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Gersthofen

29.05.2020

Corona-Krise: Das reiche Gersthofen ist jetzt knapp bei Kasse

Die Stadt Gersthofen verliert wegen der Corona-Krise Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Nun steht ein Sparprogramm im Raum.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Plus Die Corona-Krise lässt die Steuereinnahmen in Gersthofen wegbrechen. Deshalb sollen die Stadträte im Juli über ein Sparprogramm entscheiden.  

Der 6. Mai hat das Zeug, als schwarzer Mittwoch in die noch junge Geschichte der Stadt Gersthofen einzugehen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeitspielte sich das Drama in einem Büro des Rathauses ab. Dort musste die städtische Finanzverwaltung an jenem einzigen Tag Gewerbesteuerausfälle von vier Millionen Euro verbuchen. Das sind mehr als zehn Prozent des Gewerbesteueraufkommens eines ganzen Jahres.

Gersthofen gilt seit Jahrzehnten als der Krösus unter den Kommunen im Augsburger Land. Zahlreiche Gewerbeansiedlungen haben der Stadt an der Schnittstelle von Autobahn und B2 zu einer beachtlichen Finanzkraft verholfen. Statt Schulden hat sie ein dickes Festgeldkonto und die einzigen Zinsen, welche Kommunalpolitiker fürchten müssen, sind die „Strafzinsen“ für ein zu üppiges Guthaben, die offiziell Verwahrentgelte heißen.

27 Prozent Minus bei der Gewerbesteuer

Doch nun haben die Folgen der Corona-Krise die Stadt hart erwischt. Kämmerer Manfred Eding prognostizierte für das Gesamtjahr ein Minus bei der Gewerbesteuer von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die wichtigste Einnahmequelle der Stadt dürfte von rund 30 auf 21,5 Millionen Euro abfallen. Auch bei der Einkommenssteuer wird wegen der Kurzarbeit in vielen Betrieben mit Einbußen gerechnet. Wie hoch sie ausfallen, lässt sich laut Eding aber erst im Juli abschätzen.

Die Einnahmedelle trifft die Stadt zur Unzeit. Zum einen, weil sie sich für die kommenden Jahre ein ehrgeiziges Investitionsprogramm verordnet hat. Zum anderen, weil sie just zum Beginn des Jahres ein großes Immobiliengeschäft abgewickelt und für das nunmehr als „Potenzialfläche“ bezeichnete Gersthofer Loch rund 20 Millionen Euro ausgegeben hat.

Gersthofens 20 Millionen Ersparnisse sind langfristig angelegt

Zwar hat die Stadt laut Bürgermeister Michael Wörle „noch weit über 20 Millionen Euro“ auf der hohen Kante. Doch die seien längerfristig angelegt und stehen damit aktuell nicht zur Verfügung.

Aufgrund der Ausfälle und Stundungen (weitere zwei Millionen) bei der Gewerbesteuer fehlte es der Stadt deshalb an flüssigen Mitteln. Der Engpass wurde mit sogenannten Kassenkrediten behoben. Damit ist es aber nicht getan, wie Eding vor dem Stadtrat verdeutlichte. Aufgrund der veränderten Finanzlage müsse der neue Stadtrat einen Nachtragshaushalt für das laufende Jahr erstellen. Im Klartext: Gersthofens neu gewählte Stadträte werden den Rotstift ansetzen müssen. Schon im Juli sollen die entsprechenden Beschlüsse fallen.

Gersthofer Verwaltung erarbeitet Sparvorschläge

In den kommenden zwei Wochen will die Verwaltung Vorschläge für Einsparungen erarbeiten. Finanzchef Eding geht unter Verweis auf Steuerschätzungen davon aus, dass die coronabedingten Einnahmeausfälle nur eine vorübergehende Erscheinung sind. Im kommenden Jahr könne das Steueraufkommen wieder bei 70 oder 80 Prozent des ursprünglichen Leistungsvermögens sein, so seine Hoffnung.

Rathauschef Michael Wörle schaut derweil auf die große Politik in Berlin. Wenn die wolle, dass die öffentliche Hand investiert, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern, dann brauche auch eine Stadt wie Gersthofen Unterstützung.

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