1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Chorsänger aus dem Holzwinkel singen in der Carnegie Hall in New York

Emersacker

18.06.2019

Chorsänger aus dem Holzwinkel singen in der Carnegie Hall in New York

Jelena Büchele, das Ehepaar Sebastian und Marlies Bernhard und Anni Flittner freuen sich schon. In wenigen Tagen werden sie in New York in der berühmten Carnegie Hall die Tangomesse von Palmeri mitsingen und den Komponisten persönlich kennenlernen. 

Das Ehepaar Marlies und Sebastian Bernhard, Jelena Büchele und Anni Flittner dürfen bei einer Tangomesse in dem berühmten Konzertsaal mitsingen. Wie es dazu kam.

Marlies Bernhard schaut etwas skeptisch drein und scheint sich zu fragen, worauf sie sich da wohl eingelassen hat. Einmal in der weltberühmten Carnegie-Hall in New York zu singen – davon habe sie nie zu träumen gewagt. Wäre nicht ihr Ehemann Sebastian gewesen, hätte sie diese einmalige Chance wohl nicht ergriffen: „Er hat mich mit seiner Euphorie am Ende überzeugt“, erzählt die 67-Jährige. Nun gibt es kein Zurück mehr. Die Koffer stehen schon bereit, die Noten sind akkurat verpackt und stecken in einer schwarzen Mappe. Heute hebt der Flieger nach New York ab.

Über 200 Sänger und Sängerinnen aus aller Welt

Ins Rollen brachte die Sache eigentlich Sieglinde Kazemiyeh, die Chorleiterin des Kirchenchors Emersacker-Heretsried-Lauterbrunn. Kurz vor Weihnachten wurde sie vom benachbarten St.-Thomas-Chor in Kriegshaber gefragt, ob jemand Lust habe, bei einem außergewöhnlichen Projekt mitzumachen. Über 300 Sänger und Sängerinnen aus aller Welt wurden gesucht, die schon einmal die berühmte „Misatango“ des argentinischen Komponisten Martín Palmeri aufgeführt und Erfahrungen mit dem Stück gesammelt haben. Eine Voraussetzung, die der Kirchenchor im Holzwinkel mitbrachte. Insgesamt viermal hat er in Pfaffenhofen, Oberschönenfeld, Heretsried und Emersacker die Besucher begeistert. Vier Jahre ist das her. „Ich dachte nicht, dass sich Teilnehmer finden werden“, sagt Sieglinde Kazemiyeh. Das Projekt sei schon eine große Hausnummer und nicht ganz billig. Allein die Anmeldegebühr beträgt 600 Euro. Flugtickets, Hotel und Verpflegung müssen die Teilnehmer ebenfalls selbst tragen.

Tangomesse ist große Herausforderung

Für Anni Flittner keine Argumente, deswegen daheimzubleiben: „So ein Erlebnis darf man sich doch nicht entgehen lassen.“ Seitdem probt das Quartett intensiv an den Chorsätzen. Die Tangomesse sei eine große Herausforderung und nicht leicht zu singen. „Misatango“ ist inspiriert vom traditionellen Tango sowie vom Tango Nuevo Astor Piazzollas. Palmeri hat eine Synthese aus dem lateinischen Messtext und dem argentinischen Tango geschaffen, die auf den ersten Blick nicht naheliegend scheint. „Wir mussten richtig viel üben. Die Melodien sind aber so ausdrucksstark und imposant, dass es Spaß macht“, erzählen die Vier übereinstimmend. Sebastian Bernhard, seit über 40 Jahren Chorsänger, erahnt, wie es sein wird, wenn 300 Menschen ein Fortissimo anstimmen: „Da rührt sich was.“ Oder gleichzeitig piano singen: „Einfach herrlich.“ Neugierig ist auch seine Ehefrau Marlies auf den „Spirit“, der durch die Musik entstehen wird.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Große Stars traten hier schon auf

Die Anspannung ist den vier Chormitgliedern deutlich anzumerken. Schließlich steht am Sonntag, 23. Juni, um 14 Uhr Ortszeit der große Auftritt in einem der berühmtesten Konzertsäle der Welt mit 2800 Sitzplätzen kurz bevor. In der Carnegie Hall sind schon viele bekannte Größen aus der Musikszene aufgetreten wie etwa Tschaikowsky, Rachmaninow, Maria Callas und Luciano Pavarotti, Miles Davis, Billie Holiday oder Ella Fitzgerald.

Die Aufführung ist unter der Leitung des Komponisten Martín Palmeri und Saul Zaks im Isaac-Stern- Auditorium der Carnegie Hall angesetzt und wird sowohl die Misatango als auch die Welt-Uraufführung der „Gran Misa“ beinhalten.

In den vergangenen Wochen mussten sich die Sänger auch abseits vom Musikalischen vorbereiten. In der sogenannten „Performer Checklist“ wird beispielsweise die Kleiderordnung genau beschrieben: schwarze Abendkleidung, die Schuhe poliert, keine Sneakers oder Tennisschuhe, geräuschloser Schmuck. Die Sportschuhe werden trotzdem noch gebraucht: Nach dem wohl unvergesslichen Erlebnis in der Carnegie Hall wollen die Vier aus dem Holzwinkel, die noch nie in New York waren, die Metropole außerhalb des Konzertsaals erleben: Freiheitsstatue, UN-Hauptquartier, Rockefeller-Center. Und: Einen Sonnuntergang auf der Brooklyn-Bridge, den wollen sie sich nicht entgehen lassen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren