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Gablingen

04.12.2020

Corona-Impfzentrum für den Kreis Augsburg: So laufen die Vorbereitungen in Gablingen

Das neue Corona-Impfzentrum des Landkreises Augsburg soll in Gablingen entstehen.
Bild: Marcus Merk

Plus Der Kreis Augsburg baut in Gablingen ein neues Corona-Impfzentrum. Wie das aussehen soll und welche Impfstrategie ein Mediziner aus Diedorf empfiehlt.

Die ganze Welt wartet gespannt auf die Freigabe eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Sobald der Stoff da ist, soll es auch im Kreis Augsburg losgehen mit den Impfungen. Im Augsburger Land soll eine Halle im Gablinger Gewerbegebiet zum neuen Impfzentrum werden. Über ein weiteres Zentrum im südlichen Landkreis wird diskutiert. Nun legt der Landkreis erste Pläne zur Impfstrategie vor.

Läuft alles nach Plan, soll das neue Impfzentrum am 15. Dezember in Betrieb gehen. Mittelfristig sind außerdem sogenannte "Impfbusse" geplant, mit deren Hilfe Impftermine vor Ort realisiert werden sollen. Die mobilen Teams sind dem Impfzentrum angegliedert und können beispielsweise die Versorgung von Risikogruppen in Alten- und Pflegeheimen sowie auch im Einzelfall die Impfung bettlägeriger Patienten zu Hause vornehmen. "Ziel unserer Überlegungen war eine flächendeckende Lösung, die jedem einen geeigneten und unkomplizierten Weg zur Impfung ermöglicht", sagt Landrat Martin Sailer.

Halle in Gablingen wird zum Impfzentrum für den Kreis Augsburg

Ein großer Teil der Menschen im Augsburger Land soll sich wohl in der Halle in Gablingen impfen lassen können. Nach Informationen unserer Redaktion wird aller Voraussicht nach ein gut 800 Quadratmeter großes Gebäude der Unternehmerfamilie Bittner aus Gablingen zum neuen Zentrum. Inhaber Klaus Dieter Bittner betreibt eine Putenfarm in Gablingen. Er erklärt, dass er das Gebäude vor rund drei Jahren ursprünglich als Ausweichort für seine Puten gebaut habe. "Wir haben es für den Fall gebaut, dass unser Hof in einen Sperrbezirk kommt." Das könne beispielsweise passieren, wenn die Vogelgrippe ausbricht. In diesem Fall wären die Tiere in die Halle umgezogen. Deshalb habe das Gebäude sehr hohe Hygienestandards, erklärt Bittner. Bislang wurde es nur als Lagerraum genutzt.

So gibt es in der Halle unter anderem zwei Kühlräume mit Platz für insgesamt 50 Paletten. Das entspreche der Kapazität von anderthalb Lastwagen, erklärt Bittner. Darin könnte der Impfstoff, der auf minus 80 Grad gekühlt angeliefert werden soll, langsam aufgetaut werden. Vor der Halle findet sich ein gepflasterter Parkplatz von rund 1200 Quadratmetern. Auch wegen der guten Verkehrsanbindung sei der Standort optimal, meint Gablingens Bürgermeisterin Karina Ruf. Sie könne sich vorstellen, dass die Gemeinde infrastrukturell durch einen kostenlosen Gemeindebus unterstützt. Persönlich wolle sie sich "auf jeden Fall" impfen lassen.

Zu Beginn wird der Impfstoff nicht allen zur Verfügung stehen

Wie das im Detail abläuft, ist allerdings noch völlig unklar. Wie das Landratsamt mitteilt, gibt es noch offene Fragen hinsichtlich der Art und Menge des Impfstoffes. Unklar ist auch, wer zuerst geimpft werden soll. Sicher ist: Zu Beginn werde der Impfstoff nicht allen zur Verfügung stehen, so die bayerische Staatsregierung.

Täglich mit Impfstoffen zu tun hat der Diedorfer Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Huß. Er schlägt vor, zunächst Menschen mit systemrelevanten Berufen gegen das Coronavirus zu impfen. Huß würde mit Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, anfangen. Diese seien besonders gefährdet und erhöhten bei einem Ausfall das Risiko für alle anderen. Außerdem sollten Menschen über 75 Jahre weit vorne auf der Liste stehen, meint Dr. Huß. Er fordert, dass die bevorzugten Gruppen eng gefasst und klar definiert werden sollten, damit möglichst wenig Interpretationsspielraum bleibt. Außerdem sollten auch Arztpraxen Zugang zu den Impfstoffen erhalten: "Das würde die ganze Sache beschleunigen", glaubt er. Die neuen Impfstoffe zu verabreichen sei auch nicht komplizierter als die Grippeimpfung, die in seiner Praxis zur Hochsaison hundertmal pro Woche verabreicht wird.

Kreis arbeitet beim Impfzentrum in Gablingen mit Ecolog zusammen

Wer die Impfungen im neuen Testzentrum spritzen wird, ist im Speziellen noch nicht bekannt. Grundsätzlich ist mit dem operativen Betrieb des Impfzentrums das private Dienstleistungsunternehmen Ecolog beauftragt, mit dem der Landkreis seit Anfang September bereits am Testzentrum im Gersthofer Ortsteil Hirblingen zusammenarbeitet. In der Vergangenheit gab es beim Testzentrum in Hirblingen eine Reihe von Pannen. Testergebnisse kamen deutlich verspätet, oder mehrfach und mit unterschiedlichen Orts- und Altersangaben. Dennoch sagt Landrat Martin Sailer: "Wir wollen die Zusammenarbeit mit der Firma Ecolog ausbauen, weil wir die konstruktive und kollegiale Arbeitsweise des Unternehmens zu schätzen wissen."

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