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Prozess

16.04.2019

Chef wirft Mitarbeiter Erpressung vor

Mann soll Arbeitgeber um 2000 Euro erpresst haben. Am Amtsgericht Aichach ist bald klar: Alles war ganz anders

Die Vorwürfe klangen ungeheuerlich: Ein heute 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Augsburg soll seinen Arbeitgeber, den Chef einer Firma im Kreis Aichach-Friedberg, um 2000 Euro erpresst und ihm mit einer Anzeige wegen der Beschäftigung von Schwarzarbeitern gedroht haben. Der Chef soll 500 Euro bezahlt haben, aber auf angebliche weitere Forderungen des Mitarbeiters nicht eingegangen sein. Am Montag kam es zum Prozess am Amtsgericht Aichach, nachdem der Angeklagte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hatte.

Bald stellte sich nach Überzeugung des Gerichts heraus: Die Geschichte war frei erfunden. Der Angeklagte konnte mit seinem Arbeitsvertrag belegen, dass er zu der Zeit, als er erpresserische Forderungen gestellt haben soll, noch gar nicht bei der Firma angestellt war. Stattdessen war er nach einer größeren Operation krankgeschrieben. Anders als vom Chef der Firma behauptet war er auch nicht schwarz angestellt. Mit Kontoauszügen wies er nach, dass ihm sein Lohn regelmäßig überwiesen worden war – zumindest, soweit die Firma zahlte. Denn einen Teil seines Lohns blieb sie dem Angeklagten laut dessen Aussage schuldig. Vor Gericht sagte er aus, sein Arbeitgeber habe ihm per Sprachnachricht auf seine Mailbox prompt gekündigt, kurz nachdem er einmal mehr nach seinem ausstehenden Lohn gefragt hatte.

Aus Ärger ging der Angeklagte zum Zoll – in der Hoffnung, so sein Geld zu bekommen. „Dann kam raus, dass mehr nicht stimmte“, so der Mann über die Firma. Ein Termin beim Arbeitsgericht endete zwar mit einem Versäumnisurteil, das Geld bekam er dennoch nicht. Er habe die 2000 Euro danach abgehakt, so der Angeklagte. Dass sein Chef unter offener Bewährung stand, habe er nicht gewusst. Daher habe er ihn damit auch nicht erpressen können. Die Vorwürfe seien „zu 100 Prozent an den Haaren herbeigezogen“. Sein Ex-Chef war als Zeuge geladen, kam aber nicht. Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft und den Verteidiger war der Fall dennoch klar: Beide forderten Freispruch. Richterin Eva-Maria Kraus kam zum selben Schluss: Die Unterlagen zeigten klar, dass die Vorwürfe nicht stimmen könnten. Sie sagte mit Bezug auf den ausstehenden Lohn des Mannes: „Es ist ein dicker Hund, wenn jemand, der sich das nicht gefallen lässt, selber auf der Anklagebank landet.“ (nsi)

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