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Show

23.05.2011

Clown erfreut die Zuschauer, Katzennummern weniger

„Manche Katzen haben nicht sehr glücklich ausgesehen und dösten völlig teilnahmslos.“Tierärztin Dr. Gudrun Tonzer

Tierdressuren weckten wenig Begeisterung in Gersthofen

Gersthofen Samtpfoten dressiert auf der Bühne: Mit dem Motto „Meine lieben Katzen“ gastierte das Moskauer Katzentheater Kuklachev, das seit 2008 in Deutschland unterwegs ist, in der Gersthofer Stadthalle. Im Foyer der Stadthalle wurden die Besucher schon von einem Clown auf Stelzen willkommen geheißen. Danach gab’s insgesamt 15 Katzen im Alter zwischen einem und 19 Jahren und einen Pudel in zweimal 40 Minuten zu sehen. Über Lautsprecher wurde versichert: „Alles, was sie heute sehen, wurde mit der Kraft der Liebe erschaffen.“ Daraufhin erstrahlte ein verklärt kitschiges Bühnenbild einer Dorfidylle mit überlaut krähendem Hahn.

Ein Trommelwirbel nach dem anderen folgte und eine Katze haftete mit kaum geöffneten Augen auf einem Ziehgefährt. Im Hintergrund war eine weiße Katze zu erkennen, die sich ununterbrochen putzte. Als noch zwei weitere Katzen dazugesetzt wurden, schien sie in Tiefschlaf zu sinken. Sie dienten lediglich als Deko für die erste Halbzeit.

Der russische Zirkusartist Dimitri Kuklachev kam im Clownskostüm und erwies sich in Bezug auf Clownerie als wahres Talent. Seine eigenen Nummern, die ohne Katzen dargebracht werden, waren die eigentlichen packenden Momente des Abends und brachten das Publikum zum Lachen.

Clown erfreut die Zuschauer, Katzennummern weniger

Programmpunkte wie beispielsweise eine Katze, die alle Viere nach oben herausstreckte und ängstlich guckte, als sie von Kuklachev in einem Eimer durch die Luft geschleudert wurde, verursachten eher betroffene Mienen. Ein Junge sagte vernehmlich: „So etwas würde ich mit meiner Katze nie machen.“

Nur wenn Katzen schlängelnd durch Kuklachevs Beine liefen oder im Rudel kreuz und quer über die Bühne flitzten, riefen die Kinder „Oh, schau mal, wie süß“. Wirklich beeindruckt zeigte sich das Publikum indessen an keiner Stelle des Programms. Stimmung kam nur auf, als von der Bühne ein mehrere Meter langer Ballonzylinder in die Reihen geworfen und von den Gästen mit Händen zurück zur Bühne transportiert wurde.

Kuklachev ging zwischendurch mit einer Katze, die sich auf einer Stange festkrallte, durch die Stuhlreihen, wo zahlreiche Kinder das Tier streichelten. Wieder zurück auf der Bühne sprang ein Kätzchen in Sekundenschnelle von Eimer zu Eimer. Auf einer mehreren Meter hohen Stange saß eine Katze. Sie musste sich festhalten, wenn Kuklachev die Stange über den Bühnenrand nach unten fallen ließ und wieder hoch in die Luft hob. Als Kuklachev traurige Töne auf einer singenden Säge anstimmte, entsprach diese trübselige Atmosphäre der Stimmung so mancher Zuschauer.

Die Gersthofer Tierärztin Dr. Gudrun Tonzer schaute sich die Vorstellung ebenfalls an und fragte sich, ob den Katzen etwas ins Fell gegeben wurde, damit die sich auf der Bühne so extrem schleckten. „Manche Katzen haben nicht sehr glücklich ausgesehen und dösten völlig teilnahmslos“, war ihr Kommentar. Die Besucherin und Zirkusgegnerin Geli Seiler aus Augsburg – selbst Katzenhalterin – empfand einige Einlagen, wie die im Eimer herumgeschleuderte Katze, schockierend. Dennoch konnte sie der Show durchaus Gutes abgewinnen.

Die Aufführung hätte wohl weitaus besseren Eindruck hinterlassen, wenn Kuklachev sich auf die Qualitäten seiner Clownerie konzentriert hätte, als auf den Versuch, Katzen Ungewohntes anzudressieren. Denn in Sachen Clownerie ist er ein Profi.

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