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Landkreis Augsburg

13.04.2020

Corona-Krise: Diese Aktionen machen Mut in schwierigen Zeiten

Der Jugendbeirat der Stadt Neusäß engagiert sich für die Tafel, packt Lebensmittel und liefert sie aus. 
Bild: Sabine Zimmermann

Plus Durch das Coronavirus rücken die Menschen auch im Augsburger Land zusammen. Geschäfte starten Lieferdienste, Nachbarn helfen sich oder nähen Masken für Menschen in Not. 

Die Corona-Krise hat auch das Augsburger Land nach wie vor fest im Griff. In dieser schwierigen Zeit zeigt sich aber auch, dass die Menschen erfinderisch werden und zusammenhalten. Nicht nur die, die um ihre Existenz kämpfen müssen, geben alles um zu helfen und zu überleben. Wir haben uns umgesehen – und die Auswahl war riesig. Hier zeigen wir paar der schönen Beispiele, die Mut machen.

  • Neuer Lieferservice „Das von ihnen bestellte Mehl ist leider nicht vorhanden, darf ich ihnen ein anderes geben?“, fragt der stellvertretenden Marktleiter Patrick Brunn den Kunden am Telefon. Am Morgen hat er die Bestellung telefonisch entgegengenommen, kurz vor Feierabend läuft Brunn mit dem Einkaufswagen durch den Edeka Markt in Meitingen und packt alles zusammen. Danach läuft er zu seinem Auto und fährt den Einkauf direkt zum Besteller. Edeka Stoll bot den Service schon vor Corona und ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet in der Umgebung.


    „Die Kundenfrequenz ist somit niedriger und die Mitarbeiter besser geschützt“, erklärt Marktleiter Stefan Stoll. „Die Kunden sind dankbar, wir bekommen Anrufe und Dankesbriefe“, freut sich Stoll. Ihm ist es wichtig, dass die Risikogruppe zu Hause bleiben kann und dass aber auch seine Mitarbeiter mit dem Mehraufwand klar kommen, denn sie müssen oftmals nach Dienstschluss noch ausliefern. Zeit zum Verschnaufen blieb keine. Zuerst die Hamsterkäufe, nun das Ostergeschäft. Dennoch sei die Stimmung positiv. Ähnliche Lieferdienste finden sich überall im Augsburger Land. In Dinkelscherben haben sich zum Beispiel viele Geschäfte zusammengeschlossen und einen Fahrradkurier engagiert.
    Stellvertretender Marktleiter Patrick Brunn packt die Einkäufe zusammen und bringt diese anschließend zum Kunden nach Hause.
    Bild: Diana Zapf-Deniz
  • Kreative Restaurants Das Restaurant Federspiel im Hotel Römerstadt in Gersthofen zeigt sich kreativ. Küchenchef Florian Hrachowina uns sein Team bieten nicht nur Gerichte zum Mitnehmen an. „Die Gäste vermissen uns und deshalb geben wir unser Restaurant mit nach Hause“, erzählt Hrachowina. Wer hier bestellt, bekommt Tischwäsche, Stoffservietten, Besteck und Gläser mit nach Hause. André Semerad, der sonst bedient, ist gemeinsam mit seinem Chef auf der mitgelieferten DVD zu sehen, damit sich die Gäste zu Hause ganz wie im Restaurant fühlen können. Viele Gastwirte sind flexibel und gehen auf ihre Kunden ein. In der Villa Toscana in Gersthofen zum Beispiel kocht der Chef und das Wirtshaus am Sportplatz bietet jede Woche Gerichte zum Mitnehmen an. Der Brauereigasthof Fuchs in Steppach hat einen Lieferservice von 11 bis 21 Uhr eingerichtet. Die Lise lässt sich beliebig erweitern.
    Küchenchef Florian Hrachowina (rechts) und Andre Semerad vom Restaurant Federspiel bieten nicht nur Take away Essen, sondern geben Tischwäsche, Besteck und Gläser gleich mit dazu.
    Bild: Diana Zapf-Deniz
  • Frühlingsgrüße in Zeiten von Corona Im Frühjahr machen die Blumenhändler eigentlich ihren Hauptumsatz im Jahr. Doch der fällt heuer aus. „Wir machen derzeit fünf Prozent vom Gesamtumsatz“, sagt Dana Verloop aus Gersthofen. „Wir machen einfach das Beste daraus und liefern nun die Sträuße nach Hause.“ Mit ihrer Tochter Jiliana bringt sie bunte Frühlingssträuße zu ihren Kunden. Manfred Reuß aus Westheim erzählt: „Unser Bringdienst und auch die Grabpflege werden sehr gut angenommen“ Auch wenn es für einen Gewinn nicht reiche, so sei wenigstens der Deckungsbeitrag da. Dem Wörner Gartencenter in Neusäß geht es ähnlich: „Die Auslieferungen sind ein Tropfen auf den heißen Stein rein wirtschaftlich gesehen. Den Leuten machen wir jedoch Mut, wenn es im Frühjahr daheim blüht.“
    Dana Verloop und ihre Tochter Jiliana bereiten mit ihren bunten Frühlingssträußen vielen Menschen eine Freude. 
    Bild: Diana Zapf-Deniz

  • Geschenke vom Einzelhändler Ein großes Herz für seine jüngsten Kunden und für die Stiftung Kartei der Not, Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck, hat Werner Krakowka, Inhaber des Schreibwaren & Geschenke-Pavillon in der Georg-Odemer-Straße 2a in Neusäß. Er überraschte seine jüngsten Kunden am Ostersamstag bei strahlendem Sonnenschein vor seinem Geschäft mit Zuckerwatte, Popcorn und lustigen Kindercomics zum Lesen, Ausmalen und Basteln. Eine tolle Idee, die auch bei den Eltern beim österlichen Wochenendeinkauf im Schmutterpark gut ankam. Für die Erwachsenen gab‘s obendrein ein Schokoladenei.
    Werner Krakowka (links) und sein Team überraschen Kunden mit Zuckerwatte und Popcorn.
    Bild: Ingrid Strohmayr

  • Nachbarn rücken zusammen „Wir für Neusäß“, unter diesem Namen läuft seit drei Wochen das Projekt des Jugendbeirates in Neusäß. Er unterstützt Bürger, die aufgrund ihrer aktuellen Situation, sei es das Alter, die gesundheitliche Vorgeschichte oder eine Covid-19-Erkrankung, nicht mehr aus dem Haus können. Hier erledigt der Jugendbeirat Einkäufe, kleine Botendienste oder den Gang zur Apotheke von Montag bis Samstag von 9 bis 20 Uhr. Unter der extra eingerichteten Telefonnummer 0176/73470516 ist der Jugendbeirat erreichbar. „Über diesen Aufruf sind nicht nur viele Helfer zu uns gekommen, sondern ist auch die Tafel Neusäß aufmerksam geworden“, erklärt Nils Härle, Vorsitzender des Jugendbeirats. So unterstützen er und weitere Helfer, auch aus dem Raum Augsburg, immer dienstags die Tafel Neusäß. Es werden Päckchen mit Lebensmitteln und Hygieneartikel gepackt und diese an die Bedürftigen direkt an die Haustür ausgeliefert.
    Der Jugendbeirat der Stadt Neusäß engagiert sich für die Tafel, packt Lebensmittel und liefert sie aus. 
    Bild: Sabine Zimmermann

Auch in der Nachbarstadt Stadtbergen gibt es dieses Hilfsangebot unter dem Motto „Wir für Stadtbergen“. Jugendrat, Ministranten und die Turnabteilung der TSG Stadtbergen sind in Zusammenarbeit mit der Stadt Stadtbergen aktiv geworden. Betroffene, die das Angebot für sich in Anspruch nehmen wollen, können sich unter der Telefonnummer 0172/ 4292255, auch per WhatsApp, melden. Der Service ist wie in Neusäß kostenlos.

  • Gemeinsam nähen Im tiergestützten Therapiezentrum „Ziegelhof“ des Bunten Kreis in Stadtbergen rattern derzeit die Nähmaschinen um die Wette. Die Idee eine Nähaktion ins Leben zu rufen, stammt von Monika Ehmann (Leitung Versorgung und Anlage), die mit ihren Kolleginnen Stoffe, Nähmaschinen, Zubehör und die entsprechenden Nähanleitungen, die vom Textilproduzenten Trigema zur Verfügung gestellt wurde, organisierte. „Nicht lamentieren, sondern machen“ lautete die Devise der Frauen, die derzeit kochfeste Kittel aus Bettwäsche für die Nachsorgeschwestern und Physiotherapeuten nähen. „Die Aktion ist aus der Not geboren, da momentan keine entsprechende Schutzkleidung zu bekommen ist“, sagt Monika Ehmann. Mit den weißen Kitteln, die mit dem bunten Logo des Bunten Kreis bedruckt sind, werden auch die Nachsorgeschwestern aus Kempten und Memmingen ausgestattet. Sie unterstützen und beraten betroffene Eltern bei der oft komplizierten Pflege ihrer schwerst kranken Kinder.
    Astrid Krotz (Vorstand Bunter Kreis) freut sich mit den eifrigen Näherinnen Monika Ehmann (Hauswirtschaftsleiterin) und Angela Staudacher (Verwaltung Ziegelhof) über die selbst genähten Kittel für die Nachsorgeschwestern. 
    Bild: Ingrid Strohmayr
  • Aktionen beim Bäcker über 110 Jahren gibt es die Handwerksbäckerei Niedermair in Diedorf. Ein Familienunternehmen, das in vierter Generation von Simone Mittermeier geleitet wird. In Zeiten der Coronakrise haben es kleinere Unternehmen schwer und sind auf Solidarität und das Miteinander angewiesen. Für die Kunden entwickelte das Niedermair-Team jetzt spezielle Angebote: Ab einem Warenwert von zehn Euro gibt es die kostenlose Lieferung im Ortsgebiet (kontaktlose Geldübergabe im Kuvert). Dazu zählt auch die Klorollentorten aus Marmorkuchen, die derzeit der Renner ist. „Ich bin stolz auf unser Team, das auch in dieser Zeit täglich nachts in der Backstube bäckt und im Laden weiterhin zu den gewohnten Öffnungszeiten für unsere Kunden da ist“, sagt Simone Mittermeier. Einen Geheimtipp gibt es noch zuletzt: Die derzeit sehr gefragte, überall ausverkaufte frische Bäckerhefe geht bei der Bäckerei Niedermair nie aus.
    Christine Knöpfle, Filialleiterin der Bäckerei Niedermair mit der begehrten Klorollentorte und weiteren Spezialitäten.
    Bild: Ingrid Strohmayr

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