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Gessertshausen

26.07.2020

Corona bremst die Staudenbahn aus

In diesem Sommer ist die Staudenbahn zwischen Gessertshausen und Markt Wald aufgrund der Auflagen nicht unterwegs. Die Betreiber hoffen nun auf den Herbst und auf die Christkindlesfahrten.

Plus Wegen der Hygiene-Auflagen ist der Betrieb der Staudenbahn zwischen Gessertshausen und Markt Wald nicht sinnvoll. Das kann sich ändern.

Das fehlt in diesem Jahr in den Stauden: Weder samstags noch sonntags ist die Staudenbahn für Einkäufer und Ausflügler auf ihren Schienen zwischen Gessertshausen und Markt Wald zu sehen, keine Spur von den Triebwagen mit dem etwas altmodischen Charme. Und das hat nichts mit der Verschiebung der Wiederaufnahme des täglichen Personenverkehrs im Stundentakt zu tun, der gerade von 2022 auf 2024 verlegt wurde.

Der Grund liegt in den Hygienevorgaben durch die Corona-Pandemie, bestätigt Hubert Teichmann, Geschäftsführer der Firmengruppe Staudenbahn. Denn während in den allermeisten Bussen und auch Bahnen der Betrieb wieder normal läuft, wenn auch mit Maskenpflicht, sind die Auflagen für die Staudenbahn anders. „Wir sind als Tourismusbetrieb eingestuft“, so Hubert Teichmann.

Wegen Corona dürfte in der Staudenbahn nur jede zweite Sitzreihe belegt werden

Das bedeutet unter anderem, dass bei einer Fahrt jede zweite Sitzreihe frei bleiben müsste. Damit mache der Betrieb kaum Sinn. „Außerdem wollen wir unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht gefährden“, so Teichmann. Dennoch soll es so bald wie möglich wieder losgehen mit den Fahrten zwischen Augsburg und Markt Wald. „Wir haben selber Entzugserscheinungen. Wir wollen heuer auf jeden Fall noch fahren. Wir hoffen auf den Herbst und die Christkindlesfahrten“, bleibt er zuversichtlich.

Vorgenommen hatte sich die Staudenbahn zudem auch Testfahrten auf einem anderen Streckenabschnitt: zwischen Ettringen und Türkheim im Unterallgäu, dem letzten Teilstück der Staudenbahn. In diesem Abschnitt gehören die Schienen der Firmengruppe Staudenbahn selbst. Nach einzelnen Fahrten im Personenverkehr, etwa zu Fasching, sollte es in diesem Jahr dort auch einen Samstagstakt geben, der im Moment aber ebenfalls wegen der Auflagen nicht gestartet werden kann.

Was läuft, ist hingegen der Güterverkehr. Regelmäßig nutzt die Papierfabrik Lang, die heute zu UPM gehört, mit ihrem Werk in Ettringen den dortigen Streckenabschnitt. Bei Gessertshausen war die Staudenbahn jetzt übrigens bei der Sanierung des Streckenabschnitts Westheim – Gessertshausen beteiligt: Sie war für die Entsorgung des alten, verbrauchten Materials zuständig.

Staudenbahn: Finanzierungsmodell nicht praxistauglich?

Für Hubert Teichmann zeigt die aktuelle Situation aber auch, dass das gewählte Finanzierungsmodell für die Reaktivierung der Staudenbahn nicht praxistauglich ist. „Vor Corona war dieses Thema eine eher theoretische Diskussion. Züge fielen bislang allenfalls aus, wenn der Lokführer nicht zum Dienst erschien oder der Triebwagen technische Probleme hatte.

Wie schnell diese theoretische Diskussion nun konkret werden kann, hat uns Corona gezeigt.“ Mit einem Schlag kam es über mehrere Wochen und Monate hinweg auf allen Strecken zu einer erheblichen Einschränkung des Personennahverkehrs. Solche Einnahmeausfälle hätten beim bisherigen Konzept des bayerischen Reaktivierungsmodells dazu geführt, dass der Infrastrukturbetreiber auf umfangreiche Trasseneinnahmen hätte verzichten müssen und deshalb die Refinanzierung der Investition gefährdet worden wäre, so der Geschäftsführer.

Fischach will auch das Bahnhofsumfeld umgestalten

Hingegen sei der Ansatz des novellierten Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG), erforderliche Erstinvestitionen in Strecken, die reaktiviert werden sollen, mit bis zu 90 Prozent zu fördern, genau der richtige Ansatz, so Teichmann. Auch Fischachs Bürgermeister Peter Ziegelmeier hofft darauf, dass diese neue Finanzierungsberechnung für das Projekt greift. Die Kommunen entlang der Strecke werden aber auf jeden Fall ihren Teil beitragen müssen. Ziegelmeier rechnet für Fischach mit einem Betrag von sicher zwei Millionen Euro. Die Marktgemeinde möchte auch das Bahnhofsumfeld passend umgestalten, etwa mit Parkplätzen für Pendler.

Ende August soll es neue Zahlen geben, wie teuer die Reaktivierung wird. Wie Walter Michale vom Landratsamt vor wenigen Tagen vor dem Kreistag in Augsburg sagte, ermitteln die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm derzeit die Kosten für die Reaktivierung und untersuchen dabei den Zustand von Bahnhöfen und Gleisen. In der Vergangenheit war die Modernisierung der 13 Kilometer langen Strecke mit bis zu 20 Millionen Euro veranschlagt worden. Ob diese Zahl noch gilt, soll bis Ende August feststehen. (mit cf)

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