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Abenteuer Mama

22.01.2019

Chinesisch für Babys?

Noah hatte bereits Privatstunden in Chinesisch und zeigt seinen Mitschülern nun wie die Schriftzeichen geschrieben werden. Ni hao, guten Tag schreibt er hier an die Tafel und Chinesisch-Lehrerin Yelai Chen ist sehr zufrieden.
Bild: Jutta Kaiser-Wiatrek (Symbolfoto)

Lernen ist okay. Aber sollten wir unsere kleinen Kinder nicht einfach glücklich machen wollen?

Man hat ja immer Angst, etwas zu versäumen. Seit ich Mutter bin, ist das noch schlimmer. Ich trage ja jetzt Verantwortung für ein weiteres Menschenleben! Das will pädagogisch höchst wertvoll ins Leben geführt werden!

Zum Glück gibt es Hilfestellung, zum Beispiel in Form von allerlei Kursen. Babyschwimmen etwa, was aber nichts damit zu tun hat, dass da wirklich schwimmen gelehrt wird. Oder Krabbelgruppen – gekrabbelt wird da auch nicht unbedingt, sondern gespielt oder herumgehüpft. Was die Kleinen halt so können. Und dann noch so Dinge wie Pekip oder Fenkid, wo kein normaler Mensch außerhalb der Zielgruppe Eltern so recht weiß, was sich dahinter schon wieder verbirgt. Aber: Alles ganz wichtig! Zumindest wird das jungen Eltern immer suggeriert.

Und ich springe voll auf diese Masche an. Man möge sich das Horrorszenario nur ausmalen: Ich verpasse eine der höchstwichtigen Frühförderungsmöglichkeiten und mein Kind leidet irgendwann darunter. Ist es nicht so, dass es gerade auf den Anfang ankommt? Also schleppe ich meinen Kleinen fröhlich von einem Kurs zum nächsten. Er hat seinen Spaß. Also ist alles gut.

Bald geht’s los mit musikalischer Früherziehung, bei der die Synapsen im Hirn nur so verknüpft werden, wie sonst nie mehr wieder im Leben! Und Sport natürlich! Der natürliche Bewegungsdrang des Kindes muss unbedingt gefördert werden. Selbstverständlich darf die Kreativität der Kleinen nicht auf der Strecke bleiben – ein breites Angebot gibt es auch hier. Und schlussendlich lernt man nie mehr wieder so schnell und einfach Fremdsprachen wie im Kleinkindalter. Englisch im Kindergarten gehört ja schon zum guten Ton. Neulich sah ich – kein Witz! – ein Angebot für Chinesisch für Kinder.

Sind denn alle wahnsinnig? Warum tun Eltern das ihren Kindern und auch sich selbst an? Es ist Angst. Angst, etwas zu verpassen. Dass man als Eltern nicht die richtigen Weichen für sein Kind stellt und das dann abgehängt wird. Dass das Kind die Schule nicht schafft, das Studium schmeißt oder die Ausbildung abbricht und nicht auf eigenen Beinen stehen kann. Darum geht es – um gute Arbeitsplätze und um Geld. Ist das nicht traurig? Wir sollten lieber unsere Kinder zu einem glücklichen Leben erziehen. Eines, in dem Zufriedenheit an der ersten Stelle steht. Die Frage „Wer bin ich?“ und nicht „Was habe ich?“ sollte im Vordergrund stehen. Alles andere kommt dann schon von selbst.

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