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Dinkelscherben/Zusmarshausen

16.02.2021

Corona: Bürgermeister sind bereits geimpft

Wie hier in Langerringe war das mobile Impfteam des Landkreises auch in den Seniorenheim in Zusmarshausen und Dinkelscherben im Einsatz. Dabei wurden neben Bewohnern und Personal auch ehrenamtliche und die Vorsitzenden der Hospitalstiftung geimpft.
Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

Plus Nach der Debatte um Impf-Drängler kommt nun ans Licht: Auch die Bürgermeister aus Dinkelscherben und Zusmarshausen waren schon an der Reihe.

Drängeln, das gilt nicht nur im Supermarkt als schlechter Stil. Seitdem klar ist, dass Lebenspartner von Mitarbeitern in AWO-Heimen, aber auch Politiker und Bischof Bertram Meier bereits geimpft sind, ist die Empörung groß. Viele empfinden es als Frechheit, dass Menschen, die noch gar nicht an der Reihe sind, schon geimpft wurden. Durch Recherchen unserer Redaktion wird nun klar: Auch Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb (UW14) und Zusmarshausens Rathauschef Bernhard Uhl (CSU) wurden bereits geimpft.

Dazu muss man wissen, dass Dinkelscherbens Bürgermeister Kalb ehrenamtlicher Vorsitzender der Hospitalstiftung ist, der die beiden Seniorenheime in den Marktgemeinden gehören. Uhl ist stellvertretender Vorsitzer. In dieser Funktion sind die beiden auf die Impfliste gerutscht. Mit ihrem Amt als Bürgermeister habe die Impfung nichts zu tun, betonen Kalb und Uhl auf Nachfrage. Als Vorsitzende der Stiftung hätten sie regelmäßig in den Heimen zu tun und somit direkten Kontakt mit den dort lebenden Senioren. Geimpft wurden die beiden zum ersten Mal am 22. Januar, die Zweitimpfung fand am vergangenen Freitag statt. Bei dem Terminen wurden auch die Mitarbeiter der Einrichtungen, Bewohner und ehrenamtliche Helfern geimpft.

Wer gilt laut Impfverordnung als Personal im Seniorenheim?

Das Landratsamt bestätigt den Vorgang. Dass auch andere Ratshauschefs im Kreis schon geimpft sind, sei der Behörde nicht bekannt. Bernhard Uhl und Edgar Kalb seien als Vorsitzende der Hospitalstiftung mehrmals wöchentlich in den Häusern präsent, wodurch sie rechtlich die Vorgaben zur Priorisierung bei der Corona-Schutzimpfung erfüllen. Aus rechtlicher Sicht fallen laut Impfverordnung alle Personen, die mindestens zweimal in der Woche aus beruflichen Gründen oder wegen ehrenamtlicher Tätigkeiten ein Seniorenheim betreten, unter den Begriff Personal. Sie genießen bei den Schutzimpfungen höchste Priorität, teilt das Landratsamt mit.

Seine Verantwortung aus Stiftungsvorsitzender mache auch in Coronazeiten seine Präsenz in den beiden Einrichtungen in Dinkelscherben und Zusmarshausen unvermeidlich, sagt Kalb. Vieles mache er zwar telefonisch, per Videokonferenz oder per E-Mail. Kalb: "Leider geht es aber nicht ganz ohne physische Anwesenheit in den Einrichtungen. Sei es für Unterschriften, vertrauliche Gespräche mit den Leitungen oder Baubesprechungen bei den Sanierungsarbeiten." Nach eigenen Angaben war Kalb im vergangenen Jahr etwa 100-mal im Seniorenheim. Zudem sei es den Einrichtungsleitungen wichtig gewesen, dass sich möglichst alle Führungskräfte der Stiftung impfen lassen, sagt Kalb: "Zum Zeitpunkt der Anmeldung war die Impfskepsis beim Personal noch recht groß."

Bürgermeister aus Zusmarshausen und Dinkelscherben bereuen ihre Entscheidung nicht

Auf Nachfrage betont er, dass die Impfung kein Fehler war. Kalb: "Ein Fehler wäre es gewesen, die dringlich empfohlene Impfung zu verweigern. Wie hätte man dies den Angestellten, den Bewohnern, deren Angehörigen und der Öffentlichkeit im Falle eines Stiftungsvorsitzenden-Positivtests erklären sollen?" Auch Bernhard Uhl sagt: "Es war kein Fehler. Falsch wäre es gewesen, dem dringlichen Wunsch der Einrichtungsleitung nicht nachzukommen und sie alleine zu lassen." Die Impfung diene ausschließlich der Erfüllung seiner Pflichten als stellvertretender Vorsitzender der Hospitalstiftung. Der Vorstand trage die "komplette und persönliche Verantwortung für die Hospitalstiftung, also Personal, Bewohner, Bau- und Renovierungsmaßnahme sowie die Finanzen", so Uhl. Deshalb sei er regelmäßig, bei Bedarf auch täglich im Zusmarshauser Heim. "Als Bürgermeister hätte ich mich niemals impfen lassen", sagt Uhl.

Darüber entschieden, dass die Vorsitzenden der Hospitalstiftung auf der Impfliste stehen, haben die Einrichtungsleiter der Heime. Leiter im Zusmarshauser Seniorenheim St. Albert ist Wolfgang Lichtblau. Er sagt: "Es gibt keine Mauschelei, was das Impfen angeht." Im Vorfeld habe man sich ausführlich Gedanken darüber gemacht. Zur Diskussion stand unter anderem, ob Therapeuten und Hausärzte der Bewohner, die regelmäßig im Heim sind, auf die Liste gesetzt werden sollten. Man habe sich schließlich dagegen entschieden, weil man dachte, diese würden bald eine andere Gelegenheit zur Impfung haben. Zwischenzeitlich sei allerdings der Impfstoff im Kreis Augsburg knapp geworden, sodass einige der Hausärzte und Therapeuten bis heute noch nicht geimpft sind, sagt Lichtblau.

Königsbrunner Pfarrer würde sich heute nicht noch einmal so früh impfen lassen

Das sieht auch der Königsbrunner Pfarrer Bernd Leumann kritisch. Er meldete sich nach den jüngsten Berichten zu Impf-Dränglern bei unserer Redaktion. Leumann hat seine Impfung im Königsbrunner Caritas-Altenheim bekommen, weil er dort als Seelsorger arbeitet. Nicht bewusst war ihm, dass Hausärzte und Therapeuten, die ebenfalls zu Hausbesuchen ins Altenheim kommen, nicht geimpft wurden: "Die haben ja noch viel engeren Kontakt zu den Bewohnern. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich vermutlich anders entschieden."

In Zusmarshausen habe man sich - in Absprache mit dem Gesundheitsamt - schließlich dazu entschieden, neben Bewohnern und Mitarbeiter vor allem Ehrenamtliche, die sich in den Heimen engagieren, auf die Liste zu setzen. Lichtblau: "Ohne sie könnten wir Besuche zur Zeit nicht erlauben."

Für Aufregung sorgte zuletzt besonders die Nachricht, dass die Leiter zweier Augsburger AWO-Seniorenheime ihre Partner auf die Impflisten setzten. Nach dem Impfskandal wurden die Vorschriften für die Impfungen in Bayern verschärft. Nach einer Anweisung des Gesundheitsministeriums ist die Zugehörigkeit zur Prioritätengruppe auf die Schutzimpfung vor Ort nachzuweisen. Heimleiter, Impfarzt und Prüfer müssen nun die korrekte Impfung mit ihren Unterschriften bestätigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Bürgermeister hätten transparent mit ihrer Impfung umgehen müssen

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