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Gablingen/Gersthofen

02.09.2016

Carbon und Alu hat  Sperrholz und Leim abgelöst

Der begeisterte Modellflieger Christian Stampfer zeigt einen Sportjet.
Bild: Marcus Merk

Christian Stampfer ist begeisterter Modellflieger. Er erklärt, warum dabei vor allem technisches Wissen wichtig ist. Am Samstag gibt‘s einen großen Flugtag.

Von Rebecca Stegmann

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 Christian Stampfer schiebt die Regler, drückt die Knöpfe an der Fernsteuerung und der beleuchtete Hubschrauber tanzt durch die Nacht. Er fliegt Pirouetten und dreht sich grazil in großen Kreisen. Es sieht kinderleicht aus, aber der Pilot hat über ein Jahrzehnt Übung. Er blickt konzentriert auf den Computerbildschirm. Was Stampfer hier am Simulator übt, zeigt er am kommenden Samstag bei dem Modellflugtag in Gablingen.

Schon als Kind Flugzeuge gebaut

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„Man muss sich das ein bisschen vorstellen wie Eiskunstlauf“, sagt der 30-Jährige. Er ist Jugendgruppenleiter des Flugmodell Clubs Gersthofen-Gablingen und hat schon als Kind auf dem Schoss des Vaters angefangen, Modellflugzeuge zu bauen. „Die Zeiten, dass ich mich mit Sperrholz und Leim hinsetze, sind aber lange vorbei.“ Seine Helikopter bestehen aus Carbon und Aluminium und sind voller moderner Technik. Stampfer erklärt, dass man einen Bausatz kauft und zusätzlich einzelne technische Komponenten. Die werden dann am Computer eingestellt. Es gibt Flugmodelle mit Turbinenantrieb, Verbrennungsmotor und Elektromotor.

Stampfer lagert einige Helikopter und Flugzeuge in der Wohnung, in der er mit seiner Frau Melanie wohnt, die größeren sind bei den Eltern untergebracht. „Bei den Hubschraubern, die ich da in den Regalen habe, ist man 40 bis 50 Stunden mit Basteln beschäftigt“, erzählt er. Insgesamt besitzt er sechs Flugzeuge und fünf Helikopter. Sein größtes Modellflugzeug ist ein Turbinen Segler mit 3,70 Meter Spannweite.

Dass Stampfer als Softwareentwickler arbeitet, kommt ihm bei seinem Hobby zugute. Er macht die Carbonabdeckung von einem Hubschrauber ab und die Technik wird sichtbar. Unten ist das Fach für den Akku, überall laufen dünne Kabel lang. Oben ist der etwa vier mal fünf Zentimeter große Elektromotor. Der hat zehn PS. „Die ganze Technologie, die man von den Elektroautos kennt, gibt es im Modellflug schon deutlich länger.“ Ein Helikopter dieser Größe koste etwa 2000 Euro.

Nicht nur was für Ingenieure

Trotz der vielen technischen Arbeit seien aber nicht nur Ingenieure Mitglied im Flugmodell Club. „Wir haben Maurer, Gärtner, Tierpfleger …, das geht querbeet.“ Oft würden die Eltern ihre Kinder für das Modellfliegen begeistern. In der Pubertät seien dann aber andere Sachen wichtiger. „Die meisten fangen erst mit 20 oder 30 wieder an, wenn sie die Technik mehr interessiert.“ So war es auch bei Stampfer.

Im Sommer geht er abends oft zum Flugplatz in Gablingen und grillt neben dem Fliegen mit anderen Vereinsmitgliedern. Wie oft, da sind er und seine Frau sich nicht ganz einig. „Du bist schon jeden zweiten Tag da“, sagt Melanie Stampfer.

Für Außenstehende sei die Faszination vom Modellfliegen schwer nachzuvollziehen, meint der Softwareentwickler. Zudem gebe es sehr viele verschiedene Sparten des Modelflugs. Manchen gefalle das entspannte Fliegen nach einem stressigen Arbeitstag, andere üben akribisch, um das perfekte Kunststück hinzukriegen. „Für mich ist es rausgehen und Gas geben. Mit der gemütlichen Fliegerei kann ich nicht viel anfangen.“ Mit seinen Helikoptern fliegt er 250 Kilometer pro Stunde. Das hält der Akku aber nur drei Minuten lang aus.

Der Softwareentwickler hat nicht nur Hubschrauber und Flugzeuge zusammengesetzt, er lässt auch eine Hexe auf ihrem Besen durch die Lüfte fliegen. „Das war eine Eigenkonstruktion aus Styropor. Der Hexenhut dient als Auftrieb und vorne ist ein kleiner Elektromotor.“ Die bucklige Hexe würde die Zuschauer bei Modellflugtagen oft mehr begeistern als ein 500 Kilometer pro Stunde schnelles Flugzeug.

Modellflugtag Am Samstag, 3. September, können beim Flugmodell Club Gablingen-Gersthofen von 9 bis 23 Uhr Segler, Jets, Helikopter und Antikflieger in Action bestaunt werden. Auch Nacht- und Kunstflug werden vorgeführt. Der Eintritt ist kostenlos und für Verpflegung ist gesorgt.

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