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Landkreis Augsburg

17.02.2021

Corona-Impfung: Wer kommt im Landkreis Augsburg zuerst dran?

Oberste Priorität bei der Vergabe des Impfstoffs gegen Corona haben die über 80-Jährigen. Doch es gibt auch Gründe, weshalb Jüngere im Kreis Augsburg schon an der Reihe waren.
Foto: Thomas Frey, dpa (Symbolbild)

Plus Die Vergabe des knappen Corona-Impfstoffs wird heiß diskutiert. Denn auch Menschen unter 80 Jahren waren in der Region schon an der Reihe. Welche Gründe es dafür gibt.

Seit Wochen wartet Ingrid Günther auf einen Impftermin für ihren Mann. Der 83-Jährige ist dement, hat Blasenkrebs und verschiedene andere Vorerkrankungen. "Eine Ansteckung mit Corona wird er wahrscheinlich nicht überleben", sagt die Gessertshauserin. Sie habe sich schon beim Landratsamt um einen Impftermin bemüht. Dort sei um Verständnis für "nicht absehbare Wartezeiten" gebeten worden, sagt Günther. Doch Verständnis kann Günther angesichts der Meldungen von deutlich jüngeren Geimpften nicht aufbringen. Ihr Beispiel ist nur eines von vielen, das zeigt, wie heikel die Frage der Impfstoffvergabe ist. Doch es gibt auch gute Gründe dafür, bestimmte Gruppen vor anderen zu impfen.

Grundsätzlich sind im Kreis Augsburg - wie in ganz Deutschland - zuerst die über 80-Jährigen an der Reihe. Weil der Impfstoff aber nach wie vor knapp ist, können noch nicht alle Senioren einen Termin ausmachen. Eigentlich sollten im Gablinger Impfzentrum etwa 1000 Impfdosen pro Woche verimpft werden. Doch bundesweit stockte der Nachschub wegen Lieferschwierigkeiten. Zuletzt meldete das Landratsamt, dass etwa die Hälfte der rund 15.500 über 80-Jährigen bereits angeschrieben worden seien, um einen Impftermin zu vereinbaren. Dazu wurden die Senioren in mehrere Gruppen unterteilt. Wer zuerst an der Reihe ist, wurde ausgelost.

Diese Gruppe hat laut Impfverordnung höchste Priorität

Neben dieser Gruppe, gibt es laut Impfverordnung noch eine Reihe von anderen, die zuerst dran kommen. Das sind zunächst Menschen, die in Seniorenheimen leben oder arbeiten. Im Kreis Augsburg ist diese Gruppe bereits durchgeimpft. Höchste Priorität haben außerdem diejenigen, die in der Pflege oder im medizinischen Bereich arbeiten und direkten Kontakt mit älteren Menschen haben. Begonnen wurde im Kreis Augsburg damit, diese Gruppe mit mobilen Impfteams in den Einrichtungen zu impfen.

Wie berichtet, waren dabei auch die beiden Bürgermeister aus Dinkelscherben und Zusmarshausen an der Reihe. Weil sie als Vorsitzende der Hospitalstiftung, der die beiden Seniorenheime in den Gemeinden gehören, immer wieder vor Ort sein müssen, wurden sie vorzeitig drangenommen. Rechtlich gelten sie, genauso wie andere ehrenamtliche Helfer, als Personal des Seniorenheims.

Was passiert, wenn Impfstoff im Kreis Augsburg übrig bleibt?

Nun werden weitere Fälle von vorzeitigen Impfungen bekannt. Einer von ihnen ist der Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister. Das Landratsamt bestätigt den Vorgang aber. Anfang dieses Jahres wurde eine Gruppe von für den Landkreis im Katastrophenschutz tätigen Einsatzkräften verschiedener Organisationen kurzfristig geimpft. Das hatte den Hintergrund, dass einige Impfdosen am Abend des 31. Dezember ansonsten hätten vernichtet werden müssen, da sie an diesem Abend verfallen wären. Geimpft wurden Feuerwehreinsatzkräfte, welche im Katastrophenschutz oder im Bereich der Autobahnen arbeiten. Darunter auch der Kreisbrandrat. Feuerwehrleute fallen zwar nicht unter die Gruppe mit höchster Priorität, falls Impfstoff an einem Tag übrig bleibt, weil andere plötzlich abspringen, werden sie aber bevorzugt behandelt. Dazu gab es zuletzt mehrere sogenannter Hop-On-Listen im Kreis Augsburg.

Diese Listen sind laut Landratsamt nun offenbar nicht mehr nötig. "Mittlerweile stellen wir fest, dass die Priorisierungen in der Impfverordnung zwischenzeitlich derart ausgeweitet wurden, dass die gefährdeten Berufsgruppen, die bisher auf Hop-On-Listen geführt wurden, inzwischen einen direkten Zugang zur Impfung erhalten können", erklärt Jens Reitlinger, Sprecher der Behörde.

Schwerkranke müssen teils auf Impftermin im Kreis Augsburg warten

Nachvollziehen kann Ledwina Huber die bisherige Terminvergabe nicht. Die 62-Jährige aus Heretsried hat einen chronisch kranken Sohn. Er leidet an einem angeborenen Immundefekt. Sein Körper kann keine Abwehrzellen binden. "Jede Infektion ist für ihn eine Katastrophe", sagt Huber. Deshalb habe auch sie sich bereits um einen Impftermin für ihren Sohn bemüht. Doch noch ist der nicht in Sicht. "Wie kann ein gesunder Mensch eine Impfung annehmen, wenn andere schwer krank sind?", fragt die Mutter. Sie würde später gerne auf ihre Impfung verzichten, wenn dafür ein Schwerkranker früher an der Reihe ist. Wie viele andere steht ihr Sohn auf einer Warteliste. Dafür hat der Landkreis eigens eine Kommission eingerichtet, die über Einzelschicksale entscheidet. Melden können sich dort Menschen mit besonders schweren Vorerkrankungen. Adresse: einzelfall@LRA-a.bayern.de.

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