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Bonstetten

09.03.2020

Corona-Patient Werner Halank im Interview: „Es ist wie Hausarrest“

Immer mehr Menschen infizieren sich im Kreis Augsburg mit dem Corona-Virus. Einer von ihnen ist Werner Halank, Bürgermeisterkandidat in Bonstetten. 
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Plus Politiker Werner Halank ist einer der ersten Corona-Patienten im Kreis. Im Interview spricht er über den Alltag in Quarantäne und den Gesundheitszustand seiner Familie. 

Werner Halank befindet sich seit sechs Tagen unter Quarantäne. Er ist einer der ersten Corona-Patienten im Landkreis Augsburg. Angesteckt hat sich der Bonstetter Bürgermeisterkandidat vermutlich beim Skifahren in Italien. Im Interview spricht der Rechtsanwalt über seinen Alltag mit dem Virus.

Herr Halank, wie geht es Ihnen?

Werner Halank: Mir geht es gut. Am Samstag hatte ich etwa 38 Grad Fieber, heute merke ich nichts mehr. Wenn das die Krankheit war, ist sie bei mir sehr mild verlaufen.

Corona-Patient Werner Halank im Interview: „Es ist wie Hausarrest“

Werden Sie überhaupt behandelt?

Halank: Nein, aktuell nicht. Die Quarantäne ist für insgesamt 14 Tage angesetzt. Ich frage auch nicht dauernd beim Gesundheitsamt nach, die haben zur Zeit sicher Wichtigeres zu tun.

Angesteckt haben Sie sich vermutlich beim Skifahren in Italien. Auch ihre Frau ist betroffen. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden. Geht es ihr inzwischen besser?

Halank: In den vergangen Tagen war ihr Zustand etwas schlechter, aber es geht bergauf. Meine Frau gehört durch eine Vorerkrankung zur sogenannten Risikogruppe. Ihr Immunsystem ist geschwächt. Außerdem ist sie Asthmapatientin. Deswegen ist es besser, wenn sie in der Klinik behandelt wird. Dort ist sie in den besten Händen. Wir hoffen, dass sie bald zurück in die häusliche Quarantäne kommen kann.

Ihren drei Kindern geht es gut?

Halank: Ja, zum Glück. Mein 18-jähriger Sohn und meine 20-jährige Tochter sind mit mir in häuslicher Quarantäne. Die dritte Tochter studiert momentan in England. Mein Sohn steht kurz vor dem Abitur, für ihn ist die Quarantäne am schlimmsten, weil er jetzt einige Klausuren nachholen muss.

Der Rechtsanwalt Werner Halank befindet sich zusammen mit zwei seiner drei Kindern in häuslicher Quarantäne in Bonstetten. 
Bild: Halank

Im Wahlkampf haben Sie in den vergangenen Tagen und Wochen sicher viele Hände geschüttelt. Macht ihnen das Sorgen?

Halank: Das steht zwar überall, aber es stimmt nicht (lacht). Nachdem ich in Italien im Urlaub war, habe ich darauf geachtet, nicht die Hände zu schütteln. Ich bin sowieso kein großer Händeschüttler.

Aber Sie waren auf einigen Veranstaltungen mit vielen Menschen.

Halank: Das stimmt. Da macht man sich natürlich Sorgen. Ich möchte ja niemanden anstecken. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt wurde deshalb auch mein Name veröffentlicht, anders als bei den anderen Corona-Patienten. Besonders angenehm ist das zwar nicht, aber es war richtig.

Seit Tagen stehen Sie nun unter Quarantäne. Wie sieht ihr Alltag momentan aus?

Halank: Es ist wie Hausarrest. Den habe ich zwar von meinen Eltern nie bekommen, aber so fühlt es sich an (lacht). Ein bisschen ist es wie ein langes Wochenende zu Hause. Nur, dass ich mich nicht ganz frei bewegen kann. Ich darf zum Glück in den Garten, aber nicht weiter. Bisher ist das noch nicht besonders schlimm. Ich habe endlich Gelegenheit meinen Schreibtisch aufzuräumen und kann auch ein bisschen arbeiten. Ich habe eine ziemlich lange Telefonliste von Mandanten, die ich jetzt abarbeiten werde.

Haben Sie genügend Vorräte zu Hause?

Halank: Freunde und Bekannte versorgen mich mit Lebensmitteln.

Aber die dürfen Sie doch nicht besuchen?

Halank: Das ist richtig. Ich schicke eine Einkaufsliste über Whatsapp. Freunde kaufen dann für mich ein und stellen die Lebensmittel vor die Haustüre. So findet kein persönlicher Kontakt statt.

Viele Menschen haben Angst vor dem Virus. Haben Sie eine Botschaft an diese Leute?

Halank: Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund zur Panik. Bei den meisten Fällen – wie bei mir – verläuft die Erkrankung sehr milde, vergleichbar mit einem grippalen Effekt. Trotzdem sollte man größtmögliche Sorgfalt walten lassen: Hände waschen, desinfizieren, sich nicht die Hände geben. Solange man nicht zu einer Risikogruppe gehört, gibt es aber keinen Grund sich große Sorgen zu machen.

Sie wollen in Bonstetten Bürgermeister werden. Beeinflusst das Virus die Wahl?

Halank: Das kann ich schlecht einschätzen und ich mache mir da auch nicht viele Gedanken. Sicher, mein Bekanntheitsgrad ist größer geworden. Ob das die Wahl beeinflusst, weiß ich nicht. Ich kann aber sagen, dass mir viele Leute aus dem Ort Hilfe angeboten haben. Wenn die ganze Angelegenheit letztlich dazu führt, dass der Zusammenhalt wächst, hat das Virus ja auch einen guten Zweck erfüllt.

Den Tag der Wahl müssen Sie noch in Quarantäne verbringen. Haben Sie ihre Briefwahlunterlagen schon abgeschickt?

Halank: Die sind beantragt (lacht). Ich bin erst heute dazu gekommen.

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