdings fühle man sich überfahren von den Behörden, die erst in letzter Minute informieren und die Nachbarn vor vollendete Tatsachen stellen würden. Ein Konzept nicht nur der Unterbringung, sondern auch der nachfolgenden Betreuung der Flüchtlinge forderte der Freie-Wähler-Gemeinderat Fabian Mehring ein. Die Bürger würden vom Landratsamt in Augsburg „im Vorbeigehen informiert“ und dann werde erwartet, dass Ehrenamtliche in den Gemeinden den Ball aufnehmen und die nötige Unterstützung leisten würden.

Für die Leistungen der Helfer vor Ort sei man auch sehr dankbar, doch an den Umständen sei letztlich nichts zu ändern, bedauerte Koppe. „Wir im Landratsamt stehen am Ende der Nahrungskette“, verteidigte sie die Arbeitsweise ihrer Behörde.

Man habe keine Zeit und auch keine Mittel langfristige Konzepte zu erarbeiten, sondern reagiere nur noch so gut wie möglich auf Vorgaben „von oben“. Man versuche jedoch trotz aller Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Asylsuchenden keine Gemeinde über Gebühr zu belasten und habe deshalb sogar drei weitere Mietangebote aus Meitingen abgelehnt, erklärte Koppe schließlich.

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